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Ostprignitz-Ruppin Hohe Erwartungen an Feuerwehren: Nur die Wichtigsten bekommen Geld vom Land
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hohe Erwartungen an Feuerwehren: Nur die Wichtigsten bekommen Geld vom Land
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19:18 11.11.2019
Zuschüsse für neue Fahrzeuge bekommen seit Jahren im Land Brandenburg nur noch die Stützpunktwehren. Gemeinden, die nur eine „normale“ Feuerwehr haben, müssen die teure Technik aus der eigenen Tasche zahlen. Quelle: Michael Hübner
Walsleben/Heiligengrabe

Als die Feuerwehr in Wildberg vor wenigen Wochen ihr neues Feuerwehrauto bekam, wurde die Übergabe inszeniert wie eine Boxweltmeisterschaft: Zu dramatischen Klängen schälte sich das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug Zentimeter für Zentimeter aus einer dichten Wolke von Nebel, umtost vom Applaus der Feuerwehrleute.

Amtswehrführer Sebastian Giesert war der Stolz anzusehen, die moderne Technik an die Feuerwehrleute übergeben zu können. Es war das erste Mal, dass das Amt Temnitz wirklich ein großes Fahrzeug für die Feuerwehr ganz neu gekauft hat. Bisher waren nur gebrauchte Autos drin.

Feuerwehrautos aus eigener Tasche

Weit über 300.000 Euro hat das neue Löschfahrzeug für Wildberg gekostet. So etwas kann sich das kleine Amt Temnitz nicht jedes Jahr leisten. Dabei wäre das dringend nötig. „Wir haben kein Großfahrzeug, das jünger ist als 20 Jahre“, sagt Giesert. Viele haben weit mehr Jahre hinter sich – mit allen Problemen, die das mit sich bringt: häufige Ausfälle, teure Reparaturen, aufwendige Suche nach Ersatzteilen.

Alte Fahrzeuge müssen nicht schlecht sein. Doch wird ihr Unterhalt immer teurer und aufwändiger. Was, wenn die Technik im Notfall plötzlich versagt? Irgendwann hilft selbst die beste Pflege nicht mehr. Quelle: Peter Geisler/Archiv

Ein Problem: Das Amt Temnitz muss die Fahrzeuge für alle seine Feuerwehreinheiten komplett selbst bezahlen. Fördermittel vom Land gibt es nicht. Anders als etwa Neuruppin, Wittstock, Rheinsberg oder Fehrbellin muss das Temnitzamt bisher ohne Zuschuss auskommen. Doch wenn es nach Amtsdirektor Thomas Kresse geht, soll sich das jetzt endlich ändern.

Stützpunktfeuerwehren sollen aushelfen

Etwa 15 Jahre ist es her, dass das Land Brandenburg entschieden hat, die Feuerwehren neu zu ordnen. Damals wurden sogenannte Stützpunktwehren eingeführt.

Die Idee war, einige ausgewählte Standorte besonders gut auszustatten, damit sie auch anderen Feuerwehren zu Hilfe kommen können, wenn die alleine überfordert sind. „Stützpunktfeuerwehr nehmen auch überregionale Aufgaben wahr“, erklärt Frank Kliem, Vizepräsident beim Landesfeuerwehrverband Brandenburg.

Einsätze auf und an der Autobahn muss die Temnitzer Wehr ständig leisten. Der größte bisher war der Unfall mit einem Säuretankwagen an der Raststätte Walsleben 2017. Quelle: Peter Geisler

Und weil das Geld sowieso nicht für alle Feuerwehren im Land reichte, hat das Innenministerium damals festgelegt, dass künftig nur noch die Stützpunktfeuerwehren Fördermittel für den Kauf neuer Fahrzeuge bekommen. Rund die Hälfte der Fahrzeugkosten übernimmt das Land bei ihnen. Da kommen pro Auto schon mal mehrere Hunderttausend Euro zusammen. Geld, das alle, die nicht Stützpunktwehr sind, allein zusammensuchen müssen.

Nur jede zehnte Feuerwehr wird gefördert

1045 Feuerwehren gibt es laut Innenministerium im gesamten Land Brandenburg. Nur jede zehnte hat den offiziellen Status einer Stützpunktwehr. Zurzeit seien es genau 103, sagt Andreas Carl vom Innenministerium.

Als das Land den Status eingeführt hat, haben sich sieben der zehn Gemeinden im Kreis Ostprignitz-Ruppin dafür beworben. Lediglich die Ämter Temnitz, Lindow und die Gemeinde Heiligengrabe haben bis heute keine Stützpunktwehr. Temnitz und Heiligengrabe wollen das jetzt nachholen – auch mit der Hoffnung, künftig ebenfalls Fördermittel für die teure Technik zu bekommen und besonders alte Autos endlich ausrangieren zu können.

Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald (l.) und sein Stellvertreter Olaf Lehmann müssen bewerten, ob die Feuerwehren alles erfüllen, was von einer Stützpunktwehr gefordert wird. Quelle: Peter Geisler

Doch der Weg dorthin ist nicht leicht. Die Feuerwehren müssen beweisen, dass sie alles leisten können, was von einer Stützpunktwehr erwartet wird. Das Schwierigste: Jede Stützpunktwehr muss in der Lage sein, zu jeder beliebigen Tag- und Nachtzeit ausreichend Leute für zwei komplette Löschzüge zusammenzubekommen – mehr als 50 Mann.

Zu hohe Kriterien für Oberhavel?

„Das muss man erst einmal schaffen“, sagt Frank Kliem, der als langjähriger Amtswehrführer im Amt Zehdenick und Kreisbrandmeister in Oberhavel um die Probleme der allermeisten kleinen Feuerwehren im Land weiß.

Ostprignitz-Ruppins Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald will sich zu den Chancen der Feuerwehren im Amt Temnitz und in Heiligengrabe derzeit nicht äußern. „Das ist ein schwebendes Verfahren“, sagt er. Hohenwald und seine Stellvertreter müssen die Arbeit der beiden Feuerwehren überprüfen und bewerten.

Mehr Einsätze auch in anderen Orten

Ihr Urteil ist später Grundlage für die Entscheidung, die das Innenministerium treffen wird. So viel sagt Hohenwald aber doch: „Nur auf das Geld zu schauen, reicht sicherlich nicht aus.“

Das ist auch dem Temnitzer Amtsdirektor Thomas Kresse klar. „Uns geht es um viel mehr“, sagt er dann auch. Für ihn ist der Status als Stützpunktfeuerwehr auch eine wichtige Anerkennung der Arbeit für die Feuerwehrleute. Und er würde den Weg frei machen, dass die Temnitzer Wehr regulär Notfälle außerhalb ihres eigentliche Gemeindegebiets übernehmen könnte.

In Rägelin baut das Amt gerade ein neues Gerätehaus. Aus Kresses Sicht wäre es zum Beispiel viel sinnvoller, dass die Feuerwehrleute von dort zu einem Einsatz ins benachbarte Rossow ausrücken, als die Feuerwehr aus dem weiter entfernten Wittstock zu holen, die dort bisher zuständig wäre.

Jeder 27. Temnitzer ist in der Feuerwehr

Nirgends sonst im Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist der Anteil der Feuerwehrleute an den Einwohnern so groß wie im Amt Temnitz. Mehr als 200 Aktive sind es insgesamt. Etwa jeder 27. Einwohner des Amtes Temnitz ist Mitglied der Feuerwehr. In Neuruppin ist es nicht einmal jeder Hundertste.

Von den rund 90 Einsätze der Temnitzer Feuerwehr im Jahr findet etwa jeder dritte auf der Autobahn statt. Auch deshalb ruft das Amt seit Jahren nach mehr Hilfe aus Potsdam. Ob es die künftig gibt, entscheidet sich vielleicht in einigen Wochen. Auch für Heiligengrabe.

Sebastian Giesert leitet die Feuerwehr im Amt Temnitz seit 2015. Quelle: Celina Aniol

Lindow hat darauf keine Hoffnung: „Wir könnten die Voraussetzungen dafür niemals erfüllen“, sagt Amtswehrführer Enrico Herwy ganz klar. Zwei Löschzüge rund um die Uhr? Die kann das Amt Lindow auf keinen Fall stellen. „Und realistisch gesehen können das viele andere Feuerwehren auch nicht“, sagt er.

Herwy hofft eher, dass die Landesregierung irgendwann ein Einsehen hat und ihre Förderpolitik generell überprüft. Denn moderne Technik ist wichtig – auch als Motivation für die Leute. Mit Autos wie in Vielitz ist das schwer. Für das 40 Jahre alte Tanklöschfahrzeug gibt es nicht einmal mehr Ersatzteile. Es muss dringend ein Neues her. Und wovon bezahlen? Am Ende dreht sich eben doch alles ums Geld.

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