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Ostprignitz-Ruppin Moore schützen – und dabei Geld verdienen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Moore schützen – und dabei Geld verdienen
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12:17 01.11.2019
Dieser Motormäher ist perfekt für den Einsatz im Moor geeignet: Seine Stachelwalzenreifen üben kaum Druck auf den weichen Boden aus. Quelle: Feliks Todtmann
Linum

Moore bedecken nur rund drei Prozent der Landfläche der Erde, doch sie haben eine immense Bedeutung für das Weltklima: Die Feuchtgebiete speichern gut ein Drittel des erdgebundenen Kohlenstoffs – doppelt so viel, wie alle Wälder des Planeten zusammen. Allerdings nur, solange sie von Wasser bedeckt sind. Fallen sie trocken, verbindet sich der Kohlenstoff im Moor mit dem Sauerstoff in der Luft zum Treibhausgas Kohlendioxid.

„Der Erhalt der Moore ist elementar für uns alle“ sagt Bas Spanjers vor rund 130 Landwirten, Wissenschaftlern und Naturschützern im Gemeindehaus Linum. Spanjers arbeitet beim Landesamt für Umwelt (LfU) und hat die Konferenz „Brandenburgs Moore klimafreundlich bewirtschaften“, die am Mittwoch in Linum stattfand, mitorganisiert.

Moorschutz im Koalitionsvertrag vereinbart

Brandenburgs Moore sind in den vergangenen 100 Jahren durch menschliche Eingriffe fast um die Hälfte geschrumpft. Den verbliebenen 160.000 Hektar setzt das immer trockenere Klima stark zu – auch ein Probleme für die Landwirtschaft: Viele Moorflächen werden zur Weidehaltung oder für den Anbau von Futtermitteln genutzt.

Die neue Landesregierung hat den Handlungsbedarf erkannt: Sie strebe „moorschonende und moorerhaltende Wasserstände an“, heißt es im Koalitionsvertrag von SPD, CDU und Grünen. Zudem werde die Koalition „die Entwicklung und den Einsatz standortangepasster Grünlandtechnik als auch Verwertungsketten von Biomasse aus nassem Moor“ fördern.

Einweggeschirr aus Rohrkolben

Bas Spanjers ist überzeugt: „Landwirtschaft und Moorschutz sind kein Widerspruch.“ Das Zauberwort heißt Paludikultur. Der vom lateinischen Begriff palus – Morast oder Sumpf – abgeleitete Begriff bezeichnet die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren, ohne sie dabei auszutrocknen. Auf der Tagung in Linum wird gezeigt, wie nachhaltige Moorbewirtschaftung aussehen kann, wie Fördermittel beantragt werden und wie damit Geld verdient werden kann.

Rohrkolben wächst auf Moorflächen und hat zudem viele praktische Verwendungen. Quelle: Feliks Todtmann

Zum Beispiel mit dem Anbau von Rohrkolben: In niederschlagsreichen Zeiten speichert er das Wasser und fungiert als natürliche Kläranlage, erkärt Aldert van Weeren von der Firma Wetland Products. Rohrkolben entziehen dem Wasser Stickstoff, Phosphate und Nitrate. Die Pflanze hat zudem viele praktische Verwendungen: Wetland Products stellt aus den geschredderten Rohrkolben Dämmstoffe, Trockenbauplatten und sogar Einweggeschirr her: „Eine win-win-Situation“, findet er.

Wasserbüffel als Alternative zum Rind

Das Problem: Der Anbau von Rohrkolben gilt in der EU nicht als Landwirtschaft, somit gibt es dafür auch keine Fördermittel. Vielmehr steht die Sumpfpflanze ab einer gewissen Anzahl unter Schutz – auch wenn sie angepflanzt wurde. „Sobald Sie zehn Quadratmeter Rohrkolben haben, gilt das rein rechtlich als Biotop“, sagt van Weeren. Eingriffe sind dann nicht mehr erlaubt.

Vielseitig einsetzbar: Neben Dämmstoffen lassen sich Trockenbauplatten oder plastikfreies Einweggeschirr aus dem Rohrkolben herstellen. Quelle: Feliks Todtmann

Helmut Querhammer betreibt eine Bio-Rinderzucht in der Döberitzer Heide. Seit neun Jahren züchtet sein Betrieb auch Wasserbüffel – vor allem zur Landschaftspflege: Die ursprünglich aus Asien stammenden Rinder eignen sich besonders gut für die Beweidung von Feuchtwiesen und Moorflächen. „Mit ihren großen Klauen versacken sie nicht im Moor, und ihnen macht es nichts aus, länger im Wasser zu stehen“, erklärt Querhammer. Fleischgewinnung steht bei ihm erst an zweiter Stelle.

Mancher Konferenz-Teilnehmer ist skeptisch

Den Abschluss der Konferenz in Linum bildet eine Vorführung moortauglicher Landmaschinen. Die leichten Gefährte fahren auf Ketten oder Stachelwalzen und verringern so den Druck auf den Untergrund. Mit ihnen können Landwirte auch in nasse Moorflächen fahren, ohne im weichen Boden stecken zu bleiben.

Die Bewirtschaftung von Moorflächen erfordert spezielle Maschinen: Dank seiner Stachelwalzen kommt dieser Mäher auch mit weichen Böden klar. Quelle: Feliks Todtmann

Am Ende des Tages überwiegt bei manch einem noch die Skepsis: Ein Landwirt aus dem Linumer Bruch freut sich, dass das Thema Aufmerksamkeit bekommt, kleine Einzelmaßnahmen würden seiner Meinung nach jedoch kaum Wirkung erzielen. „Das sind alles schöne Ideen, doch funktionieren die auch, wenn es nicht regnet?“, sagt er.

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Von Feliks Todtmann

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