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Ostprignitz-Ruppin So hat Fontane sein Brandenburg nie gesehen
Lokales Ostprignitz-Ruppin So hat Fontane sein Brandenburg nie gesehen
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00:28 27.06.2019
Die Viktoria auf dem Denkmal für die Schlacht bei Fehrbellin scheint in der Morgensonne jeden Moment fortzuschweben. Quelle: Karsten Schirmer
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Neuruppin

Die Siegesgöttin Viktoria wirkt fast winzig. Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich am Morgen vorsichtig ihren Weg durch die Wolken am nebelverhangenen Horizont. Noch haben sie das Denkmal bei Hakenberg nicht erreicht. Doch der Betrachter ahnt schon, wie das Gold in wenigen Minuten zu funkeln beginnt.

Karsten Schirmer hat sich sehr bewusst für diese Perspektive entschieden, als er das Denkmal für die Schlacht bei Fehrbellin fotografiert hat. „Ich wollte es nicht von unten fotografieren“, sagt er. Tausende Fotos zeigen die große Säule bei Hakenberg so.

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Schirmer guckt von oben auf die Szenerie, quasi über die Schulter der Göttin. Im erste Moment scheint es um die Siegessäule zu gehen. Tatsächlich steht aber die wunderbare Landschaft ringsum im Mittelpunkt des Bildes.

Wie sehen Fontanes Orte heute aus?

Ein Jahr lang war der Oranienburger Karsten Schirmer mit Kameras und Foto-Drohnen unterwegs auf den Spuren Theodor Fontanes. Monatelang hat er die Orte besucht, die Fontane einst in seinen Wanderungen beschrieb. Schirmer wollte zeigen, wie die Orte heute wirken, rund 150 Jahre nach Fontanes Besuch.

Karsten Schirmer vor dem Alten Gymnasium in Neuruppin. Quelle: Reyk Grunow

In mehreren Ausstellungen waren seine Fotos zuletzt zu sehen, unter anderem in Neuruppin. Jetzt hat Schirmer zusammen mit dem Verlag Culturcon Media einen Bildband herausgebracht.

Auf 103 Seiten zeigt der 41 Orte, fast ausschließlich aus der Luft: das Alte Gymnasium in Neuruppin in der Morgendämmerung, das nächtens erleuchtete Schloss Rheinsberg, das Gestüt in Neustadt, das verfallene Gut Gentzrode, das Oderbruch, die Schinkelkirche Neuhardenberg, Schloss Friedrichsfelde ...

Gute Fotos sind viel Arbeit

Karsten Schirmer hat das Fotografenhandwerk von der Pike auf gelernt und später noch ein Studium dazu nachgelegt. Er arbeitet als Berufsfotograf mit eigenem Studio in Oranienburg. Mit „Über den Schlössern und Seen – Theodor Fontanes Brandenburg“ bringt er seinen ersten Bildband heraus.

Die Bilder wirken friedlich, idyllisch, entspannt. Als Betrachter ahnt man kaum, wie viel Arbeit in ihnen steckt.

Um den richtigen Moment abzupassen, ist viel Vorbereitung nötig. Das Licht muss stimmen, die Jahreszeit, das Wetter. Und dann brauchte Schirmer auch immer noch das Einverständnis der Eigentümer, um sein fliegendes Auge aufsteigen lassen zu können. Manche Orte musst er mehrfach besuchen, oft stundenlang auf den richtigen Moment warten und manchmal auch unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren.

Der Blick von oben ist nicht einfach

Vor zwei Jahren hat er begonnen, mit Fotodrohnen zu arbeiten. „Da war alles noch ganz locker mit den Drohnen“, erinnert er sich. Inzwischen musst er eine Art Mini-Pilotenschein machen, um damit er seine Kameras weiter aufsteigen lassen darf.

Nicht jeder Ort aus Fontanes Wanderungen hat es in den Bildband geschafft. Manche gibt es heute nicht mehr, bei anderen war das Fotografieren zu schwierig oder das Bild am Ende doch nicht gut genug. Karsten Schirmer wollte das Besondere zeigen, keine Postkartenmotive.

Karsten Schirmer: „Über den Schlössern und Seen – Theodor Fontanes Brandenburg“, erschienen im Verlag Culturcon Media, 103 Seiten, 32 Euro

Von Reyk Grunow und Annika Jensen