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Heiligengrabe Spielen, bis die Puste ausgeht: Heiligengraber Posaunenchor wird 70
Lokales Ostprignitz-Ruppin Heiligengrabe Spielen, bis die Puste ausgeht: Heiligengraber Posaunenchor wird 70
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12:34 26.04.2019
Der Posaunenchor Heiligengrabe mit seinem Gründungsmitglied Richard Wunsch (sitzend) bereitet sich nun auf die große Feier zum 70-jährigen Bestehen vor. Quelle: Christamaria Ruch
Heiligengrabe

Auch wenn Richard Wunsch sein Instrument schon lange nicht mehr spielt, einen Ehrenplatz hat das Baritonhorn dennoch bei ihm gefunden. Richard Wunsch wird an diesem Sonntag 97 Jahre alt. Er gehört 1949 zu den Gründungsmitgliedern im Posaunenchor Heiligengrabe.

Jetzt bereitet sich das Ensemble auf sein 70-jähriges Jubiläum vor. Am Sonntag, 30. Juni, wird dieser Geburtstag ab 14 Uhr mit einem Gottesdienst in der Dorfkirche in Heiligengrabe gefeiert. „Das ist schon etwas ganz Besonderes, dass wir noch ein Gründungsmitglied bei unserem Jubiläum begrüßen können“, sagt Konrad Toppel aus dem Prignitzdorf Sarnow.

Er begann 1973 als Sechsjähriger mit seinem Bruder Hans-Ulrich im Posaunenchor Buchholz/Sarnow. Der Chor löste sich damals auf und die Mitglieder wechselten vor 29 Jahren nach Heiligengrabe. Konrad Toppel leitet seit Anfang dieses Jahres das Ensemble.

Das Gründungsjahr 1949: Richard Wunsch (l.), Erich Wunsch (2.v.l.) und Reinhard Schubert (r.) spielen mit. Quelle: Christamaria Ruch (Repro)

Der Beginn vom Posaunenchor Heiligengrabe geht bis in das Jahr 1948 zurück. Damals weckte ein Vortrag über Kirchenmusik und Posaunenarbeit unter jungen Leuten den Wunsch, gemeinsam zu musizieren. Dazu gehörten auch die Brüder Erich und Richard Wunsch.

„Ich bin in meiner Familie mit Musik aufgewachsen“, erinnert sich Richard Wunsch. Er stammt aus Wolhynien, einer historischen Landschaft in der nordwestlichen Ukraine. Er sang schon als Kind im Chor, spielte dann Bass und Tuba. Die Familie flüchtete Ende des Zweiten Weltkrieges und kam nach Heiligengrabe. Heute lebt er dort im Seniorenheim und pflegt noch immer Kontakte zum Posaunenchor.

Erich Wunsch leitete den Chor vier Jahrzehnte

Im Gründungsjahr 1949 leitete Reinhard Schubert den Chor. Dann folgte 40 Jahre lang Erich Wunsch. Später übernahmen Reinhard Lietz, Gustav Gertz, Konrad Toppel und Ulrich Preuß als Doppelspitze, Rebekka Leitloff, Annedore Mader und Maxim Burtsev den Chor. Und jetzt springen Ernst Elit oder Klaus Raschkowski ein, wenn Konrad Toppel verhindert ist.

Trompete, Flügelhorn, Tenor- und Baritonhorn, Tuba und Zugposaune finden im vierstimmigen Posaunenchor zusammen. Aktuell ist das eine reine Männerrunde. Posaunenbläser stehen für Beständigkeit. „Einmal Chor, immer Chor“, sagt Klaus Raschkowski. „Natürlich ist das immer wieder schade, wenn die jungen Leute die Region verlassen“, sagt Konrad Toppel. Mitunter werfen sie auch das Handtuch, weil sie keine Lust mehr haben.

Der Posaunenchor Heiligengrabe: Das Ensemble steht für ein breites musikalisches Repertoire – hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1966. Quelle: Christamaria Ruch (Repro)

Dominik Walter ist 18 und Franz Meyer 19 Jahre alt. Beide wohnen in Heiligengrabe, begannen vor sieben Jahren mit dem Spielen und sind derzeit die jüngsten Mitglieder. Obwohl sie in der Ausbildung sind, reihen sie sich bei Auftritten ein. „Posaunenchor macht Spaß, ich bin da hineingeboren, das ist eine familiäre Atmosphäre“, sagt Franz Meyer. Georg Meyer hat sein Lehramtsstudium beendet, absolviert sein Referendariat in Potsdam und kommt zu den Auftritten.

Der 44 Jahre alte Sebastian Heß aus Kuhsdorf gehört ebenso zu den Aktiven, die nach eigenem Bekunden „hier hineingeboren“ sind. Wolfgang Buschbeck aus Kuhsdorf ist seit 1982 dabei und mit 70 Jahren derzeit der älteste Posaunenbläser. Ernst Elit ist 68 und spielt seit 58 Jahren. „Ich spiele, bis die Puste ausgeht“, sagt er. Ernst Elit trägt als Notenwart Verantwortung für die reibungslosen Auftritte. Helmut Buß aus Kemnitz macht seit einem Jahr mit.

Der Chor spielt Ostern, Pfingsten, Weihnachten

Im Chor herrscht eine gute Gemeinschaft, darüber sind sich die elf Mitglieder einig. Jeden Donnerstag um 19.30 Uhr proben durchschnittlich acht Aktive im Gemeinderaum der Kirchengemeinde Heiligengrabe.

Auftritte in der Kirche gehören zu den Traditionen. Der Chor spielt Ostern, Pfingsten, bei Konfirmationsjubiläen, Erntedank oder Weihnachten. „Das sind mindestens zehn bis 14 Auftritte jedes Jahr“, sagt Konrad Toppel.

Zu früheren Zeiten umrahmte der Chor auch häufig Hochzeiten oder Beerdigungen. Erst im Januar dieses Jahres trat der Posaunenchor bei der Beerdigung von Kurt Pekrul auf. Er war der dienstälteste Bläser und mehr als 62 Jahre dabei.

Respekt: Der Chor hat 500 Lieder drauf

Zum Repertoire gehört ein breites Spektrum. Die Mitglieder beherrschen Klassik, geistliche Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch bis hin zu Volksliedern. „Das Choralbuch hat 400 bis 500 Lieder. Die können wir alle“, sagt Konrad Toppel. Außerdem kommen Märsche oder moderne und melodische Stücke gut an. „Es gibt unbegrenzt viele Lieder, die wir in unserem Chor spielen; jedes Stück muss nur immer wieder aufgefrischt werden“, sagt Konrad Toppel.

Am Sonntag, 30. Juni, wird das Jubiläum ab 14 Uhr mit einem Gottesdienst und Gastchören in der Dorfkirche in Heiligengrabe und anschließender Kaffeetafel im Gemeindehaus gefeiert.

Von Christamaria Ruch

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