Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kyritz Wolf schlägt nun auch bei Schönberg zu
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Wolf schlägt nun auch bei Schönberg zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:22 11.05.2018
Seitens der „Ökohöfe“ wird in Schönberg bisher auf Freilandhaltung gesetzt. Quelle: Matthias Anke
Schönberg

Vier Nächte, vier tote Tiere. In Schönberg hat ein Wolf binnen weniger Tage ein Kalb, dann eine Kuh und dann noch ein Kalb und vor zwei Tagen wieder eine Kuh angegriffen und teils gefressen. Es ist der zweite Fall größeren Ausmaßes im Raum Kyritz. Im März 2017 traf es zwei Kälber und zehn Schafe in Sophiendorf bei Breddin – auf der anderen Seite des Altkreises.

Wolf wurde an einem Tattag von einer Wildkamera fotografiert

„Ich war mir erst gar nicht so sicher, ob es ein Wolf war, doch mit jedem weiteren Fall wurde das klarer“, berichtet Heiko Hübner, der Geschäftsführer der betroffenen „Ökohöfe Schönberg“. Der Ökolandwirt hält seine Tiere ständig draußen statt im Stall, selbst im Winter.

Doch nicht nur die übergroßen Wunden deuteten auf Isegrim hin. In der Nacht zum 28. April riss ein Wolf das nächste Tier und tappte mehrfach in die Fotofalle. „Die Wildkamera hängt keine 200 Meter entfernt“, erklärt Hübner, der zugleich Jäger ist und von der Anwesenheit der Wölfe längst weiß.

In die Fotofalle tappte der Wolf mehrfach in der Nacht zum 28. April. Quelle: Matthias Anke
Bisher hat der Wolf zwei Kälber und zwei Kühe der Ökohöfe Schönberg gerissen Quelle: Privat

Bereits Anfang 2017 sorgten die Tiere, die wohl von der nahen Kyritz-Ruppiner Heide über die Autobahn in die Gegend kamen und sesshaft wurden, für Aufsehen: Sie wurden nicht nur tatsächlich oft gesehen nahe dem unweit von Schönberg entfernten Lellichow etwa, sondern vor ihnen wurde von entlang der L 14 an Waldwegen mit Schildern unbekannter Herkunft gewarnt.

Geschäftsführer hoffte auf einen Ausnahmefall

„Dass sich das so entwickelt, so ausartet, hielt ich nicht für möglich“, sagt Heiko Hübner. So habe er die ersten Verluste hingenommen in der Hoffnung, dass es Ausnahmen bleiben. Ein Fehler, wie er jetzt weiß.

Bisher hat der Wolf zwei Kälber und zwei Kühe der Ökohöfe Schönberg gerissen Quelle: Matthias Anke

Um den Schaden reguliert zu bekommen, hätte er binnen 24 Stunden die „Risshotline“ des Landesumweltamtes anrufen müssen. Ein Wolfsbeauftragter wäre zu ihm gekommen. Die Kadaver wären dann nicht nur auf wolfstypische Bisswunden untersucht worden, sondern auch nach DNA-Spuren vom Wolf. Beim Fall von vor zwei Tagen rief Hübner die Experten zwar, doch dann endete die tote Kuh irrtümlich zu früh in der Beseitigungsanlage.

Neben der Frage nach Entschädigungen bei weiteren Fällen stellt sich ihm auch die nach einer Förderung für einen Wolfsschutzzaun. „Nur, wie viele Kilometer Zaun soll ich denn bauen?“ Eine Lösung sieht er darin deshalb nicht. Vielmehr müsse er dann daran denken, diesen Betriebszweig aufzugeben.

Wolfsverordnung entspricht laut Jägern nicht der Realität

Befreundete Jäger indes sehen in dem Tier, dass sich an die leichte Beute nun gewöhnt haben dürfte, einen „Problemwolf“. Den einfach zu erschießen, wird von der jüngsten Brandenburger Wolfsverordnung her jedoch nicht möglich sein.

„Man kann eben nichts dagegen tun. Wir müssen uns ja an die Gesetzte halten“, sagt Jürgen Rinno, der Vorsitzende des Ostprignitz-Ruppiner Kreisjagdverbandes. Rinno hat sein eigenes Revier nur unweit entfernt und hörte nun erstaunt von den Vorfällen.

„Ich halte die Wolfsverordnung für keine geschickte Lösung, sie entspricht nicht den Realitäten“, sagt er und verweist auf die Stellungnahmen des Landesjagdverbandes zum Thema Wolf. Darin heißt es zuletzt unter anderem: „Der Süden ist komplett von Wölfen besiedelt, und über die Kyritz-Ruppiner Heide breitet sich Canis lupus weiter unbegrenzt aus.“ Weil die damit verbundenen Probleme „unbeherrschbar“ würden, heißt es weiterhin: „Der Wolfsbestand muss reguliert werden. Dies kann nur über die ordnungsgemäße Jagd erfolgen, also die Senkung des Schutzstatus, Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht und Festlegung einer Jagdzeit. Ziel muss es sein, dass die Wölfe wieder eine natürliche Scheu gegenüber dem Menschen und seinen Einrichtungen entwickeln, die dann an die nächste Generation weitergegeben wird. Eine relativ schnell umsetzbare Alternative wären Schutzjagden nach dem skandinavischen Beispiel. Das würde die Tierhalter kurzfristig entlasten“.

Bleibt alles, wie es ist, sei für Rinno mit Blick auf Zwischenfälle klar: „Es wird mehr werden.“ Und auch aus Havelberg im Nachbarlandkreis Stendal, wo schon mehr als 100 Wölfe leben, erreichte die MAZ erst am Dienstag wieder eine weitere Meldung über ein getötetes Kalb.

Von Matthias Anke

Auch 2018 blieb in Kyritz der 10. Mai 1933 unvergessen: Gut 30 Menschen fanden sich am Dienstagnachmittag auf dem Marktplatz ein, um an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten zu erinnern.

11.05.2018

Einst flogen die gelben Düngerstreuer zu Dutzenden über den Himmel der DDR. Längst haben sie ausgedient, doch ihre Geschichte kann man im Museum auf dem Flugplatz von Heinrichsfelde hautnah erfahren.

11.05.2018

35 neue Fohlen werden in diesem Jahr im Neustädter Haupt- und Landgestüt erwartet. Die ersten 27 stellen sich am kommenden Sonnabend beim „Fohlenfrühling“, einem Fest für die ganze Familie, dem Publikum vor.

08.05.2018