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Kyritz Zehn Jahre danach: Aktive erinnern an die Freie Heide
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Zehn Jahre danach: Aktive erinnern an die Freie Heide
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10:36 07.07.2019
Zehn Jahre nach dem Erfolg der Bürgerinitiative Freie Heide zur friedlichen Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide richtete Uwe Tackmann die alten Protestschilder rund um Kyritz her. Quelle: Alexander Beckmann
Kyritz

Mit Leiter, Eimer und Putzlappen war er Ende der Woche überall an den Ortseingängen von Kyritz, Neustadt und Wusterhausen am Werk: Uwe Tackmann aus Tornow putzte Protestschilder.

„Diese Gemeinde wehrt sich gegen den Bombenabwurfplatz“, machten sie seit vielen Jahren überall in der Region Jahren klar. Tackmann erneuerte auch Aufkleber: „Die Heide ist frei – 09.07.2009“.

„Die alten Aufkleber waren nach zehn Jahren ja kaum noch zu erkennen“, erklärt der Tornower. Denn genau zehn Jahre ist es nun her, dass der Protest gegen die militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide, des „Bombodroms“, einen erfolgreichen Abschluss fand.

Die Nase voll von Kriegsübungen

Begonnen hatte alles Anfang der 1990er Jahre. Damals hatten die Menschen rund um den über 14.000 Hektar großen Truppenübungsplatz die Nase voll vom Tieffluglärm. Etwa ab 1950 hatte die Sowjetarmee das Areal für Übungen der Artillerie und für Bombenabwürfe genutzt. Jahrzehntelang hatte das gesperrte Gelände wie ein Fremdkörper in der Region gelegen. Doch seine Auswirkungen reichten weit über die Übungsplatzgrenzen hinaus.

Es gab insgesamt 112 Protestwanderungen, an der sich im Laufe der Jahre hunderttausende Menschen beteiligten. Quelle: Peter Geisler

Als dann nach der deutschen Wiedervereinigung die Bundeswehr die weitere militärische Nutzung ankündigte, legten 14 Anliegergemeinden juristischen Widerspruch ein. Sie pochten auf ihr Planungsrecht und den Einigungsvertrag und verwiesen auf die gravierenden Folgen des Übungsbetriebs für Ökologie und Tourismus.

Bürgerinitiative schuf Öffentlichkeit

Zugleich entstand 1992 die Bürgerinitiative „Freie Heide“. Sie sorgte vor allem für Öffentlichkeit: mit Kundgebungen, Kunstaktionen wie den „Mahnsäulen“ und mit ihren insgesamt 112 Protestwanderungen, an denen sich im Laufe der Jahre hunderttausende Menschen beteiligten. Mehr und mehr gewann dabei der Ruf nach allgemeiner Abrüstung und nach dem Verzicht auf Kriegseinsätze an Bedeutung.

Mahnwache der Bürgerinitiative „Freie Heide“ vor dem Landratsamt in Wittstock als Protest gegen die Beratungen der Arbeitsgruppe „Truppenübungsplatz“ am 3. März 1993. Quelle: MAZ/Archiv

2004 schloss sich der Brandenburger Landtag offiziell der Ablehnung des Bombodroms an. Fünf Jahre später, am 9. Juli 2009, gab das Bundesverteidigungsministerium schließlich seinen Verzicht auf das Gelände bekannt. Seitdem gilt: „Die Heide ist frei“.

„Ich habe ab 2000 fast zehn Jahre lang bei der Freien Heide mitgemacht“, erzählt Uwe Tackmann. „Das war mir eine Herzensangelegenheit.“

Das Engagement machte sich bezahlt

Tackmann sieht in der Bombodrom-Geschichte vor allem einen großen Erfolg für bürgerschaftliches Engagement. „Ich finde, dass war ein Beispiel dafür, wie man sich parteiübergreifend in die Politik einbringen kann – und nicht einfach bloß meckert.“

Der Tornower erinnert daran, dass eben nicht nur die direkten Anlieger des Übungsplatzes auf die Straße gingen, sondern dass sie aus weitem Umkreis bis nach Mecklenburg hinein und sogar bundesweit Unterstützung fanden. Eine wichtige koordinierende Rolle hätten dabei die Kirchengemeinden der Region übernommen. „Die Kirche hat all die Jahre die Fahne hochgehalten und auch hinterher immer an den Jahrestag erinnert.“ Dafür sei er dankbar.

Anlässlich des 10. Jahrestages des Bombodrom-Erfolgs wird es am Dienstag, dem 9. Juli, ab 16 Uhr eine kleine Wanderung zur Mahnsäule bei Gadow geben. Eine Andacht in der Kirche ist ebenfalls geplant.

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Von Alexander Beckmann

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