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Kyritz Nahverkehr bestimmt Zukunft der Region
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15:25 09.08.2019
Die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke, der Landtagskandidat der Grünen Matthias Dittmer, Regio-Infra-Geschäftsführer Tino Hahn und die grüne Verkehrspolitikerin Susanne Menge (v.l.) diskutierten in Kyritz über die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs. Quelle: Alexander Beckmann
Kyritz

Der öffentliche Nahverkehr ist ein, wenn nicht sogar das entscheidende Element, um die Entwicklung in ländlichen Regionen voranzubringen. In dem Punkt waren sich die rund 20 Teilnehmer einer Diskussionsrunde am Donnerstagabend in Kyritz einig. Eingeladen hatte der Direktkandidat der Grünen im Landtagswahlkreis 2 Matthias Dittmar aus Zempow.

Die Region im Nordwesten Brandenburgs erlebe seit Jahrzehnten eine Abwärtsspirale, konstatierte Dittmer: Erst seien die Menschen wegen der Arbeit weggezogen. Angesichts der schrumpfenden Bevölkerungszahl seien dann Einschnitte bei der Infrastruktur gefolgt. Die fehlende Infrastruktur wiederum bremse nun das Wachstum.

Planungen dauern Jahrzehnte

Für Matthias Dittmer steht fest: „Der öffentliche Verkehr ist der Schlüssel“. Denn nur er ermögliche den schnellen und umweltschonenden Zugang zur Metropolregion Berlin. Mit seinem Bedarf an Verkehrsfläche und Energie scheide das Auto als Lösung längst aus.

Noch sei es jedoch ausgesprochen schwierig, diese Erkenntnisse in konkretes Handeln umzusetzen. „Die Entwicklung des Klimas läuft im Zeitraffer ab, aber die Politik braucht für einen neuen Haltepunkt zehn Jahre“, verwies Dittmer sowohl auf jüngste Forschungsergebnisse als auch auf die Entwicklung des Bahnverkehrs in Kyritz.

Mobilität entscheidet über Regionalentwicklung

Die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke konnte das am Donnerstag nur bestätigen: „Seit 2007 hatten wir den Haltepunkt am Bürgerpark in unserem Stadtentwicklungskonzept.“ Die Entwicklung des Bahnverkehrs stehe für sie ganz oben auf der Agenda: „Mobilität ist der Schlüssel zur Entwicklung der Region.“

Schließlich biete sich Kyritz samt seiner Umgebung angesichts der Entwicklung in Berlin zunehmend als Wohnort für Pendler an. Voraussetzung sei aber die unkomplizierte und verlässliche Verbindung in die Hauptstadt.

Auch der Tourismus könne gewinnen. Dazu müssten an den Wochenenden aber mehr Züge fahren als derzeit. „Wenn’s nicht attraktiv ist, wird sich keiner auf die Bahn setzen und nach Kyritz kommen, um hier sein Geld auszugeben.“

Bahnbetreiber sieht Hindernisse

Nora Görke plädierte erneut für eine Direktverbindung Kyritz-Berlin („Ich glaube, das würde viele Leute motivieren, auf die Bahn umzusteigen“), für zusätzliche Bedarfshaltepunkte beispielsweise im Gewerbegebiet und am Flugplatz, für häufigere Busverbindungen zu den Dörfern und für die Mitnutzung anderer Verkehrsmittel wie Postauto, Schulbus oder Lieferfahrzeugen für die Versorgung auf dem Lande. Zudem seien bessere Bedingungen für Radfahrer erforderlich – sowohl im Alltag als auch für den Tourismus.

Als Geschäftsführer des Bahnstreckenbetreibers Regio-Infra Nord-Ost erklärte Tino Hahn: „Ich gebe Frau Görke vollkommen Recht: So ein Umstieg ist blöd.“ Doch die Möglichkeiten seines Unternehmens für Veränderungen sein begrenzt. „Eisenbahn funktioniert hier im ländlichen Raum wie der Bus nur über Zuschüsse.“ Bund und Land müssten handeln.

Längst befinde sich der Schienenverkehr in einem Dilemma: „Die Hälfte des einstigen deutschen Schienennetzes ist weg.“ Die fehlenden Verbindungen machten den Bahntransport weniger attraktiv. Weniger Züge bedeuten für die Streckeneigentümer geringere Einnahmen, was wiederum Investitionen in die Schiene erschwert.

Viel Verantwortung auf Bundesebene

Die Regio-Infra bemühe sich im eigenen Interesse seit vielen Jahren, von der Deutschen Bahn stillgelegte Strecken zu erwerben und vor der Demontage zu bewahren. Tino Hahn schätzt ein: „Man ist in der Bundes- und Landespolitik noch nicht so weit, dass man sagt: Hier müssen wir dringend wieder Geld reinstecken.“

Susanne Menge, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Mobilität von Bündnis 90/Die Grünen, sieht vor allem die Bundesregierung in der Pflicht: „Wenn der Bund nicht mitmacht, dann kann man nicht immer sagen: Länder, unternehmt endlich was!“ Ein wenig Bewegung auf Bundesebene sei inzwischen immerhin auszumachen.

Susanne Menge zeigte sich fest davon überzeugt, dass sich mit dem Auto die zunehmenden Verkehrsprobleme in den Metropolen und ihrem Umland nicht lösen lassen. Die niederländischen und dänischen Nachbarn machten längst vor, wie viel sich mit entsprechender Infrastruktur auf den meist kurzen alltäglichen Strecken per Fahrrad erreichen lässt. Der öffentliche Verkehr in Deutschland wiederum kranke an seiner Zersplitterung. Bundesweit gebe es 70 Verkehrsverbünde mit eigenen Tarif- und Fahrplansystemen. Jüngste Ideen des Bundes wie der „Deutschlandtakt“ ließen sich so kaum durchsetzen.

Transport soll schnell und preisgünstig sein

Das Tarifsystem hält auch Infra-Regio-Mann Tino Hahn für zu kompliziert. „Stellen Sie sich mal vor, der ganze ÖPNV wäre kostenlos!“ Das würde all den Aufwand für Fahrkostenberechnung, Fahrscheinverkauf, Kontrollen und so weiter sparen. Und schon jetzt seien ja rund 70 Prozent der Gesamtkosten staatlich finanziert.

Nora Görke spekulierte: „Mancher Berliner fährt bestimmt länger in der Stadt selbst, um zur Arbeit zu kommen, als er hierher zu uns fahren würde.“

Und Matthias Dittmer drängte zu schnellem Handeln: „Wenn wir der Krise Herr werden wollen, müssen wir das gesamte Planungssystem beschleunigen. Wir stehen jetzt im Umbruch.“

Von Alexander Beckmann

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