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Kyritz Kyritzer Gärtnerei bekommt die Krise zu spüren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Kyritzer Gärtnerei bekommt die Krise zu spüren
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16:13 26.03.2020
Melanie Langfeld betreibt seit knapp 17 Jahren eine Gärtnerei direkt in Kyritz. Im Gewächshaus warten Pflanzen auf Kundschaft. Quelle: Alexander Beckmann
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Kyritz

Der Frühling ist da. Auf dem Gärtnereigelände von Melanie Langfeld an der Kyritzer Stadtmauer ist das unübersehbar. Dicht an dicht drängen sich Stauden, Büsche und Bäumchen, bereit zum Auspflanzen. Frühlingsblumen stehen in voller Pracht. Die Stiefmütterchen sind fast schon am Verblühen.

„Für uns ist das jetzt die Hauptsaison – nach dem Winter, in dem wir ja kein Geld verdient haben“, sagt die 41-Jährige, die die Gärtnerei seit 17 Jahren zusammen mit einer Mitarbeiterin betreibt. Doch diesmal ist alles anders.

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Fehlende Kita-Betreuung wird zum Problem

Trotz Corona-Krise sieht sich die Kyritzerin von den amtlichen Einschränkungen des Einzelhandels nicht direkt betroffen. In Brandenburg dürfen – anders als beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern – Bau- und Gartenmärkte ja weiterhin öffnen.

Aber das nutzt Melanie Langfeld wenig. „Ich habe ja keine Betreuung für meinen Sohn.“ Die Kitas sind im Notbetrieb. Wenn Mutter in der Gärtnerei nach dem Rechten sieht, die Pflanzen versorgt oder die Heizung für die Gewächshäuser regelt, ist der Vierjährige jetzt also mit dabei. Für ein, zwei Stunden geht das gut. Mehr ist nicht drin.

Auf Anfrage Lieferung bis ins Haus

„Ich mache seit Anfang der Woche bloß noch auf Verabredung auf“, berichtet die Gärtnerin. „Oder ich liefere den Kunden die Sachen direkt bis ins Haus. Ich war bis jetzt jeden Tag unterwegs.“ Bis raus nach Görike führten die Touren schon – für Melanie Langfeld eine willkommene Gelegenheit, auch selbst gleich ein paar Erledigungen zu machen.

So funktioniert die neue Plattform der MAZ

Online-Bestellungen, Gutscheine, Lieferservice: Viele Kleinunternehmer wehren sich jetzt mit kreativen Ideen gegen die Krise. Dies bekannt zu machen, ist Ziel von „Zusammen stark“.

 Händler und Geschäfte können ihre Angebote in ein Formular eintragen, das nach Prüfung von der MAZ veröffentlicht wird. Die Brandenburger können so gezielt die Händler in ihrer Nachbarschaft unterstützen. Alle weiteren Informationen unter

 www.maz-online.de/zusammenstark

Doch von wirklich gut laufenden Geschäften kann sie nicht berichten. Eher von Sorgen. „Mein Angebot ist dieses Jahr besonders groß, weil ich noch im Februar viel Baumschulware bestellt habe.“ Da schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Auf dem Gärtnereigelände stehen gegenwärtig zudem palettenweise Säcke mit Blumenerde. Eigentlich ist das jetzt die Zeit im Jahr, in der sich so etwas richtig gut verkauft.

Ratlosigkeit nicht nur bei Kunden

Die Gärtnerin macht allerdings die Erfahrung, dass sich viele Kunden zurückhalten – trotz des Zettels, der am Tor auf die Möglichkeiten zur Terminabsprache oder zur Lieferung hinweist.

Stattdessen kommen inzwischen Anfragen, die Melanie Langfeld abweisen muss: „Mich rufen Leute an, die Beerdigungssträuße suchen. Die bekommen sie ja auch nirgends mehr. Aber Blumenbinderei ist nicht mein Geschäft.“

Blumenläden dürften bekanntlich ja auch gar nicht mehr öffnen – zumindest in Brandenburg. Die Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern wiederum handhaben auch das genau andersrum. Die Gärtnerin findet das ziemlich verwirrend.

Kyritzerin hofft auf Hilfe vom Staat

Einfach auf später verschieben kann sie den Verkauf von Pflanzen und Gartenbedarf jedenfalls nicht. „Unsere Saison geht nun mal von März bis Juni.“

Wie sich das weiter entwickelt, vermag Melanie Langfeld derzeit nicht einzuschätzen. Da geht es ihr wie vielen anderen kleinen Gewerbetreibenden. Der Umsatzeinbruch macht sich zunehmend auch bei ihr bemerkbar. Ware und laufende Kosten wie Lohn oder Krankenkassenbeiträge müssen bezahlt werden. Immer mehr sonst selbstverständliche Dinge erscheinen unsicher: „Ich habe Gemüsepflanzen bestellt und weiß nicht mal, ob ich sie aus Oberkrämer abholen kann.“

Also wird auch Melanie Langfeld jetzt staatliche Unterstützung beantragen und ansonsten versuchen zu retten, was zu retten ist. „Und Tomaten pikieren – falls wir die Pflanzen doch noch irgendwann verkaufen können.“ Etwa Mitte April beginnt dafür normalerweise die Saison.

Für ihre Kunden ist die Kyritzer Gärtnerin unter der 0152/01 61 14 26 zu erreichen.

Von Alexander Beckmann