Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kyritz Kyritzer erinnern sich an die Wendezeit
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Kyritzer erinnern sich an die Wendezeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:32 01.11.2019
Hana Hlaskova von der Aufarbeitungsbehörde übernahm die Co-Moderation und vervollständigte den Zeitstrahl mit den Kyritzer Themen.   Quelle: Sandra Bels
Kyritz

„Du immer mit deiner Wende.“ Das war das Motto eines Gesprächsabends am Montag beim Heimatverein in Kyritz mit Susanne Kschenka. Sie ist Referentin für politisch-historische Erwachsenenbildung und Stellvertreterin der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur.

In der von ihr moderierten Veranstaltung kamen sowohl diejenigen zu Wort, die das Thema Mauerfall und Wende nur aus Erzählungen kennen, als auch diejenigen, die die Ereignisse vor und nach dem 9. November 1989 in Kyritz aktiv miterlebt und gestaltet hatten. „Wir wollen uns erinnern und von den Erinnerungen der anderen profitieren“, hatte der Kyritzer Pfarrer Daniel Feldmann zur Eröffnung gesagt.

Rat für Menschen, die zu DDR-Zeiten Unrecht erfahren haben

Der Abend begann damit, dass Susanne Kschenka kurz erklärte, welche Aufgaben die Aufarbeitungsbehörde hat. Demnach berät sie unter anderem Menschen, die zu DDR-Zeiten Unrecht erfahren haben, vor allem politische Häftlinge, Menschen, die oppositionell tätig waren, flüchten wollten, oder Personen, die um Rehabilitierung bitten, für das Unrecht, das ihnen widerfahren ist. Außerdem sei die Behörde auch für Forschungsarbeiten zur Geschichte der DDR zuständig. Einige von ihr herausgegebene Bücher lagen am Gesprächsabend aus und konnten kostenlos mit nach Hause genommen werden.

Doch zunächst bat Susanne Kschenka die Gäste sich dazu zu positionieren, ob sie oft, eher weniger oder gar nicht über das Thema Wende reden. Anschließend sollten sie auf der Skala von 1 bis 10 das Gefühl angeben, mit dem sie sich an die Zeit erinnern. Die Ergebnisse waren unterschiedlich. Manch einer hatte gute Erinnerungen, andere sprachen über schlechte Erfahrungen oder Erlebnisse in der Kindheit. Für den überwiegenden Teil der Gäste war die friedliche Revolution vor 30 Jahren Anlass, sich zu freuen.

1988 wurde der „Sputnik“ verboten

Susanne Kschenka fasste an einem Zeitstrahl die Ereignisse von damals zusammen. Sie begann 1988 mit dem Verbot des „Sputniks“, einer sowjetischen Zeitung, und endete weit nach 1990. Anschließend wurden die Gäste gebeten, das für sie Wichtigste aus der Zeit, egal ob positiv, negativ oder neutral auf einen Zettel zu schreiben. Die Zettel wurden anschließend vorgelesen, vom Schreiber näher erklärt und an den Zeitstrahl geklebt. Für viele waren der Mauerfall und die Grenzöffnung damals entscheidend. Andere hatten Freunde verloren, die geflüchtet waren, oder Angst vor der Zukunft.

Viele kennen die Ereignisse nur aus Erzählungen

Viele weitere Themen aus der Zeit wie die Friedensdemos, das Neue Forum und die Runden Tische kamen zur Sprache. „Ich hoffe, dass ihr Schüler eine kleine Ahnung davon bekommen habt, was die Menschen damals bewegt hat“, sagte Susanne Kschenka zum Abschluss des Gesprächs. Gut 60 Interessenten hatte sich daran beteiligt. Etwa die Hälfte kennt die Erlebnisse nur vom Erzählen. Susanne Kschenka staunte aber, wie viel die Jugendlichen, von denen die meisten unter 18 Jahre alt waren, über die Wendezeit wussten und erzählen konnten.

Der Zeitstrahl bleibt in Kyritz. Der Heimatverein hatte ihn mit den Ereignissen in der Stadt von vor 30 Jahren ergänzt und viele weitere Dokumente und Erinnerungen an die Zeit ausgestellt. Er gehört neben der evangelischen Kirche, der Stadt und dem Gymnasium sowie der Diercke-Schule zu den Organisatoren des Abends.

Lesen Sie auch

Von Sandra Bels

Die Bürgerforen in Kyritz sind ein wichtiger Teil der Wendegeschichte. Eine beeindruckende Premiere gab es am 30. Oktober 1989. 1700 Menschen drängten damals zu einer Diskussionsveranstaltung in das Kreiskulturhaus „Wilhelm Pieck“.

05.11.2019

Wo vor genau zehn Jahren frühere Flüchtlingsunterkünfte zurückgebaut wurden, gab es einst einen Plan für eine Biogasanlage. Der scheiterte aber. Jetzt soll in Kyritz am Rehfelder Weg ein Solarpark entstehen.

29.10.2019

Zur Überraschung vieler Kraftfahrer ist die Ampelanlage an der Autobahnbrücke Neuruppin Süd wieder in Betrieb. Grund dafür sind nicht allein die Arbeiten an den Brücken und Fahrbahnen, sondern auch der Martinimarkt sowie der Oldtimer- und Teilemarkt in den nächsten Tagen.

28.10.2019