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Kyritz Erster Stammtisch für MAZ-Leser
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Erster Stammtisch für MAZ-Leser
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17:18 21.09.2018
MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa (5.v.r.) hörte sich beim ersten MAZ-Stammtisch in Bluhms Hotel gern Anregungen und Kritiken der anwesenden Leser an. Quelle: André Reichel
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Kyritz

Es war eine lockere, aber zugleich informative Runde bei Schnittchen und Getränken. Die MAZ hatte für Donnerstagabend in Kyritz zu ihrem landesweit ersten Stammtisch eingeladen, um ungezwungen mit Lesern zu sprechen. Rund 20 von ihnen nutzten die Gelegenheit.

„Mir war es ein ganz großes Anliegen, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, die diese Zeitung lesen“, erklärte die aus Potsdam angereiste MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa und ergänzte: „Ich habe Kyritz in dem Jahr, das ich jetzt bei der MAZ bin, total lieb gewonnen. Deshalb machen wir den ersten Stammtisch auch hier.“

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Der erste MAZ-Leserstammtisch fand am Donnerstagabend in Kyritz statt. Zahlreiche Leser nutzten die Gelegenheit und suchten das Gespräch mit der Chefredakteurin Hannah Suppa und den Kyritzer Lokalredakteuren.

Hannah Suppa gab eingangs einen kurzen Überblick über die Zeitung: „Das Verbreitungsgebiet entspricht der Fläche von ganz Schleswig-Holstein.“ Von der Prignitz bis zum Fläming verkaufe man nach wie vor täglich rund 100 000 MAZ-Exemplare in 15 Lokalausgaben.

Auf dem Weg ins Digitalzeitalter

Die Chefredakteurin bekannte zugleich: „Die Leute, die Lust haben, Zeitung zu lesen und dafür Geld auszugeben, werden weniger. Das merken wir auch.“ Vor allem die gedruckte Ausgabe sei davon betroffen. „Wir glauben nichtsdestotrotz, dass es nach wie vor wichtig ist, Lokaljournalismus zu machen.“ Dafür müsse man neue Wege beschreiten – hin zu den digitalen Medien. „In diesem Wandel bewegen wir uns gerade.“ Sie habe seit ihrem 18. Lebensjahr für Lokalzeitungen gearbeitet, berichtete die 35-Jährige. „Für mich gehören Lokales und Digitales ganz eng zusammen.“

Auch die Stammtischgäste nutzten die Gelegenheit, sich und ihr Verhältnis zur Zeitung vorzustellen.

Wunsch nach Lokalkolorit

Fritz Neye aus Kyritz war als Vertreter des regionalen Plattdeutschen-Vereins erschienen und bekannte: „Die MAZ, die Zeitung ist für so einen alten Mann wie mich wie ein Lebenselixier – auch wenn sie manchmal nicht das schreibt, was ich möchte.“ Neye plädierte ­nachdrücklich dafür, dass das Niederdeutsche seinen Raum erhält – gerade auch im Interesse der älteren Leser. Die „Plattdüütschen“ gäben dabei gern ihre Unterstützung. „Aber wir brauchen jemanden von den jüngeren Leuten, der uns dabei ein bisschen an die Hand nimmt.“

Mit dem MAZ-Stammtisch auf „Tour“ in der Mark

Über ein Jahr lang wollen wir uns jeden Monat in einer anderen Stadt des MAZ-Gebietes im westlichen Brandenburg mit Ihnen an einen Tisch setzen – und beim MAZ-Stammtisch miteinander ins Gespräch kommen. Ob über große Politik, die Probleme vor Ort oder die Zeitung im Medienwandel. Sie bestimmen, was ihr Thema sein soll. Wie an einem Stammtisch eben. Wer ist dabei? Die MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa und die Lokalreporter aus Ihrer Gegend. So wollen wir von Nachbar zu Nachbar miteinander reden und erfahren, was Sie bewegt – und was Ihre MAZ dabei tun kann.

Kyritz war der Auftakt der neuen Stammtisch-Reihe – weiter geht’s im Oktober in Luckenwalde. Am Donnerstag, 25. Oktober, um 19 Uhr im Linden Café, Zinnaer Straße 38 in 14943 Luckenwalde. Seien Sie pünktlich – wir haben dort Platz für etwa 30 Personen. Und freuen uns schon jetzt auf Sie!

Gisela und Martin Beckmann aus Kyritz betonten ebenfalls ihr Interesse an der MAZ: „Die Zeitung ist einfach unser Tagesbeginn.“ Zugleich monierten sie aber die Qualität. So häuften sich beispielsweise Schreibfehler, was offensichtlich auf Zeitdruck zurückzuführen sei. Martin Beckmann wollte zudem wissen, was die MAZ denn unternehme, um junge Leser an die Zeitung heranzuführen. Auch Andreas Mallé aus Kyritz vermisste Angebote für die Jugend: „Der Lokalteil ist manchmal ein bisschen lahm.“

Jugend gehört zur Zielgruppe

Hannah Suppa verwies in dieser Hinsicht auf Projekte wie „Zeitung in der Schule“, bei dem man versuche, Schüler auf professionelle Weise mit dem Medium vertraut zu machen. „Wir merken, dass das immer wichtiger wird“, sagte die Chefredakteurin. „Wir müssen jungen Leuten beibringen, wie man Nachrichten konsumiert und bewertet.“ Nicht selten mangele es an grundsätzlichen Elementen der Medienbildung.

Dem mochte Petra Settgast-Reichel, selbst Lehrerin in Kyritz, nicht widersprechen. Allerdings habe sie sich mit ihren Schülern an entsprechenden Zeitungsprojekten nicht mehr beteiligt: „Ich finde, die Redaktion hier in Kyritz ist zu klein dafür und kann uns nicht mehr so richtig unterstützen.“ Auch sie bemängelte zu viele orthografische und grammatikalische Fehler. Das sei gerade im Deutschunterricht wenig hilfreich.

Hannah Suppa kündigte an, dass Schulprojekte der MAZ demnächst auf eine neue Basis gestellt werden. Zu den Schreibfehlern: „Wir haben an allen Standorten Kollegen, die die Seiten Korrektur lesen.“ Dass trotzdem mal etwas durchrutscht, sei angesichts des Zeitdrucks aber nie auszuschließen.

Lokal und regional

Manfred Teske aus Wusterhausen wünschte sich mehr Heimatgeschichte im Lokalteil und beklagte zugleich den Umfang der Zeitung: „Da steht so viel drin. Ein Arbeiter kann das gar nicht alles lesen. Aber bezahlen muss er es.“ Wäre es nicht möglich, den Lokalteil auszugliedern und einzeln anzubieten?

Auch Ernst-Felix Rutsch aus Kampehl bekannte: „Eigentlich reicht mir der regionale Teil der MAZ.“ Kathrin Boleslawsky aus Kyritz sah das ähnlich: Für viele sei ein Abonnement der Druckausgabe einfach zu teuer geworden. Und die Digitalvariante biete keinen vollwertigen Ersatz. Das setze die Zeitung auf Dauer natürlich unter Druck. „Kann man nicht überlegen, den Lokalteil irgendwie auszugliedern? Ich glaube, die Abonnentenzahlen würden nach oben schnellen.“

Hannah Suppa zeigte sich skeptisch: „Ich finde, die MAZ hat eine Tradition über das Lokale hinaus. Da tue ich mich schwer, das wegzuwerfen. Es gibt ja auch viele Leute, die sich für regionale und nationale Themen interessieren.“ Ob das in zehn Jahren oder so auch noch so sei, müsse man natürlich abwarten.

Kompromisse unvermeidbar

Für Konstantin Normann aus Kyritz enthält der Lokalteil zu viele Geschichten aus abgelegenen Gegenden wie Rheinsberg oder der Westprignitz. Im direkten Kyritzer Umfeld passiere doch auch genug, um die Seiten zu füllen. Hannah Suppa bezweifelte, dass sich das realisieren lässt: „Da bräuchten wir so viel Personal – das können wir nicht finanzieren.“ Außerdem widersprach auch Dieter Groß: „Rheinsberg und so was gehört ja zum Landkreis.“ Er finde Informationen über das Geschehen dort durchaus wichtig.

Und für interessante Themen empfahl MAZ-Reporter Matthias Anke: „Wenn jemand etwas vermisst in der Zeitung, freuen wir uns über jede Anregung. Einfach mal anrufen! Auch wir bekommen ja nicht alles von alleine mit.“

Von Alexander Beckmann