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Kyritz Vom Heimkind zum Schriftsteller
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00:21 23.09.2018
Reinhard O. Hahn brachte zum Klassentreffen auch die neueste Ausgabe seines berühmtesten Werkes „Das letzte erste Glas“ mit. Quelle: Matthias Anke
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Kyritz

Klassentreffen richten sich meistens nach dem Rhythmus von Jahrzehnten. Die aber 1964 in Kyritz die damalige Wilhelm-Pieck-Schule verließen, schaffen es, sich alle zwei Jahre in der Region wiederzusehen. Bis zu zwei Dutzend Leute kommen dann immer zusammen, wie auch kürzlich in Bantikow.

Beim jüngsten Klassentreffen sahen sich die früheren Kyritzer Schüler in Bantikow wieder. Christel Redepenning (2.v.r.) hatte alles organisiert. Quelle: Matthias Anke

Neben Kaffeerunde und Kremserfahrt dürfte sich der eine oder andere mal wieder darauf gefreut haben, was Reinhard O. Hahn zum Besten gibt. Der hat es beruflich schließlich zum Autor und Verleger geschafft und bringt hin und wieder zu Papier gebrachtes zu Gehör. Auch die Region spielt oft eine Rolle, Wusterhausen und Gottberg etwa und das Ruppiner Land überhaupt. Und so auch in seinem Roman „Was soll mir eure Schuld“.

Trilogie entsteht auch in Anlehnung an seine Familiengeschichte

Es ist Band eins einer Trilogie, an der Hahn schreibt und für die er sich von der eigenen Familiengeschichte anregen ließ. Dieser Band setzt an im 17. Jahrhundert und reicht bis zum frühen Faschismus in Deutschland, die Zeit des Ersten Weltkriegs und die 1920er Jahre. „Viele dachten damals, es kommt eine tolle Zeit auf Deutschland zu. Wie es kam und endete, das wissen wir heute alle“, erklärt der Autor.

Der 71-Jährige, der nach der Schule in die Region Halle zog, legt nach dem vor kurzem erschienenen ersten Band bei der nächsten Buchmesse im Oktober in Frankfurt auch einen Ausblick auf Teil 2 vor: „Zukunft war unser Land.“ Fertig sein soll dieser 2019 dann zur Leipziger Buchmesse. Es geht um die Nachkriegszeit bis 1989. Anschließen wird sich der schon als Fragment vorhandene dritte Teil, der bis in die Gegenwart reicht.

Hahn veröffentliche 1986 DDR-Bestseller zum Thema Alkoholismus

Auch Buchtitel anderer hat Hahn stets dabei, ist er doch als Verleger tätig. „Die Malerfreunde – Leben mit Bildern“ von Gerhard und Christa Wolf („Der geteilte Himmel“) etwa. Schon zu DDR-Zeiten hatte er sie gekannt, war er selbst doch kein Unbekannter: 1986 gelang ihm bereits mit seinem ersten Roman „Das letzte erste Glas“ ein Bestseller. „Das galt erst nur als ein Bericht, durfte nicht Roman heißen, und meine Urfassung war zudem auch noch mit einem ganz anderen Ende versehen“, verrät Hahn aus dieser Zeit, in der das Thema Alkoholismus, um das es geht, derart aufbereitet noch ein krasses Tabu war.

Nach Bantikow brachte Hahn die nun 14. Auflage mit. Es handele sich um die authentische Version ohne alle Abstriche, die ihm damals gemacht wurden.

Bei Fluchtversuch erwischt und ins Kyritzer Kinderheim gesteckt

„Tja, ein Kinderheimkind muss nicht zwangsläufig und für immer auf die schiefe Bahn geraten“, sagt Hahn stolz. Er selbst war schließlich einst nach Kyritz und so zur Pieck-Schule gekommen, als man ihn dort ins Kinderheim steckte.

Hahn hatte die DDR im Juni 1953 als Kind mit seinen Eltern verlassen. Nach deren Scheidung kehrte er 1959 mit zwei Geschwistern und dem Vater in das Land zurück. Doch jener starb 1960. Und die Rückkehr zur Mutter bleib Hahn mit der Schließung der Grenze 1961 verwehrt. Der 15-Jährige wurde dann bei einem Republikfluchtversuch geschnappt.

Nach der Zeit in Kyritz zog es Hahn zu den Leuna-Werken. Dem Aufstieg zum Schichtführer und FDJ-Funktionär und allerhand weiterer Posten folgte irgendwann ein Bruch samt SED-Parteiausschluss. Zwei Ehen und zwei Scheidungen später war er nur noch Alkoholiker. Dann habe erst die Literatur ihm wieder Halt im Leben gegeben. Den Kampf mit sich selbst gewann Hahn am 14. Januar 1982. Seither lebt er abstinent. Und bis heute blieb er voller Tatendrang. Welche Ideen er als nächste noch so umsetzt, erfahren die Mitschüler von einst beim nächsten Klassentreffen.

Von Matthias Anke

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