Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kyritz Über die verschwundene Freilichtbühne
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Über die verschwundene Freilichtbühne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:41 28.04.2018
Nach den Plänen von Torsten Künzel, heute 80 Jahre alt, entstand 1963/64 die Freilichtbühne.
Nach den Plänen von Torsten Künzel, heute 80 Jahre alt, entstand 1963/64 die Freilichtbühne. Quelle: Matthias Anke
Anzeige
Kyritz

Direkt nach meinem Ingenieurstudium als Bauingenieur kam ich in Anfang der 1960er Jahre nach Kyritz. Ich arbeitete im VEB (K) Bau Kyritz, der im Volksmund nur Bauhof genannt wurde und sich zu dieser Zeit an der Pritzwalker Straße auf dem heutigen Gelände des Azurit-Seniorenheims befand.

Im Dezember 1961 sprach mich der damalige Bürgermeister von Kyritz, Udo Berger, an und bat mich, für die Stadt Kyritz eine Freilichtbühne zu projektieren. Der Standort der neuen Freilichtbühne sollte im Rosengarten an der Rünger-Promenade sein.

Da die Stadt für die Projektierung und den Bau kaum finanzielle Mittel hatte, sollte ich diese Planungsleistungen unentgeltlich und ehrenamtlich übernehmen. Als junger Mensch wollte ich damals meine fachliche Kompetenz beweisen und übernahm diese Aufgabe ohne die geringste Vergütung. Kyritz verfügte zu dieser Zeit zwar noch über ein Kino aber eine größere Bühne oder Spielstätte für kulturelle Veranstaltungen gab es nicht.

Für mich war diese Aufgabe eine ingenieurtechnische Herausforderung. Viel Literatur über Bühnen, Theatersitzanordnungen, Bühnentechnik und Freilichtbühnen habe ich damals studiert, bevor ich mit der eigentlichen Planung beginnen konnte.

Im Ergebnis sind dann umfangreiche Planungsunterlagen mit den heute noch vorhandenen, aber schon etwas vergilbten Originalzeichnungen entstanden.

In Ermangelung finanzieller ­Mittel konnte die Stadt Kyritz nur das erforderliche Material finanzieren. Alle Bauleistungen wurden von Bürgern der Stadt Kyritz mit großer Unterstützung des VEB (K) Bau ­Kyritz und anderer Betriebe der Stadt unentgeltlich übernommen. Die Bauzeit zog sich daher über den Zeitraum von mehr als zwei Jahren hin.

Zum Tag der Republik im Oktober 1964 wurde dann endlich die Freilichtbühne mit einem großen Kulturprogramm eröffnet. Der Bürgermeister Udo Berger zeichnete bei dieser Gelegenheit eine Anzahl ehrenamtlicher Kyritzer Aufbauhelfer aus. Ich bekam damals für meine umfangreichen Planungs- und Bauüberwachungsleistungen die Aufbaunadel des Nationalen Aufbauwerks in Gold.

Die Kyritzer nahmen die Freilichtbühne Ende des Jahres 1964 begeistert an. Endlich hatte Kyritz eine Bühne für Kulturveranstaltungen. Die Bühne wurde auch öfters für Freilichtkinoveranstaltungen genutzt.

Erst mit der Eröffnung des neuen Kreiskulturhauses Kyritz im Oktober 1968 verlor die Freilichtbühne so nach und nach an Bedeutung. Das Kulturhaus hatte den Vorteil der Unabhängigkeit vom Wetter, und eine Ganzjahresnutzung war möglich.

So verschwanden mit der Umgestaltung des Rosengartens Anfang 1990 dann auch die Reste der bis dahin schon lange nicht mehr genutzten Freilichtbühne wieder. Interessierte haben heute alle Mühe, ihren alten Standort überhaupt noch zu finden.

Von Torsten Künzel

27.04.2018
Kyritz Fahrgastschifffahrt - Seentour vorerst ohne Waldkanal
27.04.2018