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Kyritz Ökologisches Bauen: „Wenn die Sonne scheint, riecht es nach Kakao“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Ökologisches Bauen: „Wenn die Sonne scheint, riecht es nach Kakao“
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00:20 19.06.2019
Hartmut und Verena Rein bauen ihre ehemalige Scheune zum Kulturstandort aus und verwenden dabei nur ökologischen Roh- und Baustoffe. Quelle: Fotos: Sandra Bels
Ganz

Die Fotodokumentation ist lang. Und sie liegt Hartmut und Verena Rein aus Ganz sehr am Herzen. Sie wollen möglichst transparent darstellen, dass sie so nachhaltig und umweltfreundlich wie möglich die Scheune auf ihrem Grundstück im Fasanenweg von Ganz zum Ort für Seminare und Kultur ausbauen.

Ein Jahr auf die Förderung gewartet

Nachdem Reins ein gutes Jahr auf die Leader-Förderung gewartet hatten, für die im Februar 2018 die Zusage eintraf, sind sie nun schon ein weiteres Jahr mit den Bauarbeiten beschäftigt. „Es ist eine Mischung aus Handwerk und Eigenleistung“, sagt Vereina Rein. Die Sopranistin hat sich in den vergangenen Monaten zur Fachfrau für nachhaltiges Bauen entwickelt, viel gelesen und recherchiert und festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, Handwerker zu finden.

Jute-Dämmung im Dach

So kam sie zum Beispiel darauf, das Dach der Scheune mit einer Jute-Dämmung auszustatten. „Sie besteht aus alten Kakao-Säcken eines bekannten Schokoladenherstellers “, sagt die Sängerin. „Wenn die Sonne aufs Dach scheint, dann riecht es manchmal so schön nach Kakao“, schwärmt sie. Bevor jedoch das Dach gedämmt werden konnte, waren viele andere Arbeiten notwendig.

66 Pakete Jute-Matten und -Rollen wurden unter anderem verbaut. Quelle: Sandra Bels

Für die Statik wurden zunächst Stahlträger eingezogen. „Dafür haben wir die Fundamente selbst ausgehoben“, sagt Verena Rein. Anschließend wurde im heißen Sommer 2018 der alte Fußboden entfernt, begradigt und mit Schaumglasschotter als Untergrund neu angelegt. „Der besteht aus recycelten Flaschen“, so Verena Rein. Es folgten Beton und ein Holzboden.

Der Raum wurde nach oben geöffnet

Den ehemals kleinen fensterlosen Veranstaltungsraum haben Reins nach oben geöffnet. Der Plan war, die alten Außenbretter zu erhalten. Das ging jedoch nicht. „Sie zerbrachen schon beim Abbauen“, erzählt Verena Rein. Der Tischler hatte ihr deshalb als neue Fassade Lärchenbretter empfohlen. Sie sind längst angebaut. Auch die neuen Holzfenster sind aus Lärchenholz. Sie ermöglichen jetzt einen freien Blick in die Natur und aufs Feld. Die Tore von außen bieten eine Verdunklung für Kino oder Theatervorstellungen.

Allein elf Fenster haben Reins in das Dach einbauen lassen. Sie bringen ordentlich Licht in die zweite Ebene mit Galerie und Technikraum, die über eine freie Treppe zu erreichen ist.

Ohne Chemie und Stützstoffe

Die Dämmung von innen besteht aus Stopfhanf. „Ohne Chemikalien und Stützstoffe“, sagt Verena Rein. „Das war unsere Winterarbeit“, fügt sie an. Der Stopfhanf ist schimmelresistent und enthält kein Eiweiß. Damit ist er auch nagerunfreundlich. „Er hat eine Standzeit von gut 100 Jahren“, so die Sopranistin. Oft sei er in alten Schlössern verwendet worden. Auf den Stopfhanf kamen schließlich formaldehydfreie OSB-Platten.

Der Stopfhanf ist schimmelresistent und enthält kein Eiweiß. Damit ist er auch nagerunfreundlich. Quelle: Sandra Bels

Nachhaltigkeit ist Verena Rein und ihrem Mann sehr wichtig. „Wir verwenden ausschließlich ökologisch verträgliche Materialien und bauen diffusionsoffen“, erklärt die Sopranistin. Folien gibt es nicht, auch keine Klebstoffe, sondern eben die ökologische Dampfbremse aus einer Rauspundverkleidung mit Hanfmatten Schlämmleim und Lehmfeinputz.

In der Garage wird auch gearbeitet

In der benachbarten Garage haben die Bauarbeiten ebenfalls begonnen. Sie steht bereits ohne Dach da. „Wir haben die Asbestplatten abgebaut und entsorgt“, so Verena Rein. Geplant ist ein Satteldach aufzusetzen, um Platz für ein Zimmer darin zu gewinnen. Der Sanitärbereich entsteht ebenfalls in der früheren Garage und ist natürlich barrierefrei. Zudem wird ein Durchgang zum Foyerraum entstehen und ein Glasgiebel über dem Foyer gebaut. Das Foyer selbst ist dann der künftige Eingang zum Seminar- und Veranstaltungsbereich, der über einen Verbinder aus Glas zu erreichen ist.

„Es ist noch viel Arbeit“, sagt Verena Rein. Aber das bereits Geschaffte macht sie und ihren Mann stolz. „Es ist so wunderbar zu sehen, wie es voran geht“, sagt sie. Dafür legt die Familie, zu der auch Tochter Valeska gehört, eben viel selbst Hand an. „Oft kommen Nachbarn vorbei und schauen, was wir hier machen“, erzählt Verena Rein. Gern erklärt sie die nachhaltigen und ökologischen Baustoffe und Arbeitsschritte.

Sommerfest für alle Interessenten

Bei einem Sommerfest wollen Reins in diesem Jahr den Baufortschritt zeigen und feiern. Jeder ist dazu willkommen. Wann Eröffnung ist, das können die Kulturfreunde aus Ganz allerdings noch nicht sagen. Sie wissen nur, dass der Leader-Förderzeitraum im Februar 2020 endet. Bis dahin muss alles abgerechnet sein“, erklärt Verena Rein. Ausgereicht wurde eine Nettoförderung von 45 Prozent. Der Förderbescheid ging an die Ganz Kultur GbR. Dazu gehören Verena Rein und ihr Mann Hartmut sowie Tochter Valeska.

Durch die neuen großen Fenster wird der Raum lichtdurchflutet. Die Arbeiten an der Garage nebenan haben auch begonnen. Quelle: Sandra Bels

Das Trio macht als Initiative „Ganz.kultur“ bereits seit mehreren Jahren genau das in Ganz. Es gab Konzerte, Ausstellungen und Seminare. Im vergangenen Jahr und 2019 musste das Programm jedoch wegen der Bauarbeiten ein bisschen abgespeckt werden.

Familie Rein will in Ganz künftig einen Ort anbieten, an dem die drei Künste Musik, Kunst und Tanz künftig zusammenkommen können. „Wir wollen Kultur aufs Land holen“, ist das Motto des künstlerischen Trios.

Konzerte, Ausstellungen und Seminare

Perspektivisch will die Familie Kammerkonzerte, Ausstellungen, Tanzvorführungen, Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen und mehr dort anbieten. Die ehemalige Scheune auf ihrem Grundstück soll aber auch ein Ort der Begegnung für die Einwohner der Umgebung werden zum Beispiel für Weihnachtsfeiern, Jubiläen oder Sitzungen. Reins planen ebenfalls Seminare und Workshops in den drei Kunstbereichen.

Die Fotodokumentation über die Bauarbeiten an der ehemaligen Scheune und viele weitere Informationen über die Initiative „Ganz.kultur“ sind im Internet auf der Seite www.ganzkultur.de zu finden.

Die Welt der Feen und Kobolde

Der Verein „Ganz.Kultur“ lädt für den 20., 22. und 23. Juni zu drei besonderen Konzerten ein. Die Sopranistin Verena Rein singt mit dem litauischen Chordos Streichquartett. Zu Gehör kommen Werke von Franz Schubert, kontrastiert mit Werken baltischer Komponisten.

Diese Werke wurzeln oftmals in der Tradition der baltischen Volksmusik, greifen Märchenhaftes und Mythologisches auf und zeichnen sich durch große Klangschönheit und Transparenz aus. Kommt zu diesem Klang dann die Singstimme, kann das Publikum in die Welt der Feen und Kobolde eintauchen und sich verzaubern lassen.

Die Konzerte finden am 20. Juni in der Siechenhauskapelle Neuruppin, am 22. Juni im Kyritzer Ratssaal und am 23. Juni in der Dorfkirche Döllen statt.

Das exquisite Chordos Streichquartett feierte gerade erst sein 22-jähriges Bestehen, spielt auf höchstem Niveau und mit reicher Erfahrung. Es arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit Verena Rein zusammen und tritt mit ihr bei renommierten Festivals wie dem Schleswig-Holstein-Musikfestival und in vielen europäischen Ländern auf.

Das Konzertprojekt des Vereins „Ganz.Kultur“ wird gefördert von der Stadt Kyritz und mit Mitteln des Landkreises Ostprignitz-Ruppin.

Kartenreservierungen: Neuruppin, 03391/39 88 44 (Gabriele Lettow); Kyritz, 033971/60 82 79; Döllen, 033977/5 06 05 (Jürgen von Freymann). Kartenvorbestellungen für alle Konzerte sind auch über die E-Mail-Adresse info@ganzkultur.de möglich oder am Telefon unter 0173/621 37 50. Die Karten kosten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Von Sandra Bels

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