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Kyritz MAZ-Leser auf Genießertour
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz MAZ-Leser auf Genießertour
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00:23 08.04.2019
Frank Wesemann verblüffte die Leser mit einer Yacon-Pflanze. Keiner der Besucher kannte sie. Aber alle nahmen sich die Früchte mit nach Hause. Quelle: Sandra Bels
Kyritz

Gerda Eschenhagen kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „Ich bin wirklich überrascht, was es hierzulande alles gibt“, sagt die Molchowerin. Sie war zusammen mit neun MAZ-Lesern auf Mini-Genießertour innerhalb der Aktion „Gemeinsam am Tisch“. Dazu eingeladen hatte die Regionalinitiative Prignitz-Ruppin zusammen mit der Märkischen Allgemeinen und der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwest Brandenburg.

Erste Station war Görike

Treffpunkt war das Kyritzer „Waldschlösschen“. Von dort aus ging es nach Görike. Katja Leppin, die Chefin des Unternehmens „Landgeschmack“, das ein Bereich der Agrargenossenschaft Görike-Schönhagen ist, empfing die MAZ-Leser zusammen mit ihrer Mutter Kerstin. Und die plauderte gleich ein bisschen aus dem Nähkästechen. „Wenn früher alle Kinder Poster von Popstars oder so an der Wand hatten, waren es bei Katja Schweine“, erzählt die Mutter.

Zehn MAZ-Leser bekamen bei einer Mini-Genießertour nach Görike und Barenthin die Gelegenheit lokale Produzenten von Fleisch und Gemüse kennen zu lernen. Anschließend wurde gespeist.

Die Tochter sei schon immer ein Landei gewesen und deshalb auch nach dem Studium zurück nach Hause gekommen. Seit einem Jahr vermarktet Katja Leppin, die nicht nur promovierte Tierärztin, sondern auch derzeit Brandenburgs Erntekönigin ist, das Fleisch ihrer Tiere selbst. Den MAZ-Lesern zeigte sie nicht nur den Hof in Görike mit den Durok-Schweinen. Es ging auch zu den Angus-Rindern auf die Weide.

Heu macht einen guten Geschmack

Heu mögen sie am liebsten. Sie fressen viel. „Dann wird der Heugeschmack richtig schön ins Fleisch eingelagert“, erklärt Katja Leppin. Sie gibt ihren Tieren keine Namen. „Dann würde ich auch keins schlachten“, sagt sie. „Dafür esse ich viel zu gern Fleisch“, so die Landwirtin. „Aber es muss gutes sein“, fügt sie an. Die Oma-Kühe, so nennt Katja Leppin die Tiere, die zwölf Jahre alt sind, haben einen besonders guten Heugeschmack.

Geschlachtet wird bei Leppins jedoch erst, wenn das Tier komplett reserviert ist. Dafür kommen die Fleischliebhaber sogar auf die Wiese, um sich die Rinder anzuschauen. Nach der Schlachtung reift das Fleisch zwei Wochen. Dann ist es gut für die Küche.

Weideschlachtung beantragt

Derzeit lässt Katja Leppin ihre Tiere in Perleberg schlachten. Aber sie arbeitet daran, dass die Rinder künftig auch auf der Weide betäubt werden können. „Der Antrag dafür ist gestellt und wird sicher noch in diesem Jahr bewilligt“, erzählt die Tierärztin ihren Gästen. Dann kommt ein Mobil zur Weideschlachtung.

Für die Weiterverarbeitung hat sich Katja Leppin mit der Fleischerei Hildebrandt aus Kletzke zusammen getan. Wie die Salami vom Angus oder Kamerunschaf und Schinken vom Durok-Schwein schmecken, dass durften die MAZ-Leser gleich einmal probieren. Gern machten sie auch vom Angebot des Hofladens Gebrauch.

Katja Leppin zeigte ihre Durok-Schweine. Quelle: Sandra Bels

Yacon verblüffte die Gäste

Mit vollen Taschen und von einem angenehmen Räucherduft umgeben ging es weiter in benachbarte Barenthin, wo Ökolandwirt Frank Wesenberg wartete. Er verblüffte die MAZ-Leser mit einer Yacon. „Schneiden Sie sich ruhig eine Scheibe ab und kosten Sie“, empfahl der den Besuchern. Die waren sofort begeistert. „Schmeckt ein bisschen wie Birne“, sagte einer. „Schön saftig“, bemerkte ein anderer.

Gut 2000 Yacon-Pflanzen zieht Wesenberg jedes Jahr vor. Sie sind kälteempfindlich und kommen erst nach dem Frost in die Erde. „Die Kulturführung ist wie bei einer Dahlie“, erklärt er. Dann stellt er einen Korb mit einer Yacon-Wurzel auf den Tisch. Klar, dass die MAZ-Leser bei den leckeren Früchten gern zugreifen.

Ableger für Zuhause

„Ich kennen keinen Landwirt, der sie in der Menge anbaut“, sagt Frank Wesenberg. Gern gab er seinen Gästen ein paar Ableger für Zuhause mit. Inge Kalisch ließ sich nicht lange bitten. Sie probiert gern neue Sachen in ihrem Garten aus. „Außerdem möchte ich ja noch möglichst lange gesund leben können, da brauche ich so etwas natürlich“, sagte sie.

Ökolandwirt Wesenberg erzählte den Besuchern, dass er vor 21 Jahren aufs Land zog, weil er das Gefühl hatte, seine Lebensmittel selbst produzieren zu müssen. Lebensmittelproduktion und Naturschutz gehören für ihn zusammen.

70 verschieden Kulturen werden angebaut

Er baut auf seinem Hof inzwischen 70 verschiedene Kulturen und 800 verschiedene Sorten an. Wesenberg bewirtschaftet zehn Hektar Land. Davon sind vier mit Gemüse, drei mit Ackerkulturen wie Kartoffeln, Getreide und Hanf bestückt. Auf zwei Hektar wachsen Obst und es gibt eine Waldgartenlandschaft. Der Rest ist Wiese.

„Am Anfang stand viel Handarbeit“, erzählt der Ökolandwirt. Später kam Technik dazu. Aber ab dem nächsten Jahr will Wesenberg auf seinem Hof wieder ein Arbeitspferd integrieren. Damit hatte er einst angefangen. Von den zehn Mitarbeitern sind zwei Auszubildende. Wesenberg bildet seit zehn Jahren aus. Er gehört dem ältesten Bioverband Deutschlands, Demeter, an und ist Mitglied im Verbund der Ökohöfe, der eher in Ostdeutschland etabliert ist.

70 Prozent solidarische Landwirtschaft

„Wir verkaufen unsere Lebensmittel hauptsächlich in Berlin und Potsdam“, sagt Wesenberg. Seit sechs Jahren betreibt er auch eine solidarische Landwirtschaft (Solawi). Sie macht 70 Prozent des Betriebes aus. Dabei werden die Lebensmittel in einem eigenen Wirtschaftskreislauf produziert. Eine Gruppe von Konsumenten teilt sich die Kosten des Hofes und bekommt dafür die Ernte. Der Landwirt erhält dadurch Planungssicherheit und kann unabhängig von Marktzwängen arbeiten.

Die meisten MAZ-Leser hatten davon noch nie etwas gehört. Fanden es daher sehr interessant. Und sie wollen wieder kommen. Am zweiten Sonntag im Mai, es ist der 12. Mai, findet bei Wesenberg auf dem Hof schon traditionell der Tag der offenen Tür statt. Dann kann man auch Yacon-Früchte kaufen.

Zum Schlemmen ins "Waldschlösschen

Nach dem Vormittag im Freien bei besten Frühlingswetter ging es für die MAZ-Leser zum Schlemmen zurück nach Kyritz. „Waldschlösschen“-Chefin Yvonne Schwarzer empfing die Gäste zum Mittagsmenü.

Als Mitbegründerin der Regionalinitiative Prignitz-Ruppin erklärte sie kurz, worum es den Mitgliedern geht. „Wir wollen zeigen, was es in der Region gibt“, so Yvonne Schwarzer. Oftmals seinen die Erzeuger vor ort nicht bekannt, fügt sie an. Das soll sich mit der Aktion „Gemeinsam am Tisch“ und der Mini-Genießertour ändern.

Lebensmittel aus der Region im Menü

Denn nicht nur bei dem Ausflug vor dem Essen lernten die MAZ-Leser Erzeuger vor Ort und ihre Produkte kennen. Auch das Menü bestand aus Lebensmitteln aus der Region.

Vorspeise war eine Petersilienwurzelsuppe mit Bärlauchcrostini. Die Petersilienwurzeln lieferte der Fruchtwarenhandel Ciaciuch. Darauf folgten gedünstete Apfelscheiben an einer hausgemachten Holundersauce mit gebratenem Ziegenkäse und Honig. Die Sauce hat Yvonne Schwarzer eingekocht. Der Käse kommt aus der Hofkäserei Ziegendorf in Kunow. Den Honig kauft das „Waldschlösschen“ beim Nachbarn, dem Imker Hartmut Zeglin.

Der Ziegenkäse mit Honig und Apfelscheiben kam bei den MAZ-Lesern gut an. Quelle: Sandra Bels

Siedfleisch vom Angus-Rind

Das Siedfleisch vom Angus-Rind aus Görike kam bei den MAZ-Lesern sehr gut an. Dazu gab es Spitzkohl-Birnengemüse und hausgemachte Kürbis-Kartoffelgnocchi. Den Abschluss bildete ein gratiniertes Zwetschgenkompott mit hausgemachtem Waldmeistereis. Das besondere daran war: Es war nicht grün, wie man es von fertigen Waldmeisterprodukten gewohnt ist. Den Sirup für das Eis kocht „Waldschlösschen“-Küchenchef Jens Wodzinski-Schwarzer nämlich selbst. Und der ist farblos.

Nächste Tour ist in Netzeband

Im November 2018 startete das Projekt „Gemeinsam am Tisch“. Dabei stellen Gastronomen und Köche sich mit ihren regionalen Lieferanten vor.

Aktuell gibtes das „Gemeinsam-am-Tisch“-Menü im Kyritzer „Waldschlösschen“ noch bis Ende April.

Von Mai bis Juli bietet das Restaurant „Clavis“ in Netzeband ein Aktionsmenü an und von August bis Oktober das Café und Catering „Wildwuchs“ in Neuruppin.

Von Sandra Bels

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