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Kyritz Die Landheilerin
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16:24 08.05.2018
Vor 15 Jahren eröffnete Heilpraktikerin Kathrin Bartzsch ihre Naturheilpraxis auf dem Land und war damit in Kampehl ein Exot.
Vor 15 Jahren eröffnete Heilpraktikerin Kathrin Bartzsch ihre Naturheilpraxis auf dem Land und war damit in Kampehl ein Exot. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti
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Kampehl

„An Ameisen habe ich verstanden, was das Unterbewusstsein ist“, erzählt Kathrin Bartzsch. „Es sind clevere Tiere. Sie machen das, was ihr Instinkt sagt.“ Wir Menschen weniger, findet Bartzsch. Das tue uns nicht gut. Die Frau mit den dunklen langen Haaren arbeitet als Heilpraktikerin. Zu ihr kommen Personen jeden Alters, Frauen wie Männer, mit den unterschiedlichsten Beschwerden und mal mehr, mal weniger Skepsis.

Als Kathrin Bartzsch vor über zehn Jahren ihre Praxis in Kampehl bei Wusterhausen eröffnete, hatte sie es „sehr, sehr schwer“. Für die Bevölkerung war sie ein völliger Exot. „In Berlin waren Homöopathen normal, auf dem Land fremd.“ Spezialisten mit alternativen Ansätzen und Globuli, Streukügelchen aus Zucker und natürlichen Wirkstoffen kannte man nicht. „Es gab Vorurteile wegen Scharlatanerie“, erinnert sich die 50-Jährige und lacht dann auf. „Manche Patienten wollten eine Wunderheilung. Die verabreichten Globuli sollten sofort funktionieren. Taten sie aber nicht immer.“ Bartzsch versuchte zu erklären, dass sich Krankheiten über Jahre entwickeln und ihre Zeit brauchen, um wieder zu verschwinden. „Etwa drei bis vier Jahre.“

Bei manch chronischen Schmerzpatienten merkte die Homöopathin, dass die Information der Globuli im Körper überhaupt nicht ankam: „Die Personen waren körperlich zu verspannt. Da beschloss ich, das erst weg zu massieren.“ Von da an bot Kathrin Bartzsch auch Massagen an. Den menschlichen Körper kennt sie immerhin bis in jede Zelle. Jeder Knorpel, jede Sehne sind ihr vertraut. Bis sie 35 Jahre alt war, hatte sie professionell getanzt und täglich für ihre Übungen vor dem Spiegel gestanden. „Ich war staatlich geprüfte Balletttänzerin, ausgebildet in Leipzig. Zu DDR-Zeiten war ich am Theater, mit der Wende bin selbstständig gewesen.“

Kathrin Bartzsch im Massage-Abteil. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Den Spagat zwischen Ballett und Homöopathie hatte sie hingelegt, als der Heuschnupfen sie zu sehr plagte. „Von 19 bis 28 Jahre war ich stark davon betroffen. Ich nahm Antihistaminika und Kortison-Spray gegen den Husten. Doch es wurde immer schlimmer. Eines Tages beschloss ich, alles wegzuschmeißen und mich in Gottes Hände zu begeben.“ Am nächsten Morgen merkte sie, ihr Zustand war nicht besser, aber auch nicht schlimmer geworden. „Beim nächsten Asthmaanfall habe ich mich der Länge nach gedehnt und tief gegen den Krampf geatmet“, erklärt Kathrin Bartzsch. „Das Asthma wurde weniger.“ Sie massierte ihre Halsmuskeln und Rotatorenmanschette, wo die Energiebahnen der Sinnesorgane verlaufen. Ihre Kiefermuskeln, die sich wie Ziegenpeter anfühlten, knetete sie – und spürte Linderung.

Eine Bekannte riet ihr, zusätzlich zu einer Homöopathin zu gehen. „Anderthalb Stunden hatte diese eine Anamnese von mir gemacht, um meinen Gesundheitszustand zu erfassen. Dann gab sie mir auf mich abgestimmte Globuli. Am nächsten Tag ging es mir um 60 Prozent besser.“ Mit Kügelchen und eigenen Massagen heilte sie sich vom Heuschnupfen und „wollte mehr über Homöopathie wissen“.

Götterfiguren zieren die Praxis. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Ihre eigene Heilpraktikerin bot schließlich in Potsdam einen Lehrgang an. Kathrin Bartzsch belegte ihn, da war sie um die 35 Jahre, und schloss erfolgreich ab. Einige Jahre arbeitete sie in Berlin in Gemeinschaftspraxen, doch die Großstadt wurde ihr zu hektisch. Immer wieder zog es sie zu den Eltern ins beschauliche Kampehl, wo sie im Bad den Sonnenaufgang vor Augen hatte, im Wohnzimmer den Blick über die Koppeln. Sie zog nach Kampehl und eröffnete gegenüber der kleinen Kirche, in der Ritter von Kahlbutz seine letzte Ruhestätte fand, ihre Naturheilpraxis.

Hinter einem orangefarbenen Organza-Vorhang steht eine Liege, an der Wand hängen Plakate mit der Anatomie des Menschen, dazwischen baumelt eine Lichterkette. Leise Entspannungsmusik berieselt, auf einer Kommode stehen Buddhas und Götterfiguren, Kristalle und ein Teelicht. Kathrin Bartzsch krault ihren Yorkshire-Terrier Coco und genießt nach 20 Großstadtjahren in Berlin nach wie vor jeden Moment auf dem Land.

Viele Bewohner vertrauen sich ihr mittlerweile an. Meist ist sie ihre letzte Hoffnung. „Sie gelten in der Schulmedizin als austherapiert. Trotz jahrelanger Schmerzen wurde nichts beim Magnetresonanztomographie, MRT, oder Röntgen gefunden“, erklärt die Ex-Berlinerin. „Die meisten haben chronische Gelenkschmerzen. Wenn mir jemand seine Krankheitsgeschichte erzählt, finde ich eine Lösung. Nach einer Massage kann ich ihnen manchmal schon helfen. Nach drei Terminen merken alle eine positive Veränderung.“

Hund Coco ist ein treuer Begleiter von Kathrin Bartzsch . Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Neben klassischer Homöopathie und Massagen bietet sie Akupunktur, Reiki, Böthen (Besprechen) und Fußreflexzonenmassagen an. Ihre Massagen sind keine Wohlfühlmomente. Es reißt, brennt, pikst wie kleine Messerstiche. „Es sind Faszien-Massagen. Ich löse verklebte Faszien im Bindegewebe, also tiefsitzende Verspannungen. Dabei hole ich Schmerzen aus dem Körper. Sie müssen gefühlt werden, um zu verschwinden.“ Die Autodidaktin weiß, wo sie ansetzen muss, wo es ihre Patienten schmerzt, und das schon auf dem ersten Blick.

Bewegung sei im nächsten Schritt wichtig, erklärt die Heilpraktikerin. Sie schwört auf Yoga, bietet selber Gruppenunterricht in Neustadt an. „Im Laufe der Lebensjahre verkürzen sich Muskeln. Yoga zieht sie auseinander. Yoga ist strecken, recken, dehnen“, sagt Kathrin Bartzsch und meint schlussendlich: „Jeder ist sein eigener Heiler.“ Instinktiv wüssten wir, wo es klemme. Wir müssten nur rechtzeitig auf uns selber hören – wie die Ameisen.

Termine unter Tel. 033970/82960.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti