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Heiligengrabe Schadstoffsammler leben brandgefährlich
Lokales Ostprignitz-Ruppin Heiligengrabe Schadstoffsammler leben brandgefährlich
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00:23 17.05.2019
Marcus Knoll (l.) und Karl-Heinz Dobberstein touren noch bis Ende Mai mit dem Schadstoffmobil durch Ostprignitz-Ruppin. Quelle: Christamaria Ruch
Blumenthal

Ronald Fröhlich, Georg Muschner und andere Männer stehen in den Startlöchern. Kaum rollt das blaue Schadstoffmobil von Alba Nord auf den Containerplatz an der Feuerwehr in Blumenthal (Gemeinde Heiligengrabe), öffnen die Männer die Kofferräume ihrer Autos. In beiden Händen tragen sie Flaschen, Kanister und Eimer.

Seit 2017 tourt das Schadstoffmobil zweimal im Jahr durch Ostprignitz-Ruppin. Zuvor gab es eine Tour pro Jahr. Alba Nord übernimmt die Touren des Schadstoffmobils und ist im Auftrag des Landkreises unterwegs. „Im Frühjahr geben die Einwohner weniger bei uns ab als im Herbst“, sagt Karl-Heinz Dobberstein. Der 62-Jährige ist seit sechs Jahren als Schadstoffsammler für die Umwelt unterwegs.

Schadstoffsammler Karl-Heinz Dobberstein kennt sich bestens mit den gefährlichen Stoffen aus und berät jeden Bürger gern. Quelle: Christamaria Ruch

Deshalb kennt er mittlerweile auch die Gewohnheiten. „Über Winter wird weniger renoviert als im Sommer und aus diesem Grund fallen im Frühjahr weniger Schadstoffe an.“ Akkus, Batterien, Brennspiritus, lösungsmittelhaltige Farben und Lacke, Leuchtstoffröhren und Schädlingsbekämpfungsmittel wandern in das Schadstoffmobil - all diese Stoffe sind dort richtig aufgehoben.

Die Zigarette muss im Umkreis des Fahrzeugs immer ausbleiben, denn bei diesem Sammelfahrzeug geht es um gefährliche und auch entzündliche Stoffe.

Das Auto hat mehrere Sicherheitsbehälter

Das große Fahrzeug ist mit acht ASP-Sicherheitsbehältern ausgestattet. Dort werden feste und pastöse Stoffe gesammelt. Hinzu kommen Akkuboxen für bleihaltige Batterien und blaue Fässer, in die Pflanzenschutzmittel, Rohrreiniger oder Laugen wandern. Außerdem Sammeltonnen für kleine Batterien oder Fächer für Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen.

Die Arbeit ist brandgefährlich: Für den Ernstfall steht ein Koffer mit Schutzausrüstung für die Schadstoffsammler griffbereit. Quelle: Christamaria Ruch

Die häufigsten Fehler und Irrtümer werden bei der Entsorgung von Farben gemacht. „Seit Anfang dieses Jahres gehören von den Lacken und Farben nur noch lösungsmittelhaltige in das Schadstoffmobil“, sagt Karl-Heinz Dobberstein.

Alle anderen Farben und Lacke auf Wasserbasis sollen bei geöffnetem Deckel aushärten und dann schließlich über den Restmüll entsorgt werden. Die Eimer können schließlich mit offenem Deckel in die gelbe Tonne wandern. „Man muss sich schon die Mühe machen, das Kleingedruckte zu lesen“, sagt Karl-Heinz Dobberstein.

50 Kilo dürfen pro Person abgegeben werden

Beim Schadstoffmobil darf jeder Bürger nur haushaltsübliche Mengen an Schadstoffen abgeben. Das sind 50 Kilogramm pro Person und Sammeltermin. Diese Begrenzung wird allerdings häufig überschritten.

Behältnisse sollen immer verschlossen abgegeben werden. Ein Fehler ist auch, dass Schadstoffe am Sammelpunkt abgestellt, aber nicht an die Schadstoffsammler übergeben werden. „Die meisten Leute reagieren ohne Murren und sind verständnisvoll, wenn wir Dinge nicht annehmen oder wenn die Mengen zu hoch sind“, sagt Karl-Heinz Dobberstein.

Georg Muschner aus Blumenthal gibt Altöl beim Schadstoffmobil ab und zeigt damit Umweltbewusstsein. Quelle: Christamaria Ruch

Er spricht sachlich und mit gleich bleibender Freundlichkeit zu den Männern in Blumenthal. „Gut, dass es das Schadstoffmobil gibt“, sagt Georg Muschner. Roland Fröhlich stimmt zu: „Das ist wichtig, dass die Schadstoffe nicht irgendwo vor sich hingammeln, sondern abgegeben werden können.“

Er holt vier Kanister Altöl aus seinem Auto und bringt sie zum Schadstoffmobil. „Altöl wird noch angenommen“, klärt der Schadstoffsammler auf. Gleichzeitig ist es möglich, Altöl dort wieder abzugeben, wo es gekauft wurde. „Hauptsache, der Kassenzettel wird aufgehoben. Beim Einkauf hat jeder Kunde schon die Entsorgung mit bezahlt“, erklärt Dobberstein.

Marcus Knoll nimmt auch ausgediente Feuerlöscher entgegen. Diese stehen nicht auf der Liste in der Abfallfibel. Quelle: Christamaria Ruch

Marcus Knoll hat ebenso alle Hände voll zu tun. Der 38-Jährige ist neu beim Schadstoffmobil und lernt bei jedem Tourstopp dazu. Auch alte Feuerlöscher stapelt er in dem Fahrzeug. Auf der Liste der Abfallfibel sind Feuerlöscher zwar nicht zu finden, sie gehören aber in das Schadstoffmobil.

Für den Notfall liegt ein Koffer mit Schutzausrüstung griffbereit: Sicherheitsschuhe, Schutzmaske und noch anderes sollen im Ernstfall Schaden von den Schadstoffsammlern abwenden. Außerdem werden die Mitarbeiter regelmäßig beim arbeitsmedizinischen Dienst untersucht.

Silvesterknaller, Munition oder Karbid gehören zur Gruppe der Sprengstoffe und sind damit beim Schadstoffmobil tabu. „Knaller können zum Beispiel in einem Eimer mit Wasser eingeweicht und dann über den Restmüll entsorgt werden“, so Karl-Heinz Dobberstein.

Das Schadstoffmobil in Ostprignitz-Ruppin

Die Kosten für den Einsatz des Schadstoffmobils im Jahr 2018 für private Haushalte, Gewerbe und zur Einsammlung herrenloser Abfälle umfassten circa 157.000 Euro.

Die Gesamtmenge der eingesammelten Schadstoffe lag 2018 bei 62,9 Tonnen. Pro Haushalt sind das gut 1,3 Kilogramm Schadstoffe.

Von 2009 bis 2018 variierte die eingesammelte Schadstoffmenge zwischen 56 und 69 Tonnen.

Rangliste der Schadstoffe 2018: Gefährliche Farben mit 25,5 Tonnen, nicht gefährliche Farben 17,2 Tonnen, Lösemittel 16,3 Tonnen, Bleibatterien (Auto) 1,6 Tonnen, Spraydosen 1,4 Tonnen, Pestizide 313 Kilogramm, Reinigungsmittel 177 Kilogramm, Säuren 106 Kilogramm

Die fachgerechte Entsorgung der angenommenen Schadstoffe erfolgt in verschiedenen zertifizierten Entsorgungsanlagen, abhängig von der Abfallart.

Alba Nord, Betriebsstätte Rom in Mecklenburg-Vorpommern, übernimmt die Touren des Schadstoffmobils. Der genaue Tourenplan kann der Abfallfibel entnommen werden. Auch im Internet unter www.ostprignitz-ruppin.de sind dieses Angaben zu finden.

Von Christamaria Ruch

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