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Kyritz Kommt aus Kyritz bald auch veganes Rührei für den Weltmarkt?
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Kommt aus Kyritz bald auch veganes Rührei für den Weltmarkt?
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07:12 31.10.2019
In den Standort soll noch mehr investiert werden. Doch weil weitere Ausnahmen in den Bauhöhen wohl nicht mehr möglich sind, soll der B-Plan geändert werden. Quelle: Matthias Anke
Kyritz

Die 14 Millionen Euro teure Anlage zur Herstellung des für die Lebensmittelindustrie bedeutenden Produktes Dextrin hat noch nicht mal ihre Produktion aufgenommen, schon laufen die Planungen für weitere Investitionen in der Kyritzer Stärkefabrik. Doch noch mehr Befreiungen von den laut Bebauungsplan geltenden maximalen Gebäudehöhen und Geschossflächenzahlen beispielsweise, wie sie schon mehrfach erfolgten, sind nun wohl nicht mehr möglich.

Denn „die Grundzüge des Bebauungsplanes“ seien mittlerweile berührt, heißt es in einer Beschlussvorlage für die Stadtverordneten. Demnach sollen künftig keine Befreiungen mehr erteilt werden. Vielmehr müsse nun der seit 2005 geltende B-Plan gänzlich geändert werden.

Neubau für die Kartoffelwäsche

Für diesen Schritt warb Werksleiter Martin Schmidt jetzt als erstes vor den Mitgliedern des Bau- und Wirtschaftsausschusses. Er verwies darauf, wie sich innerhalb der vergangenen Jahre der Stand der Technik stark veränderte und neue Bauhöhen erforderlich wurden. Und vor allem ließ er mit umfangreichen Plänen für die Zukunft aufhorchen: Ein Ersatzneubau für die Kartoffelwäsche soll entstehen, ein neues Großsilo und mehrere Gebäude für weitere Stärkeveredelungen zum Beispiel.

Dabei wollen sie an der Pritz­walker Straße zudem auch noch einen ganz neuen Weg gehen: Es sollen Mung-Bohnen verarbeitet werden zu Fleischersatzprodukten beziehungsweise als Ersatz für tierische Eiweiße. „Das ist eines unserer wichtigsten Zukunftsprojekte“, erklärte Martin Schmidt: „Das ist ein weltweit extrem wachsender Markt.“ Aus den Bohnen lässt sich unter anderem Rührei herstellen. Baulich ist allein dafür die Rede von„zwei Silos, vier Behälter, vier Dekanter, drei Separatoren“.

Das Ziel ist eine Ganzjahresproduktion

Neben der Kartoffelverarbeitung würde das der Fabrik eine Ganzjahresproduktion verschaffen. Statt wie bisher die Saisonkräfte nach ihrem Einsatz wieder gehen lassen zu müssen, könnten diese bleiben. Und noch weitere Arbeitsplätze würden entstehen.

Momentan müssten Mung-Bohnen aus Asien importiert werden. Es laufe aber ein vielversprechender Versuchsanbau in Deutschland.

Bedenken wegen der Höhe der neuen Gebäude

Unter den Ausschussmitgliedern hatte Jörg Kannenberg wegen der Höhe der neuen Gebäude Bedenken, die erneut an die bisherige Bebauung heranreicht: „Wenn ich zum Beispiel an Karstädt denke, habe sich immer dieses riesige Silo dort vor Augen.“ In Kyritz dürfe es nicht ausufern.

Um die Stadtsilhouette weniger zu beeinträchtigen, kommen laut Martin Schmidt aber Bauplätze in Frage, die sich näher an der B 5 statt Richtung Zentrum befinden.

Geplantes Silo ist 42 Meter hoch

Die größte Dimension würde das neue Silo für 50 000 Tonnen Kartoffelstärke aufweisen. Es soll 50 Meter im Durchmesser haben bei einer Höhe von 42 Metern – und etwa zehn Millionen Euro kosten.

Die Geschäfte für die Stärkefabrik laufen laut Schmidt dementsprechend – und zwar bestens. Dabei hatte es noch bis 2014/15 eine Talfahrt gegeben. „Wir waren schon auf 80 Mitarbeiter runter. Jetzt haben wir uns aber sehr gut erholt“, erklärte Schmidt mit Blick auf 120 Beschäftigte in der aktuellen Kartoffelverarbeitung und 65 Millionen Euro Umsatz mit den 45 Produkten, die an der Pritzwalker Straße aus den Kartoffeln hergestellt werden.

Zusammenarbeit mit regionalen Firmen

Bei alledem seien Investitionen in Kyritz immer auch ein Zeichen gegenüber dem Hauptwerk des Unternehmens Emsland-Stärke im niedersächsischen Emlichheim: Was nicht in Kyritz gebaut wird, würde woanders entstehen.

Schmidt führte viele Argumente im Sinne der Kyritzer Fabrik aus, darunter die „weiterhin starke Zusammenarbeit mit regionalen Firmen“. Aktuell betrage allein dieses Geschäftsvolumen 2,5 Millionen Euro.

Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt

Neben der „Schaffung und Sicherung attraktiver und gut bezahlter Arbeitsplätze“ seien auch steigende Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt in Sicht. Aktuell sind es laut Schmidt bis zu 300 000 Euro.

Und nicht zu vergessen die Nachwuchsförderung. Erst kürzlich machte das Werk mit einem „Tag der kleines Baumeister“ von sich Reden.

Fazit: Die Vorlage wurde am Ende einstimmig weitergereicht.

Entscheidung am 27. November

Zunächst beschäftigen sich als nächstes die Mitglieder des Hauptausschusses am Dienstag, 12. November, mit diesem Thema, ehe die Stadtverordneten am Mittwoch, 27. November, eine endgültige Entscheidung in dieser Sache treffen.

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