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Lindow Walnüsse und Leindotter bei der 4. MAZ-Genießertour
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Walnüsse und Leindotter bei der 4. MAZ-Genießertour
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13:59 23.08.2019
Die Waschanlage für die Nüsse: In der Walnussmeisterei von Vivian Böllersen gab es allerhand Nussiges zu bestaunen und zu kosten. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Mais in Monokultur? Rudi Mixdorf macht das traurig bis wütend. Wenn er die Hand in seinem Acker vergräbt und den Besuchern die Erde präsentiert – keine besonders gute, aber eine, die ihm wertvoll genug erscheint, um sie mit seiner Hände Arbeit zu bewirtschaften – spürt man die Liebe zur Natur und zur Umwelt.

Vieles über Leindotter und Walnüsse erfuhren die 10 MAZ-Leser, die bei der 4. Genießertour nach Schönberg und Herzberg im Amt Lindow mit dabei waren. Zu kosten gab es einiges, das große Menü später im Café Wildwuchs.

Mixdorfs Biolandhof „Föhrenlicht“ in Schönberg bei Lindow ist die erste Station der inzwischen vierten Genießertour – einem Projekt der Regionalinitiative Prignitz-Ruppin und der MAZ. Zehn MAZ-Leser sind bei der Besichtigung zweier Höfe dabei, die im Neuruppiner „Café Wildwuchs“ bei einem Regional-Menü endet. Einem Essen, bei dem auch Rudi Mixdorfs Leindotteröl auf der Karte steht.

Vorangegangen war gut zwei Wochen zuvor ein kuratiertes Drei-Gänge-Menü der beteiligten regionalen Erzeuger und Kommunalpolitiker im „Wildwuchs“ – da wurde das regionale Menü schon einmal „vorgekostet“. Gemeinsam bei Tisch kam die ein oder andere Kooperation der Erzeuger zustande.

Leindottersamen. Quelle: Regine Buddeke

Manche kannten sich aber auch schon vorher: So war Rudi Mixdorf quasi der erste gleichgesinnte Landwirt, den Vivian Böllersen kennenlernte, als sie sich im benachbarten Herzberg ansiedelte, um ihre Walnussmeisterei aufzubauen – die zweite Station der Tour. Doch dazu später.

„Ich hatte schon immer eine Schwäche für Landwirtschaft“, erzählt Rudi Mixdorf den MAZ-Lesern, die sich um ihm scharen, ins Tomatengewächshaus lugen und in die Hühnervoliere, wo ein Dutzend Sundheimer scharren.

1994 sei seine Familie von Berlin nach Schönberg gezogen, als er noch ein Baby war. Er sei praktisch in der Natur groß geworden – es hat ihn geprägt. Rudi Mixdorf ist im Hauptberuf Tierarzt, grade hat er sein Studium abgeschlossen. Die Landwirtschaft betreibt er im Nebenerwerb. „Leben könnten wir nicht davon“, weiß er. Wir, das sind er und seine Eltern, die mit ihm „den Hof schmeißen.“

Hühner der alten Rasse Sundheimer gehören zum Hof. Quelle: Regine Buddeke

2016 hatte er mit Bienen angefangen. „Es kann nicht sein, dass ab Mitte Juni das Bienenjahr vorbei ist, weil nichts mehr blüht“, dachte er sich und überlegte, was man dagegen tun könne. „Wir haben einen Trecker und einen Acker – da muss was gehen.“ Er baute Phacelia an – Bienen, Hummeln und Schmetterlinge fliegen darauf – im wahrsten Sinne des Wortes.

Er suchte nach alten extensiven Sorten, die den mageren Boden abkönnen, pflegeleicht sind und wenig Dünger brauchen. Er stieß bei seinen Recherchen auf Leindotter, eine uralte Kultur, die schon in der Bronzezeit genutzt wurde. Der habe aber nichts mit Öllein zu tun, erklärt er seinen Besuchern: Vielmehr war Leindotter ein Unkraut in Leinfeldern. Seinen Namen verdankt er der dottergelben Färbung der Blüten – das ebenso dottergelbe Öl darf verkostet werden.

„Dann können wir auch einen Betrieb anmelden“, dachte sich Rudi Mixdorf während des Studiums, bei dem ihm „irgendwie das Praktische fehlte“, wie er erklärt. Er habe recht blauäugig angefangen und das sei gut gewesen. „Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich nicht angefangen.“

Leindotteröl und Samen der Pflanze. Quelle: Regine Buddeke

Und Rudi Mixdorf liebt, was er tut – das spürt man. Er redet mit den Gästen über kleinbäuerliche Strukturen, über Agrarpolitik, über Selbstversorgung und über Hopfen – er will bald wieder Bier brauen, erzählt er. Und dass der Presskuchen, der beim Leindotteröl anfällt, ein prima Dünger ist.

„Pflügen macht unseren Boden kaputt“, sagt er – er wolle es mal mit Grubber und Egge versuchen. Er achtet auf Fruchtfolgen. Seine Erfahrung: Je kleiner der Landwirtschaftsbetrieb, desto effizienter arbeitet er. Die Gäste – allesamt Frauen übrigens – sind interessiert und stellen viele Fragen.

Dann geht es zur Walnussmeisterei nach Herzberg. Vivian Böllersen lebt, bevor ihre 200 bei Velten angepflanzten Bäume in 30 verschiedenen Sorten erstmals tragen, noch von der Walnuss-Baumschule, deren Bäumchen sie verkauft. Sie hat sich auf Sorten verlegt, die spät blühen, um das Risiko von Spätfrostschäden zu minimieren.

In der Walnussmeisterei von Vivian Böllersen gab es auch Hoftiere zu sehen. Quelle: Regine Buddeke

Sie sucht die Sorten nach Knackverhalten und Nussqualität. „Ich teste, was sich für Brandenburg eignet.“ Sie hat nach ihrem Studium ihre Masterarbeit über Walnüsse geschrieben, weil sie sich gewundert habe, wieso die Walnüsse im Supermarkt immer nur aus Kalifornien, Indien, Australien oder bestenfalls Frankreich kommen. „Es hat hier halt noch nie einer versucht“, hat sie herausgefunden und sich nun selbst daran gemacht.

Sie führt ihre Gäste den „Nuss-Weg“ entlang. Die derzeit noch von Gartenbesitzern gelieferten Nüsse wäscht sie vor dem Trocknen zuerst – in einer alten Gemüsewaschtrommel. „Andere nehmen den Betonmischer oder die Waschmaschine“, sagt sie und die Leser staunen. Dreck könne schnell zu Schimmel führen, erklärt sie. Dann zeigt sie den riesigen Trockner. Je fester die Schale, desto länger müssen sie trocknen. Wenn das Häutchen zwischen den Kernhälften nicht mehr biegsam ist und bröselt, dann sind die Nüsse trocken, ist zu erfahren.

Der Sortenkoffer – Vivian Böllersen hat selbst 30 Sorten gepflanzt. Quelle: Regine Buddeke

Für das lästige Knacken will sie bald eine Knackstation errichten. Die Familie allein würde die Menge an Nüssen nicht bewältigen. Im letzten Jahr hat sie sich 500 Kilo in Baden-Württemberg knacken lassen, um aus den Kernen Öl und anderes zu machen. Vielleicht, so träumt sie, könne sie ja später eine Art „Lohn-Knackerei“ anbieten.

Knack-Schmiede will sie es nennen, denn ihre Nuss-Manufaktur ist in der alten Schmiede des Vorbesitzers, eines Messer- und Waffenschmieds, untergebracht. Unter der Esse, direkt auf dem Ofen, lagert ihr Hofladen-Sortiment, das sie selbst herstellt oder andere befreundete Erzeuger: Walnussöl, Walnuss-Cantuccini, Schmuck aus den Schalen, Walnuss-Shampoo, eine witzige Riesenwalnuss mit Reißverschluss, die als Puppenhandtasche taugt.

Die Nuss in der Nuss: In der Walnussmeisterei von Vivian Böllersen gab es allerhand Nussiges zu bestaunen und zu kosten. Quelle: Regine Buddeke

Beim Verkosten des Öls, der Kerne und des Walnusslikörs wird gefachsimpelt: Über den perfekten Nussknacker, die leckerste Nuss-Sorte und mehr. „Ich finde es toll, dass es junge Leute gibt, die sich eine grüne Existenz aufbauen – die Höfe kennt man ja so gar nicht“, lobt eine Besucherin.

Später, beim Menü im Neuruppiner „Café Wildwuchs“, wo nicht nur das Leindotteröl sondern auch Vivian Böllersens Nüsse verarbeitet sind, gibt es für alle einen Einkaufsführer, der die regionalen Erzeuger auflistet. Denn Rudi Mixdorf und Vivian Böllersen sind längst nicht die Einzigen, bei denen ein Hofladenbesuch lohnt.

Von Regine Buddeke

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