Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kyritz 80 Jahre alt und in Kyritz unvergessen: Christa Stamer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz 80 Jahre alt und in Kyritz unvergessen: Christa Stamer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:23 05.09.2019
Christa Stamer (mit Blumen in Händen) ist 80 Jahre alt geworden und in Kyritz unvergessen. Viele Glückwünsche erhielt sie auch aus ihrer alten Heimat. Quelle: privat
Kyritz

Von Wismar nach Neustadt gibt es eine Direktverbindung mit dem Zug. So nah dran ist Christa Stamer, gerne Christel genannt, jetzt wieder an ihrer alten Heimat Kyritz. „Ich schaute ja auch trotz des bisher etwas längeren Weges immer mal wieder gerne vorbei in Kyritz in all den Jahren“, erzählt sie.

Dieser Tage aber bekam auch sie mal wieder Besuch: Ihre Weggefährtinnen Sigrid Schumacher, längst Vorsitzende des Ostprignitz-Ruppiner Seniorenbeirats, und Marlene Neubauer von der Volkssolidarität gratulierten ihr zum 80. Geburtstag persönlich.

Seit Stunde Null der Aufarbeitung von DDR-Geschichte dabei

„Die beiden halten mir schon immer die Treue“, freut sich Christa Stamer, die seit 2009 in Mecklenburg lebt. Und so wurde in alten Zeiten geschwelgt.

Gerade jetzt, 30 Jahre seit dem Wendeherbst 1989, kommen dabei zwei markante Themen auf, die mit Christa Stamer verbunden und in Kyritz bis heute unvergessen sind: ihr politisches Engagement, innerhalb dessen sie auch in der Stunde Null der Aufarbeitung der DDR-Geschichte mithalf, und der Aufbau einer Kindertagesstätte mit Hilfe eines bürgerschaftlichen Engagements, das so heute kaum noch denkbar wäre.

Christa Stamer (r.) ist 80 Jahre alt geworden und in Kyritz unvergessen. Viele Glückwünsche erhielt sie aus ihrer alten Heimat. Sigrid Schumacher (l.) und Marlene Neubauer besuchten sie sogar. Quelle: privat

Als man sich damals in Kyritz zu Montagsgesprächen im Kulturhaus traf, kam es im Zuge dessen zu einem Ausschuss, zu einer Kommission, die Amtsmissbrauch und Korruption aus DDR-Zeiten aufdecken helfen sollte. Mit dabei unter vielen anderen: Christa Stamer seitens der Liberalen und Sigrid Schumacher von den Bauern. Die „Nachrücker“ aus dem Kyritzer Kreistag sollten die Überprüfungen vornehmen, keine „Aktiven" selbst.

Den Vorwürfen aus den Montagsgesprächen nachgegangen

„Wir zogen mehrfach zum Rat des Kreises, es ging um Aktensichtungen. Themen waren beispielsweise, wer sich unter welchen Umständen beim Häuserbauen was hat zugute kommen lassen oder etwas geschenkt bekam“, erinnert sich Sigrid Schumacher: „Um zu gucken also, was an dem einen oder anderen Vorwurf dran war, der bei den Montagsgesprächen geäußert wurde.“

Bei Christa Stamer klingen „Mut und Zielstrebigkeit von damals heute noch durch, wenn man ihr beim Reden zuhört“, erzählt Sigrid Schumacher über diese Frau, die in der Wendezeit also zu jenen gehörte, die sich für einen Politikwechsel einsetzten, am Runden Tisch mitentschieden, sich in die ersten demokratisch bestimmten Volksvertretungen wählen ließen. Bis zur Kommunalwahl 2008, bei der sie nicht wieder kandidierte, war Stamer Kyritzer Stadtverordnete. Dem Kreistag Kyritz gehörte sie für die Liberalen an, bis der Landkreis OPR entstand.

Großer Verdienst einer Elterninitiative

„Und ohne sie wäre das damals mit der Kita doch auch nie was geworden“, so Schumacher. Gemeint ist die erste Kindertagesstätte im Land Brandenburg, die von einer Elterninitiative gestemmt wurde und noch heute in Kyritz existiert: die Kita „Hundert Sterne“. Denn als die Kinderkrippe an der so genannten Europakreuzung nach der Wende von der Schließung bedroht war, sollte für Kyritz Ost eine neue Kita her. Eltern ergriffen die Initiative.

Christa Stamer erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: „Wir besuchten in Westdeutschland mit unserem Landrat Winter, der das ganze Projekt bestens unterstützte, eine ähnliche Einrichtung. Das half uns sehr. Das vereinfachte vieles.“

1991 war es so weit. Eltern gründeten einen Verein. „Ohne die Eltern wäre nichts gelaufen, nichts ohne den Vorstand mit Martina Schmidt, Hans-Jörg Pallatz und all die anderen.“

Als Kyritzer mit ihren eigenen Häusern bürgten

Und dann stand das Fördergeld bereit. Doch es bedurfte eines Kredits, um den Eigenanteil abzusichern. Siehe da: So einige Kyritzer bürgten dafür mit ihren eigenen Häusern.

„Das wäre heute doch alles undenkbar. Da kommt ein Verein und baut eine Kita, wo andere gerade zumachen. Alle Achtung“, erinnert sich Sigrid Schumacher, die nach der Altkreisauflösung in der Stadt Leiterin des Schul- und Ordnungsamtes wurde.

Jahrzehntelange Erfahrungen in der Integrationsarbeit

Mit der Entstehung des Wohngebietes „Alt und Jung“ begannen 1994 auch die Kita-Arbeiten. 1995 wurde sie eröffnet. „Mit einer Integrationsarbeit, die schon damals ihresgleichen suchte und womit wir ja schon 1965 Erfahrungen machten, als ich in der Krippe begann. Da kümmerten wir uns längst um behinderte Kinder. Das wurde nun ausgebaut und fand Anklang“, sagt Christa Stamer.

2009 zog sie nach Mecklenburg. Dort erreichte sie jetzt anlässlich ihres 80. ein ganz besonderer Blumenstrauß – aus eben jener Kita. „Da war ich aber überrascht. Ich bin ja seit 20 Jahren im Ruhestand“, sagt Stamer, die tatsächlich bis 1999 die Kita leitete, ehe sie den Staffelstab an Astrid Wittig weitergab und in den Ruhestand wechselte.

„Das hat mich tief bewegt“, sagt Stamer mit Blick auf die Blumen. „Wenn ich mal wieder in der Nähe bin, gucke ich garantiert vorbei.“ Spätestens 2020 sogar offiziell, dann gibt es 25 Kita-Jahre zu feiern. „Wenn ich dann noch laufen kann. Im Moment jedenfalls geht es mir gesundheitlich ganz gut“, schickt Christa Stamer den Kyritzern voraus.

Von Matthias Anke

Seit 40 Jahren feiern die Wilhelmsgriller nun schon den Anschluss ans Trinkwassernetz, was seinerzeit als Eigenleistung gewuppt wurde. In dieser Rehfelder Ortslage ist das entsprechende Fest dazu immer eine Mordsgaudi. Doch damit soll nun Schluss sein.

05.09.2019

Der Wasserstand im Obersee ist so niedrig wie lange nicht. Alle Augen liegen nun auf dem Staudamm, dessen Drainage schon längst saniert werden sollte. Doch trotz des dafür idealen Niedrigwassers wird auch 2019 nicht mehr gebaut.

05.09.2019

Erst warf er nur mit Flaschen nach seinem Vater. Doch dann legte sich ein 30 Jahre alter Kyritzer auch noch mit der Polizei an.

04.09.2019