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Heiligengrabe Die Besonderheit der Gemeinde Heiligengrabe
Lokales Ostprignitz-Ruppin Heiligengrabe Die Besonderheit der Gemeinde Heiligengrabe
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18:30 16.05.2019
Der Ortsbeirat von Heiligengrabe bei seiner letzten Sitzung: Bernd Michael, Tom Seemann, Ortsvorsteher Ulf Bumke (v.l.). Der Beirat beendet seine Arbeit zum 26. Mai. Quelle: Björn Wagener
Heiligengrabe

Für den Ort Heiligengrabe bricht bald eine neue Zeit an – eine ohne Ortsbeirat. Wenn zur Kommunalwahl am 26. Mai in allen anderen Ortsteilen der Gemeinde Heiligengrabe die Wähler ihre Kreuzchen auf den Stimmzetteln machen und damit über die Zusammensetzung der künftigen Gremien in der Lokalpolitik entscheiden, passiert in Heiligengrabe nichts, jedenfalls, wenn es um den Ortsbeirat geht.

Es fand sich einfach niemand, der diese ehrenamtliche Aufgabe hätte übernehmen wollen. Und der bisherige Ortsbeirat ist sich einig: Er will nicht weiter machen. So herrschte denn auch bei der letzten Zusammenkunft des Gremiums eine etwas gedämpfte Stimmung in der Runde.

Berufliche Gründe

Die Gründe für den Schlusspunkt gleichen sich bei den einzelnen Beiratsmitgliedern. „Sie sind allein beruflicher Natur. Ich habe einfach nicht

Die Gemeinde Heiligengrabe

Die Gemeinde Heiligengrabe gehört zum Kreis Ostprignitz-Ruppin.

Einwohner: 4452, sie leben in 14 Ortsteilen.

Fläche: 207,64 Quadratkilometer

Wer regiert seit 2014?

Bürgermeister: Holger Kippenhahn (Wählergemeinschaft Heiligengraber Land). Er wurde 2007 direkt in dieses Amt gewählt und bei der Bürgermeisterwahl 2015 mit 56,3 Prozent der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von acht Jahren bestätigt.

Gemeindevertretung: Sie hat 16 Sitze plus Bürgermeister. Vorsitzender ist Hans-Heinrich Grünhagen (Wählergemeinschaft Heiligengraber Land). Dieser Wählergemeinschaft gehören ebenfalls an: Sylvia Zienecke; Cord Mentzel; Axel Fischer; Thomas Albrecht; Fred Wehland; Andreas Francke.

Alternative Wählergruppe Gemeinde Heiligengrabe: Wolfram Hlouschek; Ulf Bumke; Bernd Michael.

Freie Wählergemeinschaft Prignitz-Ruppin: Annette Stark.

Bürgerliste Blumenthal-Grabow-Rosenwinkel: Bettina Teiche, Christian Rieger, Holger Steinhauer, Olaf Stallknecht.

Wählergruppe Lebens(t)raum Dorf zwischen Jäglitz und Glinze: Robert Scholz, der stellvertretende Vorsitzende der Gemeindevertretung.

Wer tritt in der Gemeinde Heiligengrabe an?

Für die Gemeindevertretung: Für die CDU: Uta Köhn aus Heiligengrabe.

Für die Linke: Sylvia Zienecke aus Maulbeerwalde; Fabian Kremp aus Königsberg.

Für die Freie Wählergemeinschaft Prignitz-Ruppin: Annette Stark aus Maulbeerwalde; Axel Fischer aus Königsberg; Ilona Gottschalk aus Blumenthal; Uwe Weltzien aus Jabel.

Für die Wählergemeinschaft Heiligengraber Land: Hans-Heinrich Grünhagen aus Wernikow; Thomas Albrecht aus Herzsprung; Marcel Wildebrandt aus Papenbruch; Andreas Francke aus Maulbeerwalde; Cord Mentzel aus Glienicke; Fred Wehland aus Jabel; Georg Beuter aus Blesendorf; Matthias Fickler aus Liebenthal; Mario Jennrich aus Königsberg; Birgit Nikolowius aus Blandikow; Kerstin Maruschke aus Zaatzke; Marco Mundt aus Heiligengrabe; Jörg Meusburger aus Blandikow.

Für die Bürgerliste Blumenthal-Grabow-Rosenwinkel: Bettina Teicheaus Blumenthal; Olaf Stallknecht aus Rosenwinkel; Christian Rieger aus Dahlhausen; Holger Steinhauer aus Grabow; Harald Glöde aus Blumenthal; Thomas Jansen aus Blumenthal; Felix von Lewinski aus Horst.

Für die Alternative Wählergruppe Gemeinde Heiligengrabe: Ulf Bumkeaus Heiligengrabe; Wolfram Hlouschek aus Blesendorf; Rüdiger Francke aus Maulbeerwalde; Bernd Michael aus Heiligengrabe; Gero Becker aus Heiligengrabe; Holger Wille aus Heiligengrabe.

Für die Wählergruppe Lebens(t)raum Dorf zwischen Jäglitz und Glinze: Robert Scholz aus Blandikow; Maik Koch aus Zaatzke; Ellen Borck aus Blandikow; Sylvana Doerks aus Heiligengrabe; Robert Hänselaus Blandikow; Karsten Bork aus Blandikow; Katrin Friedemann aus Blandikow; Maria Kühn aus Blandikow; Katrin Flinzner aus Blandikow.

mehr die Zeit dafür. Wenn man ein Amt übernimmt, dann sollte man es auch richtig machen“, sagt Noch-Ortsvorsteher Ulf Bumke und betont, dass es nicht an Differenzen mit der Gemeindeverwaltung gelegen habe. Bumke, der auch Mitglied der Heiligengraber Gemeindevertretung ist, hatte bei Abstimmungen in der Vergangenheit nie mit seiner Meinung hinterm Berg gehalten, auch wenn er davon ausgehen konnte, überstimmt zu werden. Immerhin: Der Gemeindevertretung würde er gern weiterhin angehören, wenn das der Wählerwille ist. Er kandidiert für die Alternative Wählergruppe Heiligengrabe um einen Sitz in dieser Runde.

Künftig andere Prioritäten

Die anderen beiden Noch-Ortsbeiräte Bernd Michael und Tom Seemann möchten künftig andere Prioritäten in ihrem Leben setzen. „Ich werde mich verstärkt dem Gemeindekirchenrat zuwenden“, sagt Seemann. Dort gebe es genug zu tun, allein wegen des derzeit stattfindenden Strukturwandels.

Einen ähnlichen Cut plant Bernd Michael. Über Jahrzehnte hinweg habe er sich für das Dorf in verschiedenen Gremien eingesetzt. „Ich war immer für andere da“, sagt er. Jetzt sei es an der Zeit, einen Schritt zurück zu gehen und auch mal an die eigene Gesundheit zu denken. Er sei ohnehin geschäftlich sehr eingespannt.

Wichtige Impulse gegeben

Bürgermeister Holger Kippenhahn dankt dem Ortsbeirat. „Er hat wichtige Impulse gegeben“, sagt er. Zum Beispiel, als es darum ging, sich für mehr Bauland für potenzielle Zuzügler in Heiligengrabe einzusetzen. Kippenhahn hofft, dass sich später vielleicht doch noch ein neuer Ortsbeirat in Heiligengrabe findet. Gerade im größten und namensgebenden Ortsteil der Gemeinde sei eine Vertretung vor Ort immer die bessere Variante.

Kita-Leiterin Dietlinde Boduan findet es ebenfalls „sehr schade“, dass es nun keinen Ortsbeirat mehr gibt. Es habe immer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gegeben. „Es war gut, dass immer jemand da war, den man fragen konnte.“

Nachwahl im September möglich

Frühestens im September könnte eine Nachwahl folgen, wenn sich bis dahin jemand für das Ehrenamt fände. Ronny Iczak ist Vorsitzender des örtlichen Vereins FSV Heiligengrabe 1962. Er bezweifelt, dass das klappt, auch wenn er es sich wünschen würde. Die meisten Leute, die für diese Aufgabe in Frage kämen, seien ohnehin schon mit anderen Aufgaben stark beansprucht.

Heiligengrabe bekommt in absehbarer Zeit ein Dorfgemeinschaftshaus. Der Umbau des Pavillons auf dem Schulgelände ist angelaufen, wird aber teurer als zunächst geplant, vor allem wegen gestiegener Baupreise. Wie viel teurer es werden wird, sei noch nicht festzumachen, sagt Bürgermeister Holger Kippenhahn.

Eine Reihe weiterer Baumaßnahmen habe gerade begonnen oder stehe kurz bevor – darunter der Bau des Feuerwehrgerätehauses und der geplante Umbau des alten Feuerwehrhauses zu einem Dorfgemeinschaftshaus in Zaatzke oder die Sanierung der Königsberger Dorfstraße. Die Gemeinde habe eine gute finanzielle Basis.

Haushalt seit 2003 niemals defizitär

„Seit der Gemeindegebietsreform 2003 hatten wir keinen defizitären Haushalt. Wir haben seitdem sehr viel investiert und Kitas und Schulen erhalten.“ Erhalt und Ausbau der Infrastruktur gehören für Kippenhahn auch künftig zu den wichtigsten Aufgaben.

Und nicht nur das. „Wirtschaft, Versorgung, Kultur, Mobilität mit Bus und Bahn – wir müssen eine dünn besiedelte Region so gestalten, dass sie eine gute Lebensgrundlage bietet“, sagt Kippenhahn und nennt das erfolgreich laufende Kümmerer-Projekt als erfreuliches Beispiel. Es nahm in Blumenthal seinen Anfang und wird nun auf weitere Gemeindebereiche ausgedehnt. Das Dorf Heiligengrabe bekam einen Supermarkt. Noch Potenzial sieht er in der Verbesserung der Bahnverbindungen.

Knapp 400 Pendler

Rund 1200 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gebe es in der Gemeinde. Allein knapp 400 Arbeitnehmer pendelten täglich von Wittstock nach Heiligengrabe. „Es gibt schon eine natürliche Notwendigkeit, mit dem Nachbarn Wittstock gut zusammenzuarbeiten. Das wollen wir weiter ausbauen und gleichzeitig die Verbindung zu Pritzwalk suchen“, sagt Kippenhahn.

Bei all den Zukunftsplänen sieht er die Gemeinde auf einem guten Weg. Viele ehemalige Städter – vor allem aus dem Raum Berlin – hätten die Vorzüge des Landlebens bereits entdeckt und seien in Dörfer der Gemeinde gezogen. „Das verändert das kulturelle Leben dort und bringt auch Herausforderungen mit sich, weil unterschiedliche Menschen aufeinander treffen. Aber das sind schönere Herausforderungen, als zu überlegen, wann wir hier die Tür zuschließen.“

Einwohnerzahl stagniert

4452 Einwohner leben aktuell in der Gemeinde Heiligengrabe. Auch wenn es in den vergangenen Jahren leichte Zuwächse gegeben habe, so sieht der Bürgermeister die Entwicklung derzeit als „Stagnation“. Um 2005 – als Herzsprung und Königsberg von Wittstock in die Gemeinde Heiligengrabe wechselten, seien es 5200 Einwohner gewesen. Heute gehe es darum, die vorhandene Einwohnerzahl etwa konstant zu halten.

Um das zu erreichen, seien politische Entscheidungen ein wichtiger Aspekt. In der Gemeinde Heiligengrabe werden diese vor allem von Wählergruppen getroffen. Parteien spielen kaum eine Rolle. Lediglich Sylvia Zienecke vertritt die Linke. Diese Konstellation wird sich auch in Zukunft nicht grundsätzlich ändern, auch wenn sich mit Uta Köhn die CDU um einen Sitz in der neuen Gemeindevertretung bemüht.

Eine besondere Situation

Kippenhahn sieht das nicht als Nachteil, sondern als eine „besondere Situation“. Wählergemeinschaften seien ein „loser Verbund von unterschiedlichen Menschen, die sich von gesundem Menschenverstand leiten lassen.“ Da sei der Landwirt ebenso vertreten wie der Handwerksmeister, Ingenieur oder Tierarzt. „Fraktionszwang gibt es bei Wählergemeinschaften gar nicht. Das macht es sehr demokratisch, wenn man nicht an Parteiprogramme gebunden ist, sondern die Sache an sich bewertet. Genau das zeichnet die Gemeinde aus“, fasst Kippenhahn zusammen.

Es bleibe spannend. Vor allem beim Thema Windkraftanlagen rechnet der Bürgermeister künftig mit konträren Haltungen in der Gemeindevertretung und entsprechenden Diskussionen. „Wer entscheidungsfreudig ist, ist dort genau richtig.“

Von Björn Wagener

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