Selbsthilfegruppe Diabetes Kyritz aufgelöst
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Kyritz Selbsthilfegruppe Diabetes Kyritz: Ende eines jahrzehntelangen Engagements
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz

Selbsthilfegruppe Diabetes Kyritz aufgelöst

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16:59 17.11.2020
Die Gruppe in Kyritz bei einer Runde, in der es um Bewegungsübungen ging. Hier noch in den früheren Räumen der Volkssolidarität in der Schulze-Kersten-Straße. Quelle: privat
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Kyritz

Diese Gruppe war eine regelrechte Institution für viele Menschen aus dem Kyritzer Altkreis – war. Denn die Selbsthilfegruppe Diabetes, in der sich die Leute seit mehreren Jahrzehnten Fachvorträgen rund um die Gesundheit widmeten und dabei auch allerhand Geselligkeit erlebten, löste sich auf.

Wie erst jetzt bekannt wird – und was wohl teils auch durch die Corona-Krise bedingt war – sahen sich die Mitglieder zuletzt vor gut einem Jahr. Die entsprechende Meldung dazu, wie sie so ähnlich allmonatlich stets in der MAZ erschien, lautete damals: „Zu ihrem Novembertreffen versammelt sich die Kyritzer Selbsthilfegruppe Diabetes am Mittwoch, 20. November, um 14 Uhr im Stadtsaal des Kyritzer Mehrgenerationenhauses in der Perleberger Straße 10. Als Expertin zu Gast ist Diabetes-Beraterin Marietta Bäßler. Wie immer ist jeder zu der Veranstaltung willkommen.“

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Für die Diabetes-Gruppe war kein Organisator mehr in Sicht

Merita Friese war es, die den Draht zur Zeitung hielt und immer auch zu den Experten für die Vorträge. Etwa zu Diplom-Psychologin Annette Stoschek vom Gesundheitsamt des Landkreises Ostprignitz-Ruppin. Sie war die vorletzte Referentin.

Zuletzt leitete Merita Friese die Gruppe. Quelle: Matthias Anke

„Ja, das ist eine traurige Sache“, bestätigt Merita Friese das Ende dieser Gruppe: „Ich hatte ja keinen Nachfolger.“ Zuletzt sei regelmäßig über die Zukunft der Gruppe geredet worden. Sie versuchten es in den Familien der Mitglieder, bei Krankenschwestern und im Krankenhaus.

„Keiner erklärte sich dazu bereit, die Organisation fortzuführen, da haben wir das einfach aufgegeben“, erzählt die 76-Jährige: „Die meisten haben ja dennoch weiterhin ihre Ansprechpartner bei ihren Ärzten oder die Diabetesberater.“

Immer schwieriger Suche nach Referenten

Gut 50 Leute trafen sich zu den besten Zeiten dieser Selbsthilfegruppe. „Später waren wir maximal 20, dann mal 15, am Ende nur zehn“, erinnert sich Merita Friese. Zudem sei es immer schwieriger geworden, Referenten zu finden. „Ärzte haben immer weniger Zeit“, erfuhr sie.

Die SHG Diabetes in Kyritz traf sich unter anderem zu Sommerfesten und Geburtstagsfeiern, zum Weihnachtsessen und unternahm jede Menge Ausflüge. Quelle: Privat

Die SHG Diabetes in Kyritz traf sich unter anderem zu Sommerfesten und Geburtstagsfeiern, zum Weihnachtsessen und unternahm jede Menge Ausflüge. Quelle: Privat

2007 hatte Merita Friese, die bis zur Bildung des Regionalverbands die Geschäftsführerin der Volkssolidarität im Altkreis Kyritz war, die dem Verband angegliederte Gruppe übernommen – ohne selbst an Diabetes erkrankt zu sein. Ihr langjähriger Vorgänger war seinerzeit Karl-Heinz Czeninga. Aber auch die Wusterhausener Horst Schnick, heute 86 Jahre alt, und der 81-jährige Manfred Teske brachten sich intensiv ein.

Ohne Corona womöglich eine Abschlussveranstaltung

„Es war quasi mündlich klar, dass wir uns auflösen. Offiziell aber hat das nicht stattgefunden, weil dann Corona kam“, erklärt Manfred Teske: „Wir wollten ja sonst noch eine Abschlussveranstaltung machen.“

Zudem hatte Teske Hoffnung in einem teilweisen Fortbestand, denn es gab parallel zur Selbsthilfegruppe eine neue „Zuckersportgruppe“. Teske: „Fünf oder sechs Leute von uns hätten sich wenigstens dort noch gesehen. Wir trafen uns sogar wöchentlich in den Räumen des früheren Arbeitsamtes in Kyritz.“

Corona-Situation auch das Ende der erst neuen Sportgruppe?

Die Sportgruppenleiterin sei schon „drauf und dran“ gewesen, auch die Selbsthilfegruppe mit zu betreuen. Doch dann endete mit der Corona-Situation dieser „Zuckersport“ – bis heute.

Für Merita Friese indes, die im November vor jetzt genau zehn Jahren mit der Goldenen Solidaritätsnadel des Bundesvorstandes der Volkssolidarität ausgezeichnet worden war, gebe es nun kein Zurück mehr. Ihre Kräfte seien dahingehend aufgebraucht. „Ich habe trotzdem noch genug zu tun“, sagt sie mit Blick auf ihr „Häuselchen und den Garten und zwei Katzen“, die sie umsorgt.

Von Matthias Anke