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Kyritz Wildschweine sitzen unter der Straße fest
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Wildschweine sitzen unter der Straße fest
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16:41 22.10.2018
Aus dem Durchlass unter der Kreisstraße und den angrenzenden Schächten können sich die Wildschweine nicht befreien.
Aus dem Durchlass unter der Kreisstraße und den angrenzenden Schächten können sich die Wildschweine nicht befreien. Quelle: Fotos: Beckmann
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Kötzlin

Unter der Kreisstraße zwischen Kötzlin und Breddin leben Wildschweine – offenbar notgedrungen und mehr schlecht als recht. Die Tiere sind in einem Durchlass unter der Fahrbahn gefangen.

Wie sie dort hinein gelangten, ist nicht ganz klar. Von alleine wieder heraus können sie auf keinen Fall. Das Rohr endet beiderseits der Fahrbahn in rund zwei Meter tiefen Schächten, die mit Brunnenringen befestigt sind. Einer der Schächte liegt offen nur wenige Meter neben dem Radweg. Ein Abdeckung fehlt. Vielleicht wurde das den Schweinen zum Verhängnis.

Radfahrerin wurde aufmerksam

Renate Borck aus Breddin bereitet die Situation schon seit langem Sorgen. Die Rentnerin ist regelmäßig mit dem Fahrrad auf der Strecke unterwegs. Den Schacht neben dem Weg kennt sie seit Jahrzehnten. Dass er keine Abdeckung hat, hält sie für eine Gefahr: „Hier könnten ja auch mal Kinder reinfallen.“

Dass das Bauwerk ab und an Tieren zur tödlichen Falle wird, steht für die Breddinerin außer Frage. „Da sind bestimmt schon viele verendet.“

Renate Borck aus Breddin sorgt sich um die in einem Straßendurchlass bei Kötzlin gefangenen Wildschweine und bringt Futter. Quelle: Alexander Beckmann

Vor einigen Wochen sei sie auf die Schweine in der Tiefe aufmerksam geworden. Mindestens drei Tiere, meint Renate Borck, ausgemacht zu haben. Sie informierte einen Jäger aus der Region und auch eine Tierärztin und bringt seitdem faktisch täglich Brot und Gemüsereste vorbei. Sie ist überzeugt, dass die Tiere sonst längst elend verhungert wären.

Vom Futter hervorgelockt

Bei der gestrigen Fütterung zeigte sich auch wirklich das jüngste der Schweine nach einer Weile vorsichtig im Brunnenschacht. Bei Annäherung ergriff es allerdings umgehend die Flucht und verschwand wieder im Betonrohr unter der Straße, wo wohl auch seine Mitgefangenen ausharren.

Die Tiere dort einfach ihrem Schicksal zu überlassen, kommt für Renate Borck nicht in Frage, und es würde wohl auch jedem Tierschutzgedanken widersprechen. „Ich kann manchmal schon gar nicht mehr schlafen nachts“, sagt die Breddinerin, die einfach nicht mehr weiter weiß und sich deshalb an die MAZ wandte.

Andreas Sidow von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises setzte auf MAZ-Nachfrage gestern einen Jagdpächter aus der Region über die Situation in Kenntnis: Er solle die Lage überprüfen.

Geringe Überlebenschancen

Die Schweine lebend aus der Falle zu befreien, wie es sich Renate Borck wünscht, dürfte aber ausgesprochen schwierig werden. Die Tiere sind in dem Durchlass von außen unerreichbar. Einfach in das Rohr klettern wird wohl auch niemand. Selbst der Jäger dürfte Schwierigkeiten haben, dem Leiden ein Ende zu setzen.

Was den offenen Schacht und die von ihm ausgehende Gefahr angeht, meint die Leiterin des Kyritzer Ordnungsamtes, Veronika Lausch: „Da müsste auf jeden Fall der Eigentümer informiert werden, damit das gesichert wird.“

Von Alexander Beckmann