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Ostprignitz-Ruppin In zehn Jahren von ganz hinten an die Spitze
Lokales Ostprignitz-Ruppin In zehn Jahren von ganz hinten an die Spitze
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16:14 16.03.2018
Blick in die Röbeler Vorstadt in Wittstock. Quelle: Björn Wagener
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Wittstock

59,70 Euro – so viel kostet die Megawattstunde Gas für die Mieter im Wohngebiet Röbeler Vorstadt in Wittstock. Wie dieser Preis einzuordnen ist, zeigt ein Blick in eine Vergleichstabelle des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). In keinem der aufgeführten 24 Orte wird demnach weniger für die genannte Gasmenge bezahlt. Die Werte liegen dort zwischen 85 und 110 Euro je Megawattstunde.

„Mir ist nicht bekannt, auch nicht auf Bundesebene, dass der Heizwärmepreis irgendwo günstiger ist als bei uns“, sagt Hans-Jörg Löther, Geschäftsführer der Wittstocker Gebäude- und Wohnungsverwaltung (GWV). Zugute komme das den Mietern der 543 Wohnungen, die mit dem stadteigenen Blockheizkraftwerk versorgt werden. Das wurde im Februar 2016 in Betrieb genommen. Zusammen mit Investitionen in Höhe von 2,1 Millionen Euro in die energetische Sanierung – etwa das Dämmen von Kellerdecken, Böden und Außenwänden – sei mittlerweile „das Optimum“ erreicht. In Zahlen ausgedrückt: Die Kosten für die Fernwärme sanken von rund 1,34 Millionen Euro im Jahr 2012 um etwa 838 000 Euro (62,5 Prozent) auf aktuell nur noch 502 000 Euro. Den Gasverbrauch noch weiter drücken zu wollen, würde Ausgaben erforderlich machen, die gegenüber der Einsparung schlicht zu hoch seien, so der Geschäftsführer Hans-Jörg Löther.

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Das Ziel nach zehn Jahren nun erreicht

Das heißt, die GWV hat in Sachen Fernwärmeversorgung erreicht, was sie vor zehn Jahren in Angriff genommen hat – die enorme Senkung der Heizkosten zugunsten der Mieter. Damals habe der Preis noch bei 128,52 Euro pro Megawattstunde gelegen – bei einem Durchschnitt im BBU-Vergleich von 75,28 Euro. „Anfangs waren wir wirklich sehr schlecht, befanden uns unter den letzten zehn Prozent der in der Tabelle aufgeführten Kommunen“, bekennt Löther. Doch gerade dieser direkte Vergleich sei wie eine „Initialzündung“ für ihn gewesen.

Der Prozess, der daraufhin in Gang gesetzt wurde, ist bekannt: Die Stadt entkoppelte sich im August 2013 mit einem Bolzenschneider martialisch, aber wirkungsvoll vom damaligen Fernwärmeversorger und nahm die Sache stattdessen selbst in die Hand. Das BHKW wurde gebaut und die Röbeler Vorstadt wenig später aus eigener Hand versorgt. Die Gasversorgung wird seither ausgeschrieben, sodass die GWV die volle Kostenkontrolle behält. Außerdem erzeugt das Heizkraftwerk auch einen geringeren Teil an Elektroenergie, die ins Netz eingespeist und vergütet wird. Auch die BBU bezeichnet diesen Weg als „beispielhaft“, wie deren Pressesprecher David Eberhart sagt: „In Wittstock hat man sich sehr für die Mieter eingesetzt.“

Erst ein Etappensieg

Dennoch ist dieses erfolgreiche Modell für Löther erst ein Etappensieg. Der nächste Schritt gehe in eine andere Richtung. So werde daran gedacht, künftig gestaffelte Preise einzuführen. Das heißt, wer einen gewissen Durchschnittsverbrauch nicht übersteigt, bekommt einen günstigeren Preis als derjenige, der das nicht tut. Damit wolle die GWV die Mieter dazu animieren, stärker auf die eigenen Heizkosten zu achten. Denn mit den günstigeren Preisen habe laut Löther auch eine gewisse Sorglosigkeit in Sachen Wärme bei manchen Mietern eingesetzt. Das zusätzliche Geld, das die Viel-Verbraucher durch die Staffelung zahlen, würde dann in die weitere energetische Sanierung von Gebäuden investiert.

Von Björn Wagener