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Ostprignitz-Ruppin Landtagskandidaten bekennen Farbe, Teil 3
Lokales Ostprignitz-Ruppin Landtagskandidaten bekennen Farbe, Teil 3
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18:51 23.08.2019
Für einen attraktiven Busverkehr müssen die Fahrzeuge auch regelmäßig gepflegt werden, wie hier Neuruppin. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Knapp 50.000 Wahlberechtigte entscheiden, wer am 1. September im Altkreis Neuruppin als Direktkandidat in den Potsdamer Landtag einziehen wird. Neun Kandidaten bewerben sich, so viele waren es noch nie in diesem Wahlkreis. Wir haben den Kandidaten fünf Fragen gestellt und gebeten, dass die Antworten nicht mehr als 750 Zeichen umfassen sollen. Die Antwort auf die dritte Frage – Sollte das Land die Kreise, Ämter, Städte und Gemeinden für einen attraktiven Busverkehr auf dem Land unterstützen? Und wenn ja, wie? – gibt es heute, in den nächsten Tagen folgen die Antworten auf Fragen, bei denen es um den Lehrermangel und die freiwilligen Feuerwehren geht.

Damit es keine Irritationen gibt, haben wir uns bei der Reihenfolge der Antworten an das Alphabet der Namen der Kandidaten gehalten.

Sven Deter, CDU: Die jahrelange Strategie der Regierung, die Kreisgebietsreform durchzusetzen, hat dazu geführt, dass Zurückhaltung in der Entwicklung des Nahverkehrs geduldet war, was dadurch erst noch zum Absinken der Bevölkerung in den ländlichen Regionen beigetragen hat. Solche gravierenden Fehleinschätzungen haben die Entwicklung Brandenburgs lange genug behindert. Darum muss eine andere, neue Landesregierung im Zusammenwirken mit den Landkreisen einen Anschub nicht nur fordern, sondern dann auch finanziell mit entwickeln. Das Ergebnis darf dann bei den Menschen keine Frage mehr aufwerfen, wo und wie ich in Brandenburg wohnen kann. Mitgenommen oder abgehängt?

Corvin Drößler, Die Partei:Klar. Der ÖPNV sollte kostenlos oder vorerst zumindest erschwinglicher sein – etwa durch ein 365-Euro-Jahresticket im kompletten VBB. Die Tickets sind viel zu teuer und die Busse fahren zu selten und unregelmäßig. Auch am Wochenende und abends sollten Busse in die Dörfer fahren. Da reichen Kleinbusse ja auch völlig aus. Es kann nicht sein, dass man aus dem Dorf nicht wegkommt. Vor allem, wenn alle wichtigen Institutionen in die Städte verlagert werden. Wenn mehr Leute die Busse nutzen, sind auch automatisch weniger Autos unterwegs, was sich auch ökologisch bemerkbar machen würde. Dadurch würden Busse auch pünktlicher, weil es weniger Staus gibt und die Attraktivität steigt weiter. Zusätzlich sollten auch alte Bahnstrecken reaktiviert werden.

Wolfgang Freese, Bündnisgrüne:Öffentlicher Nahverkehr darf nicht an Fahrgastzahlen ausgerichtet werden. Für uns Grüne gehört es zur Daseinsvorsorge. Der Busverkehr muss wieder Pflichtaufgabe des Landes werden. Die Regierung hat ihn über Jahre vernachlässigt. Wir wollen die Landesgelder für den ÖPNV deutlich erhöhen, um seine Attraktivität endlich auch auf dem Land zu verbessern. Anders als in Großstädten ist es zurzeit kaum möglich, bei uns völlig ohne Auto auszukommen. Das Beispiel der Plusbusse zeigt aber, wie attraktive Buslinien Anreize schaffen können, das Auto öfter stehen zu lassen. Neben dem Ausbau des Schienenverkehrs wollen wir Grünen ein Netz landesbedeutsamer Buslinien entwickeln. So hätten wir in OPR endlich wieder eine direkte Verbindung nach Potsdam.

Dirk Harder, Piratenpartei: Die Sicherstellung der Mobilität stellt die Politik insbesondere im ländlichen Raum vor große Herausforderungen. Ein gut funktionierender ÖPNV hilft aber auch der Abwanderung jüngerer, (noch) nicht motorisierter Menschen entgegen zu wirken und als Standortvorteil die Ansiedlung von Firmen zu fördern. Das Land sollte dies als Chance begreifen und den Städten und Gemeinden entsprechend helfen. Neben der finanziellen Unterstützung des klassischen ÖPNV und einem kostenfreien Schülerticket gilt es, Investitionen und Pilotprojekte zu fördern, die sich mit dem modernen Ausbau des ÖPNV beschäftigen, wie zum Beispiel autonom fahrende Busse und Rufbusse mit dynamischer, bedarfsgerechter Routenführung – etwa via Smartphone-App.

Gabriele Köhler, AfD: Der Busverkehr, wie der gesamte ÖPNV muss noch mehr nach den Bedürfnissen der Berufspendler und Touristen ausgerichtet werden und der Ausbau des ÖPNV Vorrang vor teuren technischen Spielsachen, wie autonomen Bussen im 100-Meter-Bereich, haben. Wo sich durchgehender Busverkehr nicht rechnet, sollte über die Einrichtung von Rufbussen nachgedacht werden oder auch einzelne Dienstleister zu den Anwohnern auf die Dörfer fahren.

Ronny Kretschmer, Linke: Der öffentliche Personennahverkehr muss eine kommunale Pflichtaufgabe und vom Land entsprechend ausfinanziert werden. Busse müssen unabhängig vom Schülerverkehr angeboten werden. Gemeinsam mit den Kommunen und Landkreisen muss der ÖPNV so ausgebaut werden, dass er eine umfassende, verlässliche, alltagstaugliche und bedarfsgerechte Alternative zum Auto darstellt und auch wieder gut in den kleineren Gemeinden und Orten nutzbar wird. Bus und Bahnen müssen stärker aufeinander abgestimmt werden. Das Modellprojekt autonom fahrender Bus muss ausgeweitet und die Umrüstung der Busflotte auf Elektromotoren gefördert werden. Als erster Schritt zum fahrscheinlosen ÖPNV soll ein kostenloses Brandenburg-Ticket für alle Kinder und Jugendlichen eingeführt werden.

Ulrike Liedtke, SPD: Für den Busverkehr sind die Landkreise zuständig, Kommunen können zusätzliche Busse bestellen. Die Verminderung des Autoverkehrs setzt ein gutes öffentliches Nahverkehrsangebot voraus, aber auch ausreichend Busfahrer. Endlich schließt jetzt ein Plusbus täglich die Verbindungslücke zwischen Neuruppin und Fehrbellin. Es fehlen die Anschlüsse zu Zügen zwischen Fehrbellin und Bahnhof Kremmen sowie Rheinsberg und Gransee. Berechtigte Wünsche außerhalb der Schulbuszeiten gibt es in vielen Orten. Wir müssen umdenken: anstelle der Gewinnerwirtschaftung besteht die Aufgabe des ÖPNV darin, eine vielfältige und attraktive Alternativen zum Auto anzubieten, auch über Kreisgrenzen hinweg und mit mehr Landesunterstützung.

Gabriele Schare-Ruf, FDP:Erstmal brauchen wir vernünftige Bahnverbindungen von Neuruppin und Rheinsberg nach Berlin, die Pendler zuverlässig und schnell ins Berliner Zentrum bringen – die Bahn muss hier viel stärker in die Pflicht genommen werden! Busverkehr ist grundsätzlich Sache der Kommunen, das Land sollte aber in überregionale Buslinien und Bahnverkehr investieren. Außerdem soll schnell der rechtliche Rahmen für innovative alternative Mobilitätsangebote geschaffen werden wie Sammeltaxis, Carsharing und gegebenenfalls Pilotprojekte wie Shuttle-Busse unterstützt werden. Angesichts der zunehmenden Verrohung im öffentlichen Raum muss außerdem mehr für die Sicherheit von Fahrgästen und Personal getan werden.

Siegfried Wittkopf, BVB-Freie Wähler: Das Land ist erheblich verschuldet und muss deshalb längerfristig die Verschuldung zurückfahren, jedoch den Daseinsfürsorgepflichten für das Flächenland nachkommen. Dazu gehört der öffentliche Nah- und Berufsverkehr, der nicht an den Kreisgrenzen halt macht. Angesichts täglicher Pendlerströme aus unserem Landkreis raus und hinein, muss eine Analyse herausfinden, wie dieser attraktiv vom Individualverkehr auf den Bus umgelenkt werden kann. Dies würde nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch viele marode Straßen vor dem weiteren Verfall. Ich will die Freiheit des Autofahrers nicht beschränken, sondern ein Umdenken muss in der Politik und den Menschen erfolgen. Unsere Bequemlichkeit bedarf neuen Denkens und das Land muss die Kommunen entlasten.

Von Andreas Vogel

1987 erlebte der Ostberliner Autodidakt Thomas Florschuetz einen Senkrechtstart. Ihm wurde im Westen ein wichtiger Preis zuerkannt. Heute ist er Mitglied der Akademie der Künste und fotografiert ganz anders.

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