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Kyritz Neun Dorfkirchen aus Sicht von Konstrukteuren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Neun Dorfkirchen aus Sicht von Konstrukteuren
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12:09 10.07.2019
Viel bestaunt: Die Architekturmodelle ließen die Größenverhältnisse unter den Dorfkirchen deutlich werden. Quelle: Alexander Beckmann
Stüdenitz

Doch. Die Architekturmodelle der neun Kirchen des Pfarrsprengels Breddin-Barenthin sind wirklich maßstabsgerecht. Das versicherten Professorin und Studenten der Beuth-Hochschule für Technik Berlin am Dienstag nachdrücklich. Umso mehr staunten die Ausstellungsbesucher in Stüdenitz: So deutlich bekommt man den Größenunterschied zwischen den Kirchen in Rehfeld und Stüdenitz sonst nie vor Augen geführt.

Zum Staunen bot der Nachmittag noch mehr. In einer Seminararbeit hatten sich die Studenten über Monate ausführlich mit der „historischen Baukonstruktion“ – so heißt das Fach – der neun Sakralbauten befasst. Neben den Modellen legten sie dazu Zeichnungen und Texte vor. All dies ist nun in der Stüdenitzer Kirche zu sehen.

Zeugnisse früheren Lebens

„Wir schauen uns an, was unsere Altvorderen gebaut haben“, erklärte Professorin Petra Kahlfeldt das Anliegen ihrer Fachrichtung. „Tradition ist fortgeschriebener Fortschritt.“ Schließlich sei alles, was heute alt ist, mal etwas ganz Neues gewesen. Die Kirchen des Pfarrsprengels zeigten Baugeschichte aus neun Jahrhunderten.

Kirchen böten sich für solche Untersuchungen an, so Petra Kahlfeldt. Schließlich seien sie oft über lange Zeit weitgehend unverändert geblieben. Die Bauweise, die dafür eingesetzte Technik, das Material und seine Herkunft waren einige der Aspekte, denen sich die Studenten widmeten. „Das sagt ja immer was über die Menschen aus, die sie gebaut und mit ihnen gelebt haben“, erklärte die Professorin.

Vom Mauerwerk bis zur Farbgebung

In kurzen Vorträgen stellten die künftigen Architekten ihre Erkenntnisse über jede einzelne Dorfkirche vor und brachten dabei immer wieder aufschlussreiche Details zur Sprache.

In Breddin waren das beispielsweise die Unterschiede im Mauerwerk der verschiedenen Bauepochen. Der ursprüngliche Bau aus dem Jahre 1273 bestand aus ausgewählten, aufwändig bearbeiteten Feldsteinen, die sehr akribisch zu zweischaligen Mauern gefügt wurden. „Das Interessante ist, dass diese Fähigkeit im Laufe der Jahrhunderte offenbar verlernt wurde.“ Bei späteren Um- und Anbauten habe man diesen Aufwand nicht mehr betrieben. Trotzdem biete das Bauwerk heute ein harmonisches Bild.

Berliner Architekturstudenten zeigen in der Stüdenitzer Kirche seit Dienstag ihre Forschungsergebnisse zu den neun Kirchen des Pfarrsprengels Breddin-Barenthin. Quelle: Alexander Beckmann

Die Berlitter Kirche stammt vermutlich ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert. Aufgefallen ist den Studenten das heutige Dach: „Der Dachstuhl ist nicht nach Lehrbuch ausgeführt. Da hat schon 1516 einer gebastelt.“

In Kötzlin war die Farbgebung ein Problemen Thema, ebenso aber die Farbgebung: Ursprünglich war der Putzbau von 1775 offenbar zu großen Teilen in gedecktem Rot gehalten – typisch für die Zeit Friedrichs II. „Wenn die Kirche sowieso restauriert wird, sollte man überlegen, ob man nicht zu der Variante zurückkehrt“, fanden die Studenten.

Ausstellung bis Ende Juli in Stüdenitz

Zu allen neun Kirchen bietet die Ausstellung solche großen und kleinen Geschichten. Noch bis Ende Juli wird das in der Stüdenitzer Kirche gezeigt, die tagsüber geöffnet ist. Die schriftliche Dokumentation soll künftig vielleicht die Internetseite des Pfarrsprengels ergänzen.

Ein Plakat mit Risszeichnungen aller vorgestellten Bauten ergänzt die Ausstellung. Es ist für 5 Euro zu haben. Der Erlös soll der Sanierung der Barenthiner Kirche zugutekommen.

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Von Alexander Beckmann

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