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Heiligengrabe Als der „Furchenkieker“ noch Mode in Glienicke war
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16:01 09.02.2020
Männer im Jahr 1956 in der Landwirtschaft: Rechts der junge Rudi Wernik (r.). Der heute 91-Jährige ist der älteste Zeitzeuge. Quelle: Privat
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Glienicke

Die Plätze sind begehrt und schnell besetzt. Beim Geschichtsnachmittag am Samstag im Gemeindehaus in Glienicke kommen schnell die Gespräche in Gang und schon rückt die Landwirtschaft in den Mittelpunkt.

Seit mehr als 15 Jahren gehört im Februar ein Geschichtsnachmittag zum Veranstaltungskalender in Glienicke. Ingrid Blüschke hielt nun mit „Die Landwirtschaft von der Bodenreform bis zur Wendezeit“ Überraschungen aus vergangenen Tagen bereit.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 begann die Bodenreform. Unter dem Motto „Junkerland in Bauernhand“ mussten Großgrundbesitzer mit mehr als 100 Hektar Land ihren Besitz abgeben. Der ersatzlos enteignete Grundbesitz wurde neu verteilt.

Herbert Münzer (l., 90 Jahre) und der 91-jährige Rudi Wernik (2.v.r.) waren am Samstag die ältesten Zeitzeugen in Glienicke. Quelle: Christamaria Ruch

Auch in Glienicke leitete die Bodenreform eine neue Ära ein. Landarbeiter und Siedler prägten nun das Bild in der Landwirtschaft. Siedler erhielten zehn Hektar Land inklusive Grünland sowie drei bis vier Hektar Wald. Die Großeltern von Egon Blüschke gehörten zu den Flüchtlingen und siedelten ebenfalls auf.

Eine Kuh für jeden Siedler

„Im Zuge der Bodenreform erhielt jeder Siedler außerdem eine Kuh. Allerdings sah es mit der Verteilung von Schweinen sehr schlecht aus“, erinnerte sich Egon Blüschke. Per Losglück hielt seine Mutter das einzige Ferkel in den Armen.

Die LPG „Glück auf“ in Zaatzke gründete sich im April 1953. Die Aufnahme entstand einige Jahre später. Quelle: privat

Nach dem Krieg standen kaum Maschinen bereit. „Mit der Sense musste das Getreide gemäht und Kartoffeln konnten nur mit der Hacke bearbeitet werden“, sagte Ingrid Blüschke.

Rudi Wernik überzeugte damals als besonders geschickter Landarbeiter. Der inzwischen 91-Jährige war am Samstag der älteste Zeitzeuge und tauchte auf vielen Aufnahmen als fotogener Mann auf. Herbert Münzer ist 90 Jahre alt, war ebenfalls in der Landwirtschaft tätig und Gast beim Geschichtsnachmittag.

Mühsam: 1947 war Landwirtschaft vor allem Handarbeit. Quelle: privat

1952 fassten die Einheitspartei und die Regierung den Beschluss zur LPG-Gründung. Am 12. April 1953 gründete sich die LPG in Zaatzke, die wenig später LPG „Glück auf“ hieß. „Der LPG-Vorsitzende kam aus dem Bergbau“, sagte Detlef Lewandowski. Wer Mitglied der LPG wurde, musste einen Inventarbeitrag in Höhe von 5000 Mark einbringen. Gebäude oder Vieh zählten dazu; ein Pferd war beispielsweise 800 Mark wert.

Furchenkieker berichtet seit 1950

Die Zeitschrift „Furchenkieker“ der Maschinen- und Traktorenstation (MTS) in Tetschendorf veröffentlichte ab den 1950er Jahren auch für Glienicke und Zaatzke Nachrichten aus der Landwirtschaft. „Dort wurden Bauern namentlich gelobt“, sagte Ingrid Blüschke.

Mit einer Bilderstrecke auf der Leinwand kam ordentlich Bewegung in die Geschichtsstunde. „Bilder sind ein guter Zugang, damit wird Geschichte fundamentiert“, sagte der Wittstocker Historiker Wolfgang Dost. Neben Rudi Wernik und anderen Männern tauchte immer wieder Olga Blums auf.

1955: Olga Blums leistete schwere körperliche Arbeit. Quelle: privat

Karla Ewerz aus Zaatzke erinnerte sich an die 1980er Jahre. Sie kam 1982 als Diplom-Agraringenieurin frisch vom Studium und begann in der LPG „Goldener Morgen“ in Zaatzke. „Das war damals eine schwere Zeit, es gab zwei Jahre Engpässe bei Rind- und Schweinefleisch.“ Als Absolventin war sie vollgestopft mit Wissen, aber erlebte vor Ort ein Dilemma. Mastbullen mussten mit 350 Kilogramm Gewicht in den Schlachthof geschickt werden – sie bringen normalerweise das Doppelte auf die Waage.

Den Mitarbeitern blutete das Herz

„Es musste die Versorgung sicher gestellt werden, den Mitarbeitern hat das Herz geblutet“, so Karla Ewerz. Für die Erfüllung der Planzahlen fehlte vor allem die Futtergrundlage für die Tiere. Staatliche Betriebe wie die Volkseigenen Güter (VEG) erhielten Sojaschrot als Kraftfutter und konnten problemlos die Leistungen der Tiere steigern. „Ich habe nach der Wende das erste Mal Sojaschrot gesehen“, so Karla Ewerz.

Von Christamaria Ruch

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