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Ostprignitz-Ruppin Keine Obergrenze für Puten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Keine Obergrenze für Puten
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00:19 24.11.2017
Die Putenzuchtbetriebe in Rägelin und Pfalzheim können in Zukunft ausgebaut werden. Die Gemeinde Temnitzquell stimmte entsprechenden Entwürfen trotz Bedenken mehrheitlich zu. Quelle: Peter Geisler
Pfalzheim/Rägelin

Die große Putenfarm der Firma Kartzfehn mit den Standorten Pfalzheim und Rägelin soll für die Zukunft gesichert werden. Das hat die Gemeindevertretung von Temnitzquell in ihrer Sitzung am Montagabend beschlossen. Die Vertreter stimmten mehrheitlich für den Entwurf und die formelle Öffentlichkeitsbeteiligung der Pläne für die Standorte Pfalzheim und Rägelin.

Eine Gemeindevertreterin äußerte allerdings erhebliche Bedenken. Charis Riemer aus Netzeband kritisierte vor allem die kurze Zeit von nur einer Woche, die ihr zum Prüfen der Entwürfe und der dazugehörigen Anlagen gegeben worden seien. „Die Dokumente umfassen mehr als 1000 Seiten. Ich möchte nicht über etwas abstimmen, dass ich nicht vollständig verstanden habe“, sagte sie. Ihr Antrag, über die Entwürfe erst in vier Wochen abzustimmen, wurde jedoch abgelehnt.

Die Putenfarm in Pfalzheim bietet Platz für über 30 000 Tiere. 20 Menschen arbeiten hier. Quelle: Peter Geisler

Riemer befürchtet, dass ein Großteil der Gemeindevertreter in der Abstimmung befangen gewesen sei. Einige Landwirte aus der Region kooperieren mit Kartzfehn. Laut Kommunalverfassung muss sich ein Gemeindevertreter selbst vor der Abstimmung als befangen erklären und sich enthalten, wenn es Interessenskonflikte gibt. Das hat niemand getan.

Bei der Sitzung am Montagabend hatten Delegierte einer Berliner Sachverständigenfirma für Immissionsschutz (SFI), die von Kartzfehn beauftragt worden waren, die Veränderungen im Flächennutzungs- und im Bebauungsplan vorgestellt. Auch mögliche Folgen für die Umwelt wurden angesprochen.

Die Neuerungen seien notwendig, weil das Baugesetzbuch novelliert worden war und dadurch die Firma Kartzfehn als gewerblicher Betreiber der Farm bestimmte Richtlinien einhalten müsse, erklärte ein SFI-Sprecher. „Ziel ist es, die Standorte bauplanungsrechtlich zu sichern. Außerdem sollen angemessene betriebliche, technische und bauliche Entwicklungen möglich sein.“ Die Umwelt und vor allem die angrenzenden geschützten Naturbiotope sollen auch durch eine veränderte Flächennutzung nicht belastet werden, so der Sprecher.

Durch den Beschluss der neuen Pläne ändert sich zunächst nichts weiter an den Betrieben. Allerdings könnte Kartzfehn in Zukunft die Standorte ausbauen. In den neuen Dokumenten ist beispielsweise keine verbindliche Obergrenze für die Zahl der Puten am Standort mehr festgelegt. Der neue Bebauungsplan sieht darüber hinaus Wohnflächen für Angehörige des Betriebes vor. „Wir lassen uns hier auf eine Sache ein, die wir noch gar nicht absehen können“, warnte Charis Riemer. Vor allem die Umweltbelastung sei ein Problem. „Die SFI hat für die Pläne keine Belastungen gemessen, sondern alles nur am Schreibtisch berechnet. Ich glaube, das war einigen Gemeindevertretern nicht ganz klar oder egal, als sie abgestimmt haben“, sagte Riemer.

Der Putenmastbetrieb sei wichtig für die Gemeinde, sagt Johannes Oblaski, der Bürgermeister von Temnitzquell. „Wir sind froh, dass wir hier so einen großen Bestandsbetrieb haben. Ohne Gewerbe stünden wir als Gemeinde nicht so gut da.“

Oblaski räumte zwar in der Sitzung ein, er selbst habe auch nicht die 1000 Seiten gelesen, er vertraue aber auf die fachliche Kompetenz der SFI. „Es ist jetzt ein ganz normales Verfahren in Gang gesetzt worden, und die zuständigen Behörden werden sich der Sache annehmen“, sagte er.

In den beiden Farmen arbeiten zurzeit noch etwa 40 Menschen. Sie versorgen insgesamt knapp 70 000 Putenelterntiere.

Zu DDR-Zeiten waren noch mehrere Hundert Mitarbeiter in den Zuchtbetrieben angestellt. Nach der Wende von 1990 und der später folgenden Übernahme durch die Firma Kartzfehn wurden die Anlagen schrittweise modernisiert, Arbeitsplätze fielen weg. Zuletzt sorgte die Vogelgrippe im Frühjahr 2017 für Verluste unter den Puten.

Im Sommer dieses Jahres hatten die bisherigen Eigentümer der Firma Kartzfehn ihre Anteile an einen türkischen Großunternehmer verkauft. Der hat nun offenbar Großes vor.

Von Jonas Nayda

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