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Ostprignitz-Ruppin Jeder kann Landfrau sein
Lokales Ostprignitz-Ruppin Jeder kann Landfrau sein
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17:36 10.07.2019
Die unverwüstlichen Vögel sind begeisterte Simson-Fans aus Linum. Ralf Hüttig ist der Chef der Truppe. Quelle: Hannah Rüdiger
Neuruppin

Engagement, Gemeinschaft und Heimatliebe: Landfrauen bilden in vielen Gemeinden einen wichtigen Eckpfeiler des Dorflebens. Was viele nicht wissen: Die Vereine sind keine exklusiven Frauenclubs – sondern offen für alle, die sich für ihr Dorf oder ihre Region engagieren wollen. Beim Brandenburger Landfrauenverband finden sich deshalb zahlreiche Männergruppen.

Auch die Kreislandfrauen Ostprignitz-Ruppin haben einige Landmänner unter ihrem Dach aufgenommen. Seit 2017 sind „Die unverwüstlichen Vögel“ aus Linum Teil des Kreisverbandes.

Bei den Schraubern und Sammlern dreht sich alles um die DDR-Kleinkrafträder der Marke Simson. Sechs Männer, drei Frauen und vier Kinder gehören zu den Zweirad-Fans. Gründer der Gruppe ist Ralf Hüttig aus Linum.

Simson-Mopeds im Schweinestall

Seinen ganzen Sammlerstolz präsentiert er in einem umgebauten Schweinestall. Auf dem ehemaligen Heuboden reihen sich verschiedenste Modelle aneinander, viele davon – wie die berühmten Schwalben – aus der Simson-Vogelreihe.

„Bei denen hier ist noch alles original von der Bereifung bis zum Kettenkasten“, sagt Ralf Hüttig und streicht über den Lenker eines Spatzes von 1964.

Angefangen habe bei ihm alles mit dem Kleinkraftrad SR 2. Seine Frau hatte ihm die Maschine einst zu Weihnachten geschenkt. „Dann ging’s Schlag auf Schlag“, erzählt er. Das Ehepaar legte sich immer mehr Mopeds zu, das Sammeln wurde zum gemeinsamen Hobby. „Was das Sammeln betrifft, war meine Frau sogar noch verrückter als ich.“

Das unverkennbare Simson-Logo. Quelle: Hannah Rüdiger

Traditionen aufrecht erhalten

Mittlerweile besitzen die Hüttigs 35 Mopeds, dazu noch ein paar Dreiräder und einen Trabi. Gemeinsam mit anderen Simson-Fans gründeten sie im Oktober 2017 den Verein „Die unverwüstlichen Vögel“.

Ziel des kleinen Zusammenschlusses ist es, die Simson-Tradition zu erhalten und den Nachwuchs mit ihrer Nostalgie anzustecken. Einmal im Jahr organisiert der Verein ein großes Simson-Treffen, zu dem zuletzt 2000 Sammler und Bastler aus dem ganzen Land kamen. So groß war sonst nur das Linumer Storchenfest.

Die Mopedliebhaber tun viel für das Dorfleben. Um als kleiner Verein mit wenigen Mitgliedern überleben zu können, brauchten sie jedoch eine Absicherung. „Wir haben uns gezielt an die Landfrauen gewandt“, erzählt Ralf Hüttig. Untereinander kenne und schätze man sich sehr. Also schlüpften die „Unverwüstlichen“, wie sie sich selbst gern nennen, unter das Dach der Landfrauen.

Simson-Mopeds überall: Ralf Hüttig sammelt nicht nur die Kleinkrafträder selbst. Quelle: Hannah Rüdiger

„Wir sind offen für alle“

„Wir Landfrauen sind offen für alle – auch für Männer“, erklärt die Vorsitzende Wilma Nickel. Auf Landesebene gebe es viele Männergruppen, die sich den Landfrauen angeschlossen haben. Sie habe sich sehr gefreut, als „Die unverwüstlichen Vögel“ damals auf sie zugekommen sind. Für sie ist das auch ein Zeichen dafür, dass die Arbeit ihres Kreisverbands gut ankommt.

Zu allen wichtigen Sitzungen seien die Männer eingeladen. „So mischt sich das gut durch und man hat alle dabei“, sagt die frühere Ortsvorsteherin. Das sei keine Besonderheit, sondern in der Satzung und in den Grundsätzen der Landfrauen verankert.

Viel Zeit und Geld für das Hobby

„Wenn die Landfrauen Unterstützung von uns brauchen, helfen wir ihnen natürlich“, sagt Ralf Hüttig. Zum Beispiel, wenn Tische oder Bänke aufgebaut werden müssen. Ansonsten machten die Unverwüstlichen aber eher ihr eigenes Ding.

In ihr Hobby stecken die Schrauber und Sammler viel Zeit und Geld. Andere würden ihre Ersparnisse für Kreuzfahrten opfern, die Hüttigs machen eben Urlaub mit ihren geliebten Simson-Mopeds. „Von unserem Hobby haben wir 365 Tage im Jahr etwas“, sagt der Sammler.

Die Schwalbe war das erste Modell aus der Vogelreihe von Simson. Quelle: Hannah Rüdiger

Simson-Fabrikate haben viele Fans

Das Schöne daran seien die Komplimente, die ihnen unterwegs für die Maschinen gemacht werden. „Da kann eine Harley auf dem Rastplatz stehen – die Leute kommen trotzdem zu uns, um sich die SR 2 auf dem Hänger anzusehen“, erzählt der Linumer.

Manche würden sogar um Fotos bitten. „Die Omas und Opas erzählen ihren Enkeln richtige Geschichten zu den Mopeds“, sagt er.

Demnächst planen die Hüttigs wieder einen Trip an die Ostsee. Mit den Simson-Maschinen, die im Schnitt 20 bis 25 Kilometer pro Stunde fahren, ist das eine ganz schöne Reise. „Das ist total stressfrei“, sagt Ralf Hüttig. Dafür nehme er gerne in Kauf, dass die Oldtimer auf Dauer nicht sonderlich komfortabel sind.

Von Hannah Rüdiger

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