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Kyritz Räuber war schuldunfähig und kann nicht bestraft werden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Räuber war schuldunfähig und kann nicht bestraft werden
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13:54 09.01.2020
Gericht sprach Räuber frei. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Freispruch, so lautete am Donnerstag das Urteil der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin. Weil ein 25-Jähriger, als er am 4. November 2016 einen Edeka-Markt in Kyritz überfallen hat, zur Tatzeit schuldunfähig war, konnte er nicht bestraft werden.

Angeklagter schon in der Jugend psychotisch

Der Angeklagte war ein auffälliges Kind, wie sich aus dem psychiatrischen Gutachten ergab. Er wurde bereits damals einem Psychiater vorgestellt. Eine Untersuchung führte zu keinem Ergebnis.

Laut Gutachterin litt er schon früh an einer Psychose. Die von ihr diagnostizierte paranoide Schizophrenie bestand eben auch noch zur Tatzeit. „In diesem Zustand hat er den Raub begangen“, sagte der Vorsitzende Richter Christian Schmidt.

Unter Drogen ging es dem jungen Mann besser, so jedenfalls war sein subjektives Empfinden. Davon hatte er in der Nacht zum 4. November reichlich konsumiert. Sein Bedürfnis nach weiteren Drogen war so groß, dass er sich morgens, nachdem er sich zu Hause umgezogen, seine Mütze mit Sehschlitzen versehen und seine Softairwaffe eingepackt hatte, zum Edekamarkt loszog.

Räuber traf auf beherzte Verkäuferinnen

„Dort geriet er an die Richtigen“, sagte Richter Schmidt. Die beiden Angestellten ließen sich überhaupt nicht beeindrucken, sondern stellten sich dem Räuber beherzt entgegen. Derart, dass dieser die Flucht ergriff, ohne etwas erbeutet zu haben.

Die Beute hätte sich sowieso in Grenzen gehalten, da der Laden gerade erst geöffnet hatte. In der Kasse befanden sich lediglich 400 Euro Wechselgeld, wie eine Mitarbeiterin vor Gericht sagte.

Der Täter zog unverrichteter Dinge ab, entsorgte unterwegs die Maske und die Pistole und zog sich zu Hause um. Dann begab er sich in die Nähe des Tatortes, wo er von der Polizei angehalten wurde. Denen tischte er glaubhaft auf, einen Freund in der Nähe besuchen zu wollen. Die Beamten sahen ihn nicht als verdächtig an und ließen ihn ziehen.

Zwei Jahre nach der Tat Täter ermittelt

Erst im Herbst 2018 wurde weiter ermittelt, nachdem bekannt wurde, dass er mehreren Kumpels von seinem Coup berichtet hatte. Bei der Polizei hat er sich dann freimütig zu der Tat bekannt.

„Wir glauben ihm, dass er der Täter war“, sagte Schmidt. Hätte der Angeklagte das allerdings abgestritten, hätte man ihm eine Täterschaft nie nachweisen können.

Für das Gericht stand außer Zweifel, dass der Angeklagte krank war und ist. „Er ist erwiesenermaßen nicht schuldfähig und kann nicht bestraft werden“, so Schmidt.

Dagegen stehe nicht, dass er ziel- und planvoll vorgegangen sei, stimmte das Gericht mit der Gutachterin überein.

Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Freiheitsstrafe

Für die Staatsanwaltschaft dagegen wusste der Angeklagte, was er tat. Sie plädierte wegen versuchten schweren Raubes in einem minder schweren Fall auf eine Bewährungsstrafe.

Das Gericht jedoch sprach ihn frei. Es sah auch die Voraussetzungen für seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nicht gegeben, da er nicht gefährlich für die Allgemeinheit sei.

Das wäre zum Tatzeitpunkt anders gewesen. Insofern sei es für den Angeklagten gut, dass der Fall erst jetzt verhandelt worden sei. „Rückblickend kann man sagen, gut so“, sagte Schmidt.

Denn der 25-Jährige hat sein Schicksal selbst in die Hand genommen. „Er hat selbst gemerkt, dass etwas nicht mit ihm stimmt.“ Seit Oktober 2017 befindet er sich ununterbrochen in medizinischer Behandlung.

„Er führt ein völlig geregeltes Leben, soweit das bei seiner Krankheit möglich ist“, sagte Schmidt. Dass das so bleibt, könne nur in seinem Interesse sein. Das liege einzig und allein an ihm selbst. „Sie sind auf einem richtig guten Weg.“

Mit einem Danke verabschiedete sich der Angeklagte beim Gericht. Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft kann dagegen noch Revision einlegen.

Von Dagmar Simons

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