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Heiligengrabe Kirchengemeinde zieht alle Register
Lokales Ostprignitz-Ruppin Heiligengrabe Kirchengemeinde zieht alle Register
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00:21 30.12.2018
Andreas Arnold stimmt jede der 393 Orgelpfeifen. Quelle: Christamaria Ruch
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Papenbruch

Ein lang gezogener Ton dringt durch die Kirche in Papenbruch. Bernd Leppin sitzt an der Hollenbachorgel. „Das ist das kleine Dis“, sagt der Orgelbauer. Aus dem Innenraum des Instruments antwortet Orgelbaumeister Andreas Arnold: „Weiter.“ Beide sind dabei, das Instrument Pfeife für Pfeife zu intonieren, also zu stimmen.

Das Vorhaben ist abgeschlossen. Die Kirchengemeinde bittet dennoch um weitere Spenden.

Die Orgel in Papenbruch wird derzeit saniert – die Arbeiten enden in dieser Woche. Damit ist in der Kirchengemeinde die Freude groß. Seit zwei Jahren stand das Vorhaben auf dem Wunschzettel. „Unser Ziel war es, bis zum Beginn der Landesgartenschau im April 2019 in Wittstock fertig zu sein“, sagt Pfarrer Berthold Schirge.

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13 000 Euro fließen in das Projekt. 2000 Euro stellte die Arbeitsgemeinschaft zur Rettung historischer Orgeln bereit, der Landkreis Ostprignitz-Ruppin 1000 Euro, die Lütkemüllergesellschaft 750 Euro, die Gemeinde Heiligengrabe 300 Euro und der Ortsbeirat Papenbruch 100 Euro. Hinzu kommen Spenden in Höhe von 400 Euro aus der Sammlung in der Kirche in Papenbruch. Gut 2500 Euro sind das Ergebnis einer Sammlung in Papenbruch und bei ehemaligen Einwohnern des Dorfes.

Kirchengemeinde geht in Vorkasse

Mit 5950 Euro aus Haushaltsmitteln der Kirchengemeinde Papenbruch geht die Gemeinde zunächst in Vorkasse – und freut sich deshalb über weitere Spenden. „Jeder Spender, der mehr als 250 Euro gegeben hat oder gibt, wird namentlich an einer Tafel in der Kirche aufgeführt“, stellt Schirge in Aussicht. Die aus dem Jahre 1902 stammende Albert-Hollenbach-Orgel ist schon lange in die Jahre gekommen. Vandalismus beschädigte das Instrument Ende der 1980er Jahre. 1993 folgte eine erste notdürftige Reparatur.

„Anfang Dezember haben wir die Pfeifen ausgebaut, teilweise war das Instrument stark verschmutzt“, sagt Andreas Arnold. 393 Pfeifen gehören zum Instrument mit acht Registern. „95 Pfeifen fehlten und werden nun ersetzt“, so Arnold. Die Metallpfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung sorgen für „eine schöne Klangfärbung“, sagt der 54-Jährige.

Albert Hollenbach (1850 bis 1904) war ein Schüler des berühmten Orgelbauers Friedrich Hermann Lütkemüller (1815 bis 1897), der als berühmtester Sohn aus Papenbruch gilt. Hollenbachorgeln zeichnen sich durch eine solide Bauweise aus. „Die Orgel ist technisch im Originalzustand, der einzige große Verlust sind die 95 Pfeifen“, so Arnold.

Die Prospektpfeifen, das sind die für die Besucher sichtbaren Pfeifen, wurden 1917 durch Zinkpfeifen ersetzt. Jetzt sind sie farblich neu gefasst. „Die waren schwarz verrußt, drei Tage hat die Reinigung gedauert“, sagt Arnold.

Außerdem ist der Blasebalg mit Schafleder neu beledert und das Leder an den gekröpften Holzpfeifen ersetzt. Im Gegensatz zum Orgelbaumeister Lütkemüller passte Hollenbach seine Orgeln dem jeweiligen Raum an.

Einzelne Pfeifen gekröpft

In diesem Zuge kröpfte er einzelne Pfeifen; dabei wird der Pfeifenkörper um 90 Grad abgewinkelt. Lütkemüller hingegen baute seine Orgeln in Serienreihe. „Beim Orgeleinbau musste dann schon mal die Kirchendecke angehoben werden“, sagt Andreas Arnold.

Orgelbauer Bernd Leppin reicht Andreas Arnold die ausgebauten Pfeifen. Reihe für Reihe setzt er diese in das Pfeifenraster ein, dann werden sie intoniert. Arnolds Anspruch lautet, Zeitgeschichte zu erhalten.

Bereits Heiligabend konnten vier Register an der Orgel wieder gespielt werden. Dörte Simon-Rhin aus Blandikow brachte das Instrument zum Klingen. „Wir alle haben an diesem Tag das erste Mal wieder das Register „Gambe“ gehört“, sagt Berthold Schirge. Zukünftig können wieder alle Register an der Orgel gezogen werden.

Info Die Kirchengemeinde Papenbruch bittet um weitere Spenden. Sie werden weiter erbeten an die Kirchengemeinde Papenbruch, Zweck Orgelspende Papenbruch, IBAN DE08 3506 0190 1555 7780 11

Von Christamaria Ruch