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Heiligengrabe Phänomen Granit 27 ist eine Rarität in der Feuerwehr
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12:31 20.02.2019
Stolze Feuerwehr-Oldtimerfreunde in Wernikow vor ihrem Phänomen Granit 27. Quelle: Christamaria Ruch
Wernikow

Dieser Klang ist wie Musik in den Ohren. Kaum startet Reinhard Wiedebusch den luftgekühlten Benzinmotor am Phänomen Granit 27, liegt ein schweres und markantes Geräusch in der Luft. Gleichmäßig tuckert der Motor an dem Oldtimerfahrzeug.

Mit dem Phänomen Granit 27 hat Wernikow eine echte Feuerwehrrarität zu bieten. „Es gibt davon insgesamt nur noch fünf bis sieben Exemplare“, sagt Reinhard Wiedebusch.

Muskelkraft ist bei Reinhard Wiedebusch gefragt, denn der Oldtimer Phänomen Granit 27 fährt natürlich ohne Servolenkung. Quelle: Christamaria Ruch

Das formschöne Fahrzeug aus dem Baujahr 1950 stammt von der IFA-Vereinigung volkseigener Fahrzeugwerke, KFZ-Werk Zittau. Die feuerwehrtechnische Aufrüstung erfolgte in Görlitz.

Neun Menschen haben Platz im Phänomen

„Von 1974 bis 2000 sind wir damit zu den Einsätzen gefahren. 1974 waren wir das erste Dorf im Altkreis Wittstock mit so einem Fahrzeug, vorher war es in Wittstock im Einsatz“, erinnert sich Wiedebusch. Neun Personen können im Phänomen Granit 27 Platz nehmen.

Seit März 2018 sind die Brandschützer in doppelter Mission im Einsatz: Sie bergen, löschen und retten und kümmern sich als Feuerwehr-Oldtimerfreunde um besondere Schätze auf zwei und vier Rädern.

Lutz Parchen und Reinhard Wiedebusch haben den Hut bei der Oldtimertruppe auf. 37 Frauen und Männer sind dort aktiv. Neben 22 Brandschützern reihen sich auch Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung ein, außerdem weitere Freunde des alten Blechs.

Formschönes Design: Die geschwungene Motorhaube. Quelle: Christamaria Ruch

Unter dem Dach des Heimatvereins Wernikow sind die Oldtimerfreunde in einer eigenen Sparte aktiv. Der 84-jährige Paul Kohlmetz ist der älteste Oldtimerfreund. „Ich bin seit 70 Jahren in der Feuerwehr“, sagt er. Neben ihm sind Schwiegersohn Lutz Parchen und Enkel Sebastian Parchen bei den Oldtimerfreunden und im Brandschutz aktiv.

„Seit 2000 stand das Fahrzeug in einer Scheune im Ort. Wir wollten es vorsichtshalber an unser Dorf binden“, sagt Wiedebusch. Seit Anfang dieses Jahres ist die Nutzung amtlich besiegelt. Zwischen der Gemeinde Heiligengrabe und dem Heimatverein Wernikow liegt ein Vertrag vor.

Einsatzbereit: Sogar kleine Chausseegrabenbrände könnten dank der Tragkraftspritze 8 gelöscht werden. Quelle: Christamaria Ruch

„Wir sind Nutzer, hegen und pflegen das Fahrzeug“, sagt Wiedebusch. 2018 starteten die Oldtimerfreunde beim vom Landkreis organisierten Wettbewerb „Unser Dorf lebt durch uns.“ „Wir haben unsere Ideen und Pläne vorgestellt und dann sogar 200 Euro gewonnen“, erinnert sich Reinhard Wiedebusch.

Robuste Bauweise, knarrendes Getriebe

Der Phänomen Granit 27 überzeugt mit einer robusten Bauweise. Allein der Anblick der geschwungenen Motorhaube lässt Oldtimerherzen höher schlagen. Die feuerrote Farbe „haben wir noch zu DDR-Zeit gespritzt“, sagt Roland Stark. „Die Innenausstattung aus Eschenholz ist immer noch Original“, sagt Reinhard Wiedebusch. „Alles ohne Servorlenkung, da merkt man nach 20 Kilometern, was man gemacht hat“, sagt er. Das Getriebe knarrt durchgehend, doch diese Geräusche gehören einfach zum guten Ton. Mit maximal 80 Kilometer pro Stunde rollt die Oldtimerrarität über die Straßen.

Steckleitern auf dem Dach

Beim genauen Hinsehen kommen immer mehr Details zum Vorschein. Unter den Türen zum Einstieg befinden sich an beiden Seiten des Fahrzeugs insgesamt vier Fächer. Dahinter verbergen sich A-Rohre, Spaten und weiteres Zubehör. Auf dem Dach sind zwei Steckleitern aus Holz festgezurrt. Aus dem Kofferraum kann mit ein paar Handgriffen die Tragkraftspritze (TS) 8 herausgerollt und in Position gebracht werden. „Damit können wir notfalls einen kleinen Chausseegrabenbrand löschen“, sagt Roland Stark.

Anfang der 1990er Jahre gehörte der Phänomen Granit 27 zu den Schmuckstücken bei einem Oldtimertreffen in Hamburg-Harburg. „Da sind wir richtig aufgefallen“, sagt Stark. „Wenn wir zu Gemeindeausscheiden fahren, dann immer auch mit diesem Oldtimer“, sagt Reinhard Wiedebusch.

Gemeinschaft ist wichtig

Doch die Oldtimerfreunde sind noch viel breiter aufgestellt. Sie nutzen im Ort eine Scheune der Gemeinde Heiligengrabe und bringen diese nach und nach weiter in Schuss. „Vergangenes Jahr haben wir die Fundamente verstärkt und den Boden gepflastert“, sagt Ricardo Havemann. „Es geht uns gar nicht darum, dass wir damit fertig werden, sondern die Gemeinschaft ist uns allen wichtig“, sagt Roland Stark. Jeder der Oldtimerfreunde bringt sich ein, wie es der Zeitplan zulässt.

Abstrahlen, grundieren, lackieren

Von März bis November werkeln sie immer am Freitag vor dem ersten Sonntag im Monat an und in der Scheune. Auch der Tragkraftspritzenanhänger (TSA), Baujahr von 1960 oder eine Schlauchwagenrarität mit Hartgummireifen sind der Stolz der Oldtimerfreunde. „Als nächstes bearbeiten wir den Rost am TSA“, so Roland Stark. Abstrahlen, grundieren, lackieren – die Oldtimerfreunde arbeiten in allen denkbaren Handwerksberufen und legen bei der Pflege des alten Blechs viel Fingerspitzengefühl an den Tag.

Von Christamaria Ruch

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