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Kyritz 95 Jahre am 4. Advent und stets an der frischen Luft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz 95 Jahre am 4. Advent und stets an der frischen Luft
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08:06 21.12.2019
Horst Behla (l.) wird am vierten Advent 95 Jahre alt. Heiligabend verbringt er dann mit seinem ältesten Sohn Hans-Dieter und der Hündin Oxi. Quelle: Matthias Anke
Mechow

Frische Luft tut gut. Waldluft natürlich. „30 Jahre lang war ich im Wald“, erzählt Horst Behla, als er sich Schwarz-weiß-Fotos aus seiner Zeit als Forstarbeiter in Kyritz-Karnzow ansieht. Eine Brille braucht er dazu nicht. Vor Jahren ließ er sich die Linsen erneuern. „Ich sehe alles“, sagt der Mann, der als nächstes seinem Geburtstag entgegenblickt. An diesem vierten Advent wird der Mechower 95 Jahre alt.

Am Sonntag wird das mit der großen Verwandtschaft und Bekanntschaft – alles in allem etwa 65 Gäste – ausgiebig gefeiert, und zwar in Bluhm’s Hotel in Kyritz und unabhängig davon, dass sich viele von ihnen zwei Tage später zu Heiligabend ohnehin wiedersehen.

Geburtstag und Weihnachten stets getrennt gefeiert

„Wir haben seinen Geburtstag immer extra gefeiert und nie mit Weihnachten zusammengelegt“, erklärt Dieter Behla, sein ältester Sohn. Diesmal aber werden die beiden, die in Mechow Haustür an Haustür wohnen, nach der großen Feier wohl ausnahmsweise alleine bleiben. Dieter Behla, 69 Jahre alt, verlor seine Frau bereits vor langer Zeit, und sein Mutter Ilse starb ebenso schon vor Jahren. „Wir haben ja den Hund noch“, sagt Dieter Behla mit Blick auf ihre Oxi. „Die haben wir vor drei Jahren aus einem Heim geholt.“

Fragend sieht er dabei seinen Vater Horst an und lacht: „Er weiß eben vieles noch besser als ich.“

Horst Behla aus Mechow auf einer älteren Aufnahme mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau Ilse. Auch damals hatten sie einen Hund. Quelle: Matthias Anke

So auch, als es um die zeitliche Zuordnung der vielen Fotos geht, die vor ihnen auf dem Tisch liegen. Es sind Momentaufnahmen aus Horst Behlas Leben, das am 22. Dezember 1924 in Giesensdorf bei Pritz­walk beginnt.

1943 musste auch er in den Krieg ziehen

Die Dorfschulen besucht er in Granzow, Görike, Demerthin und später in Gantikow. „Weil mein Stiefvater Max, der gelernter Schmied war, andauernd überall neue Arbeit fand.“ In Gantikow aber bleiben Max, die Mutter Wanda und Horst Behla schlussendlich. Drei Geschwister hat er. Die beiden noch lebenden Schwestern, mittlerweile 81 und 83 Jahre alt, sieht er am Sonntag ebenfalls.

Als 1939 der Zweite Weltkrieg beginnt, wird der junge Horst Melker, arbeitet in Gartow bei Wusterhausen und dann auf einem Bauernhof in Sechzehneichen. Doch 1943 muss der 18-Jährige zur Wehrmacht und folglich in den Krieg ziehen. Als Fernmeldeanlagenbauer geht es für ihn bis auf die Krim.

Kaum zurück aus der Gefangenschaft, lernt er seine Frau kennen

Bei einem Urlaub kann er Fotos mit nach Hause nehmen. Eines zeigt ihn, der einen Karabiner geschultert hat, auf einem Pferd. Der Stahlhelm hängt an der Seite. „Andenken aus dem Osten, Krim, den 6. September 1943“, steht auf der Rückseite.

Horst Behla 1943 auf der Krim. Quelle: Matthias Anke

Wieder auf dem Rückweg an die Front, findet er seine Abteilung aber nicht mehr. Zu versprengt sind die Soldaten bereits. Und so lässt auch die Kriegsgefangennahme in den rumänischen Karpaten nicht lange auf sich warten.

Pfingsten 1947 darf Horst Behla wieder nach Hause und trifft in Gantikow auf Ilse Dräger. Die Frau, die aus heute polnischem Gebiet geflohen war, heiratet er 1949. „Da gab’s eine Flasche Schnaps. Das war alles. Mehr hatten wir nicht“, erinnert sich Horst Behla. Sie bekommen vier Kinder: 1950, 1952, 1954 und im Jahr des Mauerbaus 1961.

Vier Jahrzehnte lang im Gantikower Chausseehaus gewohnt

Ihr Wohnhaus ist vielen Menschen in der Region wohlbekannt: Es ist das frühere Zollhaus in Gantikow an der Bundesstraße 103 zwischen Kyritz und Pritz­walk.

Behlas lebten vier Jahrzehnte lang im Gantikower Chausseehaus. Quelle: Matthias Anke

Von 1952 bis 1960 ist Horst Behla Berufsfeuerwehrmann in Kyritz. Weltgeschichte hautnah erlebt er in dieser Funktion auch am 17. Juni 1953: Er muss mit seinen Dienstleuten Wache schieben wegen des Aufstands, den die Sowjets schnell niederschlagen. Es gilt, an der damaligen Fernverkehrsstraße 5 an der Rhinbrücke zwischen Segeletz und Friesack keinen durchzulassen.

Horst Behla und seine Feuerwehrkameraden beim Schneeschieben vor der Wache in Kyritz. Quelle: Matthias Anke

1960 wechselt Horst Behla zur Forst und bleibt dort bis zum Eintritt ins Rentenalter, was in die Zeit von Deutschlands Wiedervereinigung fällt. Bis dahin ist er viele Jahre lang auch als Gemeindevertreter in Gantikow aktiv sowie Mitglied im dörflichen Anglerverein.

Der Gantikower Anglerverein anno dazumal. Quelle: Matthias Anke

Und das Zollhaus, in dem Familie Behla vier Jahrzehnte lang lebt? Nachdem Horst und Ilse 2009 aus Altersgründen zu ihrem Sohn Dieter Behla ins Nachbardorf Mechow gezogen sind, steht der kleine und doch so markante Backsteinbau bis heute leer.

Jeden Morgen lässt er die Hühner aus dem Stall

Die Kinder Ingolf und Karl-Heinz leben längst in Wutike. Die Tochter Ute ist Pritzwalkerin geworden. Auch sie alle kommen Sonntag zu dieser ganz besonderen Advents­geburtstagsfeier. Alles bleibt dann für Horst Behla trotzdem wie immer „im Rahmen“. Sein Sohn Dieter verrät: „Er hat ja nie weder großartig geraucht noch getrunken“ Horst Behla: „Ich war genau dreimal betrunken, daran erinnere ich mich sehr genau.“

Seinen Alltag meistert er größtenteils alleine. Ein Pflegedienst betreut ihn aber. Sein Essen bekommt er geliefert. Kurze Ausflüge sind drin. Und jeden Morgen lässt er die Hühner raus. So oft wie möglich an der frischen Luft zu sein, ist ihm noch immer wichtig.

Von Matthias Anke

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