Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kyritz Von der Ruine zum Schmuckstück
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Von der Ruine zum Schmuckstück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 30.12.2018
Aus dem lange ungenutzten Haus in der Bach-Straße 55 wurde ein Schmuckstück. Quelle: Alexander Beckmann
Anzeige
Kyritz

Der Kyritzer Hans-Jürgen Päzolt fühlt sich wohl in seiner Stadt – von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr. Der 82-Jährige leitet die Arbeitsgruppe „Verfallsbedrohte Häuser“. Unter dem Motto „Kyritz lückenlos“ bemüht sich das kleine Expertenteam, historische Bausubstanz zu bewahren. Und auch für das zu Ende gehende Jahr verzeichnet Päzolt dabei einige Fortschritte.

Die Tätigkeit der Arbeitsgruppe lässt sich so zusammenfassen: Bestand aufnehmen und Druck machen. Die vier Mitglieder gehen mit offenen Augen und beruflicher oder persönlicher Erfahrung durch ihre Stadt. Wenn sie Häuser sehen, denen es richtig schlecht geht, versuchen sie aktiv zu werden.

Anzeige

Regelmäßige Treffen mit der Stadtverwaltung

„Wir kommen alle drei Wochen mit einem Mitarbeiter des Rathauses zusammen“, berichtet Hans-Jürgen Päzolt. Um Wirkung entfalten zu können, sei die Gruppe auf die Stadtverwaltung und manchmal auch auf die Lokalpolitik angewiesen. „Die Arbeitsgruppe versucht vor allem, die Verwaltung anzuschieben.“

„Anfangs hat die Bürgermeisterin noch gesagt, das ist nur Zeitverschwendung“, erinnert sich Päzolt. Aber es tat sich eben doch etwas. Und seit der landesweiten Auszeichnung als „Altstadthelden“ sind die Zweifel verstummt.

Schmuckstück in der Johann-Sebastian-Bach-Straße

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe freuen sich in diesem Jahr besonders über die Sanierung des Hauses in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 55, wo der Kirchenkreisverband Prignitz-Havelland-Ruppin seinen Sitz hat. Das Vorderhaus stand lange leer und verfiel. Nun hat die Kirchen es herrichten lassen.

An der Schulstraße 19 will die Arbeitsgruppe dranbleiben. Quelle: Alexander Beckmann

„Sehr weit oben auf unserer Liste stand ja auch die Maxim-Gorki-Straße 31 – fast zehn Jahre lang“, berichtet Hans-Jürgen Päzolt weiter. Das vernachlässigte Haus war am Ende nicht mehr zu retten. Aus Sicherheitsgründen und mangels eines Eigentümers musste der Landkreis es abreißen lassen. „Jetzt ist das Grundstück verkauft und wir hoffen, dass die Lücke geschlossen wird.“

Oft genügt es, wenn die Stadt den Eigentümer anspricht und auf Hilfsangebote hinweist: Fördermittel, zinsgünstige Kredite, Steuervergünstigungen. Manchmal ist aber mehr vonnöten, um ein Gebäude vor der Zerstörung zu bewahren.

Sicherungsmaßnahmen auf Kosten des Eigentümers möglich

„Für vier Häuser hatten wir bei der Stadtverordnetenversammlung beantragt, dass ein Sanierungsgebot ausgesprochen wird“, sagt Hans-Jürgen Päzolt. 2012 sei das gewesen. „So was zieht sich ja über Jahre hin.“ Schließlich kann die Kommune Eigentümer mit diesem rechtlichen Instrument dazu zwingen, etwas zu unternehmen. Das reicht im Endeffekt bis hin zu Sicherungsmaßnahmen auf Kosten des Eigentümers oder sogar zur Enteignung, auch wenn der juristische Weg dahin ein langer ist.

Das Gebäude an der ehemaligen Berufsschule ist eines der ältesten in ganz Kyritz. Quelle: Alexander Beckmann

„In drei Fällen hat schon die Androhung genügt, damit die Eigentümer aktiv wurden.“ In der Holzhausener Straße 16 sieht das anders aus. „Da wollten wir das Sanierungsgebot eigentlich durchsetzen. Aber das ist sehr, sehr schwierig. Das hat wohl noch keine Kommune durchgezogen.“ Zudem habe das Haus zwischenzeitlich den Eigentümer gewechselt.

Überhaupt sei es oft die Eigentumsfrage, die Häuser verfallen lässt. Beispiel: die Schulstraße 19. „Da haben unsere Recherchen ergeben, dass der Eigentümer schon seit 1945 tot ist.“ Erst daraufhin habe das Land das Haus übernommen und schließlich verkauft. „Der neue Besitzer hat aber bisher nichts gemacht.“

Neben der alten Berufsschule droht ein weiteres Haus, zur Ruine zu werden. „Das ist ursprünglich ein Fachwerkhaus“, weiß Hans-Jürgen Päzolt. „Vom Denkmalschutz habe ich gehört, dass es eines der ältesten der Stadt sein soll.“

Die alten Wirtschaftsgebäude an der Stadtgasse gehören zu den Sorgenkindern. Quelle: Alexander Beckmann

Sorgen bereitet der Arbeitsgruppe auch die Gorki-Straße 1: „Das ist ja das erste Fachwerkhaus, das Besucher der Stadt zu sehen bekommen.“ Außerdem: „Was uns vor allem stört, ist der Zustand der Stadtgasse. Die verfallenden Scheunen dahinten gehören zur Gorki-Straße 28.“ Über Pläne zur Veränderung sei bisher leider nichts bekannt.

„Wir können nur immer wieder anstoßen. Aber es hat funktioniert. Sonst würde ich das nicht immer noch machen“, sagt Hans-Jürgen Päzolt, der sich über mehr Mitstreiter freuen würde. Kontakt zur Arbeitsgruppe gibt es über das Bauamt des Rathauses.

Von Alexander Beckmann