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Ostprignitz-Ruppin Kat-Pflicht für Rasenmäher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kat-Pflicht für Rasenmäher
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10:15 20.06.2013
Die Kat-Pflicht würde auch die Besitzer von kleinen Rasenmähern mit Verbrennungsmotoren treffen.
Die Kat-Pflicht würde auch die Besitzer von kleinen Rasenmähern mit Verbrennungsmotoren treffen. Quelle: dpa
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Groß Hasslow

Jede Kleinmaschine mit Zweitaktmotor soll zum Schutz des damit Arbeitenden künftig mit einem Katalysator ausgerüstet sein. Das fordert der Bezirksverband Brandenburg der IG Bauen-Agrar-Umwelt. Das wäre das Aus für Rasenmäher, Freischneider und Heckenscheren. Viele Laubenpieper schwören geradezu auf Geräte mit Benzinmotor wegen der Unabhängigkeit von Kabel und Strom.

Doch die Forderung aus dem Landesvorstand der IG Bauen träfe auch Baufirmen, Maschinenverleiher und natürlich die Gerätehändler. Der Landesvorsitzende der IG Bau Brandenburg, Rudi Wiggert, setzt sich mit dem Versuch einer Bundesgesetzesinitiative für eine Kat-Pflicht zur Abgasreinigung selbst an kleinsten Arbeitsmaschinen ein. Dabei betont Wiggert, dass es ihm um einen verbesserten Gesundheitsschutz gehe. Bediener von Klein-Baumaschinen mit Benzin-Zweitaktmotoren würden im Auspuffdunst gesundheitsgefährdende Arbeiten ausführen. „Vom Presslufthammer bis zum Stromaggregat – die Maschinen auf Baustellen sollen einen Katalysator bekommen“, so Wiggerts Forderung in einer Pressemitteilung. „Wenn ein Bauarbeiter mit einer Stampfmaschine in einem tiefen Graben arbeitet, dann kann es zur Vergiftung kommen“, sagt Wiggert. Die IG Bau appelliert an Bauunternehmer im Kreis Ostprignitz-Ruppin, ihre Maschinen mit Benzinmotoren umgehend mit einem Katalysator nachzurüsten und auf Maschinen ohne Kat zu verzichten. Die IG will mit Umweltverbänden zusammenarbeiten, um eine Kat-Pflicht für Baumaschinen durchzusetzen.

Bei der Baumec in Groß Haßlow erntet Wiggert für diesen Vorstoß nur Kopfschütteln. „Das ist maßlos übertrieben“, sagt Geschäftsführer Hans Leder. Eine Kat-Nachrüstung wäre für jede Benzinmotor-Kettensäge, jede Rüttelplatte und andere Kleingeräte zwingend, aber keinesfalls umsetzbar. Selbst was technisch noch machbar sei, wäre aus Kostengründen nicht haltbar.

„Kein Baumaschinen-Ausleihkunde würde uns auch nur einen Cent mehr bezahlen, weil ein Gerät mit Katalysator ausgerüstet ist. Auf Nachrüstkosten bleiben wir sitzen. Diese Nachrüstung ist aufwändig und teuer“, sagt Geschäftsführer Leder. Zudem sei erwiesen, dass die Maschinenleistung deutlich sinke. Außerdem sei für die meisten Kleingeräte bisher gar kein Kat auf dem Markt zu bekommen. Selbst der Einzelhandel würde auf den deutlich teureren Geräten sitzen bleiben, vermutet Leder.

Bauamts-Sachgebietsleiter Hans-Joachim Mantey von der Stadtverwaltung Wittstock ist entsetzt über den Vorstoß ausgerechnet aus der IG Bau. „Das ist für unsere Kleingeräte nicht machbar“, sagt Mantey. Der Anteil der Kleinmaschinen-Abgase an der Umweltbelastung und die Lebensdauer der hoch belasteten Kleintechnikmotoren sei gering, dieser Nachrüst-Aufwand wäre nicht gerechtfertigt. „Warum setzt sich die IG Bauen-Agrar-Umwelt nicht zuerst für Katalysatoren an Flugzeugen und Panzern ein? Warum wird die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Briketts mit aktiver Unterstützung der IG im Land Brandenburg massiv ausgeweitet, ohne zugleich auf eine viel aufwändigere Abgasreinigung zu bestehen?“, fragt Mantey. Technikumrüstung oder gar -erneuerung würde die Stadt gleich einige 10 000 Euro kosten.

Dass es der IG-Bau-Landesvorsitzende einseitig auf die Baubranche mit einer Gesetzesinitiative zur Katpflicht für Verbrennungsmotoren abgesehen hat, wird von Experten bereits mit Kopfschütteln quittiert. Das wäre eine einseitige Benachteiligung. Diese Pflicht müsste dann generell für alle Kleinmaschinen, auch im privaten Gebrauch, gelten. Das träfe Besitzer der kleinen Rasenmäher und Heckenscheren mit Verbrennungsmotoren.

„Das sprengt den Rahmen der Vernunft. Dass ausgerechnet die IG Bau so etwas anregt, ist weltfremd und nicht umsetzbar“, sagt Mantey.

Der Baumec-Geschäftsführer und der Sachgebietsleiter vom Wittstocker Bauamt sehen eine wirtschaftliche Gefährdung für die Bauwirtschaft. Es gelten bereits neue Richtlinien, dass große Baugeräte nachgerüstet werden müssen, um die Euro-5- und sogar demnächst die Euro-6-Abgasnorm zu erfüllen. „Den Gewinn machen die Kat-Ausrüster.“, sagt Leder. Und derzeit gibt es kaum neue kleine Maschinen mit Katalysatorauspuff. Zudem müssten die Maschinen leistungsgesteigerte Motoren bekommen, weil der Kat einen spürbaren Leistungsverlust mit sich bringt. „Dann aber ist eine Motorkettensäge gleich viel schwerer und kaum noch zu handhaben“, sagt ein Mitglied von der freiwilligen Feuerwehr, der mit diesem Gerät für Einsatzfälle übt.

Sachgebietsleiter Mantey bezweifelt den gewünschten Umwelt-Schutzeffekt. Ganz andere und viel größere Umweltverschmutzer müssten mit strengeren Normen beauflagt werden. „Aber da traut sich niemand ran, die Lobby ist zu stark“, so Mantey.

In gleicher Weise argumentieren auch Niederlassungsmitarbeiter bei den anderen regionalen Maschinenverleihern. Sie bezweifeln die Durchsetzbarkeit und wünschen jetzt schon dem einseitigen Vorstoß des Gewerkschafters „eine Abfuhr und Ablehnung auf ganzer Linie. Er hätte vorher mit den Maschinenverleihern und ihren Kunden darüber diskutieren sollen“, kommentiert ein Niederlassungsleiter in Wittstock die fragwürdige Initiative.

Ein Verleiher in Wittstock mit Sitz in Kiel verweist auch darauf, dass bei der Geräteübergabe stets auf Gesundheitsrisiken hingewiesen würde und jeder Bauleiter seine Beschäftigten informiert.

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