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Kyritz Im Kyritzer Versteck die Nazizeit überlebt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Im Kyritzer Versteck die Nazizeit überlebt
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01:15 09.05.2019
Dieses Grab auf dem Jüdischen Friedhof von Zernitz erinnert an Theodor und Alice Steigerwald. Quelle: Matthias Anke
Kyritz

Tafeln, Stelen, Stolpersteine. Auf vielfältige Weise wird auch in Kyritz an Geschichte erinnert. Aktuell ist die Stele für die Ende des Zweiten Weltkriegs im Kyritzer Heim gestrandeten elternlosen „Wolfskinder“ in Arbeit. „Eine sehr gute Sache“, wie Stadthistoriker Herbert Brandt findet.

Doch dieses Projekt brachte ihn auf die Idee für eine Gedenkplatte an noch einem ganz anderen Ort in Kyritz, und zwar an einem Haus in der Johann-Sebastian-Bach-Straße: Der Kaufmann Paul Dräger und dessen Frau versteckten dort wohl bereits seit 1942 den jüdischen Rechtsanwalt Theodor Steigerwald und seine Frau Alice.

Auch ein Arzt und ein Pfarrer halfen mit

„Unter akuter Lebensgefahr“, erklärt Herbert Brandt, „haben noch zwei weitere mutige Kyritzer dieses aus Hamburg stammende Paar vor der Verfolgung durch die Kyritzer Nazis bewahrt.“ So sollen auch Arzt Andreas Merten und der Pfarrer Friedrich Schlicht davon gewusst haben.

„Das Ehepaar Dräger hat die jüdischen Bürger mit Lebensmittel und Kleidung versorgt, Pfarrer Schlicht gab seelischen Beistand und Doktor Mertens übernahm die ärztliche Versorgung“, so Brandt: „Nach dem Einmarsch der Roten Armee am 2. Mai 1945 brauchten sie alle keine Angst mehr zu haben.“

Steigerwald wurde Polizeichef der Ostprignitz

Brandts Wissen stamme aus der Überlieferung. Eine Quelle aber sind die Tagebücher des Schulrats Richard Wegener. Darin beschreibt er, wie Rechtsanwalt Steigerwald von den Russen zum neuen Polizeipräsidenten von Kyritz und der Ostprignitz ernannt wurde: per Lautsprecherdurchsage am 9. Mai 1945 um 3 Uhr morgens.

Steigerwalds Gesundheit habe ihn bald dazu gezwungen, den Posten aufzugeben. Das Paar zog nach Zernitz, wo es einen Jüdischen Friedhof gab – bis dato wohl kaum mehr als ein noch sehr junges Massengrab. Denn Dutzende Juden waren zu Kriegsende ganz in der Nähe bei einem Fliegerangriff auf Bahnwaggons um Leben gekommen. Und auf dieser Grabanlage fanden Steigerwalds ihre letzte Ruhe.

Auf einer besonderen Anlage bestattet

In einer Publikation der Landeszentrale für politische Bildung „Der Umgang mit Denkmälern“ widmet sich die Autorin kurz diesem Zernitzer Friedhof als Besonderheit.

„Es gibt im Land Brandenburg auch jüdische Friedhöfe an Orten, die nie eine jüdische Gemeinde hatten“, schreibt sie mit Blick auf die 48 Bestatteten: „Vielleicht war unter denen, die diesen Friedhof einweihten, der jüdische Rechtsanwalt Theodor Steigerwald, der nach Kriegsende Polizeichef in der Ostprignitz war. Er kam aus Hamburg, hatte seit 1942 mit seiner nichtjüdischen Frau in der Nähe von Kyritz versteckt bei einem Getreidehändler überlebt. Als Theodor Steigerwald 1947 starb, erst 49 Jahre alt, wollte er in Zernitz neben dem Grab der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus begraben werden.“ Seine Frau Alice lebte noch bis 1982.

Zeitzeugensuche bisher erfolglos

Brandt: „Das mit dem Getreidehändler ist mir neu.“ Hatte Steigerwald weitere Verstecke als nur in der Bachstraße? Gab es weitere versteckte Juden? Welche Hinterbliebenen von damals gibt es noch und was könnten sie erzählen?

Vor über einem Jahrzehnt versuchte der geschichtsinteressierte Hartmut Hanke schon vergebens, Zeitzeugen zu finden. Und er hatte schon damals vorgeschlagen, dieser Geschichte mittels eines „Merkzeichens“ zu gedenken. Seinerzeit gab es dazu ein EU-Förderprojekt.

Tafel solle im Mai 2020 enthüllt werden

„Zu DDR-Zeiten ließ sich ja leider über so vieles nicht sprechen. Obgleich es sich um Juden handelte, auch darüber nicht“, sagt Herbert Brandt: „Im Mai 2020 jährt sich zum 75. Mal das Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Dann sollte auch in Kyritz diesen mutigen Bürgern gedankt und an sie erinnert werden.“

Von Matthias Anke

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