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Kyritz Beherzte Verkäuferin schlug Räuber in die Flucht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Beherzte Verkäuferin schlug Räuber in die Flucht
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16:53 07.01.2020
Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich derzeit ein 25-Jähriger aus Kyritz wegen versuchten Raubes verantworten. Quelle: dpa
Neuruppin

Es gibt Tage, an denen man am besten im Bett geblieben wäre. So ein Tag war für zwei Mitarbeiterinnen eines Edeka-Marktes in Kyritz der 4. November 2016.

Kurz nach Ladenöffnung kam ein Räuber

Sie räumten kurz nach Ladenöffnung Ware ein. Das erste Ärgernis. „Die Ware stimmte nicht und dann kam der noch“, sagte eine 62-jährige Verkäuferin. Der – das war ein maskierter, mit einer Softairwaffe bewaffneter Mann, der Geld wollte.

Er verließ das Geschäft ohne einen Cent. Nun muss sich der 25-Jährige wegen versuchten schweren Raubes vor dem Landgericht Neuruppin verantworten.

Er schwieg zu den Vorwürfen. Die beiden Angestellten des Geschäfts dagegen hatten noch gute Erinnerungen an jenen Morgen.

Die damalige Verkäuferin B. stand am Brotregal, als sie die Tür hörte und zur Kasse ging. Wie sie berichtete, wollte sie sich setzen, als sie sah, dass ein maskierter Mann eine Waffe auf sie richtete.

Sie habe zunächst an einen Scherz gedacht. Erst im Nachhinein sei ihr bewusst geworden, was hätte passieren können. Er habe etwas zu ihr gesagt. Was, habe sie nicht verstehen können. Dann sei auch schon ihre Kollegin dazu gekommen.

Verkäuferin schlug Täter in die Flucht

„Ich war auf 100. Ich wollte nur, dass er verschwindet und wir weiter arbeiten können“, sagte die 62-Jährige. Noch jetzt kann sie sich aufregen. „Ich war nur einfach sauer. Wir rennen uns die Socken ab und dann kommt der dazwischen.“

Ihren Frust hat sie ihn spüren lassen. Sie registrierte zwar, dass der Räuber etwas in der Hand hielt, was konnte sie nicht erkennen. Wäre ihr aber wohl auch egal gewesen, konnte man ihre Reaktion deuten.

Sie habe ihn gefragt, ob er „nicht ganz dicht sei. Was er meint, was morgens in der Kasse sei“. Noch heute könne sie sich ärgern, wie jemand so blöd sein kann. Dann habe sie ihn aufgefordert zu verschwinden: „Hau jetzt endlich ab.“ Das tat der Täter – ohne Beute.

Die Polizei hielt ihn zwar kurze Zeit später auf der Straße an, schöpfte aber keinen Verdacht. Wie ein Beamter sagte, „pfiffen es wohl in Kyritz die Spatzen vom Dach“, dass es der jetzt Angeklagte gewesen sein soll. Er soll sich wohl auch mit dem Raub gebrüstet haben.

Vor der Polizei ein Geständnis abgelegt

Am 24. Oktober 2018 wurde er von der Polizei vernommen. Wie sich der eine Beamte erinnerte, war der 25-Jährige zunächst reserviert, legte dann aber ein Geständnis ab.

Demnach hatte er die ganze Nacht mit Freunden zusammen Drogen konsumiert. Auf dem Nachhauseweg überlegte er sich, wie er zu Geld kommen könnte.

So entstand die Idee, den Markt zu überfallen. Zu Hause staffierte er sich entsprechend aus. Die Waffe, so der Beamte, hatte er wohl schon länger. Er habe damit in seinem Zimmer auf Poster geschossen, habe er ihm gesagt.

Nach der Tat sei er geflohen, habe sich Zu Hause umgezogen und die Waffe in einem Container entsorgt.  

Gutachterin plädierte auf schuldunfähig

Aus Sicht der psychiatrischen Gutachterin ist der 25-Jährige für diese Tat nicht verantwortlich. Sie hält ihn für schuldunfähig. Zum einen diagnostizierte sie eine paranoide Schizophrenie. Vieles spreche dafür, dass die Krankheit schon früh auftrat, sagte sie.

Zum anderen sei der 25-Jährige drogenabhängig. Seit seinem zwölften Lebensjahr kifft er, später kam Speed dazu –und das täglich. „Er war nicht zu reflektiertem Nachdenken über Recht oder Unrecht oder dementsprechend zu handeln in der Lage.“

Eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus hielt sie dagegen nicht für angezeigt, ebenso wenig wie eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Der Angeklagte lebt seit März 2018 in einer Therapieeinrichtung. Er ist krankheitseinsichtig und behandlungsmotiviert, so die Gutachterin. Dort hat er eine feste Tagesstruktur – und keine Drogen.

Am Donnerstag wird die Entscheidung des Gerichts erwartet.

Von Dagmar Simons

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