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Kyritz So manche Ballonfahrt wird vom Winde verweht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz So manche Ballonfahrt wird vom Winde verweht
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08:39 02.07.2019
Der Ballon schwebt davon. Quelle: Wolfgang Hörmann
Kyritz

Das Paar ist mit gut bürgerlichem Namen in den Korb gestiegen, und als es wieder herauskletterte, da kam es unversehens in den Adelsstand. Sie wurde die „Feine Hofdame zur guten Fernsicht ins Grüne“, er darf sich künftig „Todesmutiger Himmelsstürmer“ nennen. So steht es auf Urkunden, die nur bekommt, wer eine Fahrt im Heißluftballon hinter sich und die traditionelle Taufe erhalten hat.

Der Pilot richtet den Blick auf den Brenner, die Fahrgäste sind in schönster Vorfreude - und werden nicht enttäuscht. Quelle: Wolfgang Hörmann

Drei Frauen und drei Männer sind am vorletzten Juni-Samstag zu Frühaufstehern geworden, um genau das zu tun. Klärchen blinzelte gegen 5 Uhr über den Horizont, als Pilot Frank Fano vom Unternehmen „Sun Ballooning“ daran ging, auf einer Wiese am Rande von Kyritz den Ballon startklar zu machen. Wohin würde die Reise gehen? Frank Fano kann das vor dem Start nie ganz genau sagen.

Und? Wo sind Sie gelandet?

Frank Fano: Messungen der Luftströme am Boden hatten ergeben, dass wir in Richtung Friesack fahren würden. Gelandet sind wir dann auf einer Koppel unweit von Babe.

Kann man denn die Route selber festlegen? Erledigt das nicht der Wind?

Im Prinzip schon. Der Heißluftballon driftet mit dem Wind. Allerdings kann der Pilot die Richtung der Fahrt ein wenig beeinflussen, indem er den Ballon mit Hilfe des Gasbrenners steigen oder sinken lässt. Denn normalerweise bläst der Wind in verschiedenen Höhen unterschiedlich. Ganz tief über dem Boden weht also meistens ein ganz anderes Lüftchen als in 1000 Metern Höhe. Und auch der Startplatz ist von Bedeutung. Benachbarte Waldgebiete beeinflussen die Luftströmungen.

Seit wann besteht Sun Ballooning?

Seit dem Jahr 2000. Damals war die Nachfrage sehr groß. Vom Stammsitz Heinrichsfelde aus starteten wir noch vor 15 Jahren bis zu 130 Fahrten im Jahr. Aktuell ist es knapp die Hälfte.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass das Interesse gesunken ist?

Der Hype ist allgemein verflogen. Das ist aber nicht der Hauptgrund. Die Veränderung des Klimas hat auf unser Gewerbe großen Einfluss. Dem Wetter fehlt die Konstanz. Kapriolen werden schwerer vorhersehbar. Das beeinflusst die Entscheidungen, die der Pilot erst in den letzten Stunden vor dem Start treffen muss. Abgesprochene Termine können oft witterungsbedingt nicht eingehalten werden. Meteorologen stützen sich zunehmend auf gleich mehrere Rechenmodelle, die Computer erstellen. Konkrete, praxisbezogene Auskünfte von Mensch zu Mensch sind seltener geworden. Das führt letztlich auch zu Entscheidungen, die in Absagen münden. Hinzu kommt: Die Schönwetter-Perioden waren vor 10 oder 15 Jahren deutlich länger. Da konnten wir an den Wochenende von Freitag bis Sonntag zweimal am Tag durchfahren. Jetzt geht das kaum noch. Dazu kommt: Es wird immer schwieriger, spezielle Terminwünsche unter den aktuellen Wetterlagen zu erfüllen.

Das führt dann zu Wartezeiten, für die Sie Kritik einstecken.

So ist es. Aber die Sicherheit steht natürlich immer an erster Stelle. Und das wird strikt beachtet. Bei „Puddingwetter“ bleiben wir am Boden.

Wie viel Anläufe braucht es denn in aller Regel, bis ihre Kunden in die Luft gehen können?

Der Durchschnitt liegt bei 3,5 Versuchen. Am Stützpunkt in Heinrichsfelde werden die Absprachen getroffen. Wer angebotene Termine möglichst zügig annimmt, kann damit rechnen, auch schnell nach oben zu kommen. Bei Sonderwünschen zu speziellen Anlässen – Geburtstage, Hochzeiten, Jugendweihen etwa – wird es schon schwieriger. Das ist aber nicht nur bei uns so, sondern in der gesamten Branche.

Vielfach hört man auch vom Ballon-“Fliegen“. Sie sprechen vom „Fahren“. Was ist denn nun richtig?

Eigentlich beides. Dafür gibt es einen physikalischen und einen historischen Grund. Der physikalische besagt, dass alles fliegt, was schwerer ist als Luft, also Flugzeuge und Hubschrauber. Alles Leichtere fährt. Da wären Ballone und Luftschiffe. Die ersten Ballonpioniere sprachen davon, dass sie ins Luftmeer entschweben. So bot sich der Vergleich zur Schifffahrt an. Schiffe fahren bekanntlich.

Und welche Kleidung ist dafür die passende?

Ich rate meinen Kunden immer, das anzuziehen, was sie bei einem leichten Spaziergang tragen würden. Wir fahren ja mit dem Wind, der ihnen also nicht entgegen blasen kann. Außerdem geben die Brenner noch etwas von ihrer Wärme ab. Ein Getränk dabei zu haben, ist auch nie verkehrt.

Kunden sollten flexibel sein

Frank Fano (59) ist gelernter Flugzeugmechaniker und Berufspilot, seit 1998 mit der Berechtigung auch für das Ballonfahren, außerdem Ausbilder und Mitglied im Prüfungsrat für Ballonfahrer. Mit Partner Carsten Krüger, der die Außenstelle in Schwante betreut, leitet er „Sun Ballooning“.

Hauptberuflich arbeitet Frank Fano als Flugleiter auf dem Verkehrslandeplatz Kyritz-Heinrichsfelde. Mit dem Ballon war Fano bisher rund 2000 Stunden in der Luft.

Gutscheine für Ballonfahrten, drei Jahre gültig, können innerhalb von 45 Tagen bei Erstattung des Kaufpreises zurück gegeben werden. Kontaktaufnahme dazu und auch zu Terminen und Preisen unter der Telefonnummer 033971/6 05 55 beziehungsweise online unter www.sun-ballooning.de.

Die gewachsene Häufigkeit von Verschiebungen der Fahrtermine in den zurückliegenden Jahren aufgrund der Witterung ist nicht nur in Heinrichsfelde ein Thema. „Das hat auch bei uns zugenommen“, bestätigt Mandy Kunkel, Geschäftsführerin von „Mecklenburger Ballonfahrten“ mit Sitz in Schwerin. „Manchmal braucht es bis zu fünf Anläufe. Unsere Kunden sollten flexibel sein.“

Von Wolfgang Hörmann

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