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Kyritz Wusterhausener Fahrgastschifffahrt schlingert ins Ungewisse
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16:54 07.01.2020
Die „Neptun“ liegt seit einigen Tagen nun schon in Stolpe am Waldkanal, der den Ober- und Untersee miteinander verbindet. Quelle: Matthias Anke
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Wusterhausen

Es sieht nicht gut aus für die „Neptun“. Das einzige Schiff der Reederei „5 Seen“ UG hat seit Herbst keinen Unterstand mehr. Die Bootshalle in Wusterhausen wurde dem Schiffsbetreiber gekündigt.

Geschäftsführerin Renate Bischof, die diesen Posten im April vom damaligen und aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Kapitän Johannes Bär übernommen hatte, und ihr Sohn Michael hofften in den vergangenen Wochen, sich doch noch mit dem Hallenbesitzer zu einigen. Ihre Situation schilderten sie bis dato folglich nur Vertretern der entlang dieser touristisch wichtigen Seenkette gelegenen Kommunen Wusterhausen und Kyritz.

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Das Schiff wurde nur grob winterfest gemacht

Doch seit einigen Tagen wird das Problem öffentlich: Die „Neptun“ liegt in Stolpe an der Landesstraße 14, wo der Waldkanal den Ober- und Untersee miteinander verbindet. Und die Hoffnung auf Rückkehr in die Bootshalle ist verschwunden.

„Das Schiff haben wir grob winterfest gemacht, eine Plane drüber gezogen. Die Bordheizung läuft“, sagt Michael Bischof: „Eine Dauerlösung ist das aber nicht.“

Fahrgäste fragten längst schon für die nächste Saison an

Wie Renate Bischof erklärt, laufen aktuell Gespräche mit Verwaltungen und Ämtern auf kommunaler Ebene und auf Landkreisebene, um für die Neptun einen besseren Platz zum Festmachen zu finden. Im Idealfall könnten sie irgendwo einen neuen Unterstand bauen.

An den Finanzen dafür solle es nicht hapern, sagt Renate Bischof. Und Sohn Michael ergänzt: „Auch nicht an den Fahrgästen. Anfragen für die nächste Saison gibt es bereits genug. Wir würden deshalb nur aufhören ab dem Moment, wenn uns in der Region mit dem Schiff keiner mehr möchte“, sagt er mit Blick auf alle, die zur Lösungsfindung beitragen könnten.

Zusammenhang mit der touristischen See-Entwicklung

Die Neptun ist das einzige Fahrgastschiff in dem Gebiet. Mit Verbrennungsmotorkraft dürfen das Gewässer ansonsten lediglich die Wasserschutzpolizei, die Insel-Fähre und die kleinen Sicherungsboote der Segler-Vereine befahren.

Bedenklich wäre ein Ende des Unternehmens auch, weil rund um die laufende, touristische See-Entwicklung der Anrainerkommunen vieles auf die Fahrgastschifffahrt abgestimmt ist.

Konflikt hatte haftungs- und sicherheitsrelevante Gründe

Dass es zum Konflikt mit der früheren Schiffs- und zugleich Bootshallen-Besitzerfamilie Dentler kam, bereut Michael Bischof. Er habe sich mal nicht an Regeln gehalten, gibt er zu. Dabei sei es im Kern darum gegangen, eigentlich keine Fahrgäste in der Halle an Bord gehen zu lassen, sondern sie auf der gegenüberliegenden Seite vom Steg abzuholen. „Da hatte es heftig geregnet. Es waren doch alles ältere Leute.“

Doch für Dentlers war der Geduldsfaden wohl irgendwann gerissen. „Er hielt sich an keine Absprachen. Dabei ging es um haftungs- und sicherheitsrelevante Fragen wie die Hallenordnung“, erklärt Jens-Peter Dentler der MAZ: „Das ist wie ein Mieter in einer Wohnung, der die Hausordnung ignoriert.“

Schifffahrt in Wusterhausen zu DDR-Zeiten extrem beliebt

Vater Peter Dentler hatte den seit den 1920er Jahren bestehenden Familienbetrieb einst übernommen und zu DDR-Zeiten ausgebaut. Aus einem Berliner Wrack machte er seit den 1970ern den „Seebär“, das Flaggschiff und dann auch touristische Aushängeschild der gesamten Seenkette.

Zeitweise arbeiteten Dentlers mit 26 Reisebüros zusammen. Und wie sich dann noch herausstellte, war der „Seebär“ einst das Gründungsschiff vom Berliner Fußballverein Hertha BSC.

Hertha-Gründungsschiff wieder in Berlin, Neptun blieb zurück

Ein Verkauf kam aber erst mit Peter Dentlers Ruhestand in Frage. Thomas Flemming, Chef der Prignitzer Leasing AG aus Putlitz, erwarb 2012 jedoch nicht nur die Hertha, sondern die gesamte Fahrgastschifffahrt. Während er die Hertha anschließend dem Berliner Verein zurückgab, sollte die Neptun den Fortbestand in Wusterhausen sichern.

Folglich schaltete sich Flemming nun in den Zwist zwischen der Reederei und Hallenvermieter Dentler ein. Einem der MAZ vorliegenden Schreiben ist zu entnehmen, er sei „immer davon ausgegangen, dass Halle und Schiffe eine unzertrennbare Einheit bilden“. Dass die Neptun nun „irgendwo verrottet, will mir einfach nicht in den Sinn“. Flemming sieht „die Saison 2020 gefährdet“.

Die Neptun soll nicht vom See verschwinden

Doch Jens Dentler und sein Vater hielten an der Kündigung fest, antworteten mit dem Verweis auf eine „irreversible Zerstörung des Vertrauensverhältnisses“. Zudem sei der Unterstand Luxus gewesen, wie beide auch der MAZ erklären. Überall würden Fahrgastschiffe im Freien stehen.

Renate Bischof, die primär als Augenoptikerin in Neustadt tätig ist, hätte sich trotzdem gewünscht, dass Dentlers einlenken. „Die Hallenpacht wurde immer pünktlich gezahlt und anstandslos auch alle Erhöhungen.“ Warum sie zuversichtlich ist, dass die Neptun nicht vom See verschwindet und noch Zeit für Lösungen bleibt: „Ab August ist die Finanzierung beendet.“ Das Schiff sei dann ihr Eigentum.

Von Matthias Anke

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