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Lindow Herzberg: Der Schuldenberg drückt bis heute
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Herzberg: Der Schuldenberg drückt bis heute
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16:15 21.05.2019
Die alte Schule von Herzberg (Mark) steht seit 2001 weitgehend leer. Über den Schulhof kommt man heute zur Kita und zum Gemeindezentrum in der ehemaligen Turnhalle. Quelle: Reyk Grunow
Herzberg

Was sich Michaela Wolff für die Zukunft wünscht? „Ich hoffe ja immer noch, dass wir eine Lösung für unsere Schule finden“, sagt der 44-Jährige. Seit 2008 ist Michaela Wolff ehrenamtliche Bürgermeisterin in Herzberg. Am 26. Mai kandidiert sie erneut, als einzige Bewerberin.

Das Schulhaus aus DDR-Zeiten ist seit vielen Jahren ein Problem. 2001 wurde die Herzberger Schule geschlossen, weil es nicht mehr genügend Anmeldungen gab. Die letzten Kinder und Lehrer sind schließlich zur Schule nach Lindow gewechselt. Seitdem steht das Haus in Herzberg weitgehend leer, von kurzzeitigen Nutzungen ohne Zukunft abgesehen.

Die Schule ist schon von Weitem zu sehen, sie überragt fast alle anderen Häuser im Dorf. Was soll daraus werden? „Ideen haben wir jede Menge“, sagt Michaela Wolff. „Aber uns fehlt der passende Investor dafür.“

Die Gemeinde Herzberg (Mark)

Herzberg ist eine eigenständige Gemeinde, die vom Amt Lindow (Mark) verwaltet wird.

Einwohner: 653 (Stand 31. Dezember 2017)

Fläche: 18,72 km²

Vor Kurzem hat die Neuruppiner Stadtverwaltung angefragt, ob sie dort vielleicht vorübergehend die Kinder der Wilhelm-Gentz-Schule unterbringen könnte, solange deren Gebäude umgebaut wird. Aber dafür hätte in dem alten Bau erst einmal aufwändig investiert werden müssen; das wäre viel zu teuer geworden und hätte lange gedauert. Also wurde auch daraus nichts.

Michaela Wolff will am 26. Mai wieder Bürgermeisterin in Herzberg werden. Quelle: Reyk Grunow

Bürgermeisterin Wolff würde sich wünschen, dass sich jemand findet, der den DDR-Typenbau zu altengerechte Wohnungen oder Ähnlichem umbaut. So lange so ein Investor nicht in Sicht ist, stehen die meisten Räume leer. Nur zwei werden derzeit vom Heimatverein genutzt, der auch das Gemeindezentrum in der ehemaligen Turnhalle nebenan betreibt.

Für große Investitionen fehlt das Geld

Herzberg ist arm dran, im wahrsten Sinne. Mit Rund 650 Einwohner ist die Gemeinde der zweitgrößte Ort im Amt nach der Stadt Lindow. Viel bewegen können die Gemeindevertreter allerdings nicht. „Uns sind die Hände gebunden“, sagt Michaela Wolff.

Seit Jahren lebt die Gemeinde quasi von der Hand in den Mund. Das Geld reicht gerade so zum Weitermachen, große Investitionen sind nicht drin.

Wer regiert in Herzberg seit 2014?

Bürgermeisterin: Michaela Wolff (parteilose Einzelkandidatin)

Gemeindevertreter: Von acht Sitzen konnten nur sechs besetzt werden: Lutz Dutzmann, Dörthe Hering, Alfred Bülten (alle Heimatverein Pro Herzberg), Lutz Engel, Petra Sandow, Michaela Wolff (alle als Einzelkandidaten angetreten)

Herzberg ist das beste Beispiel für Fehlspekulationen nach der Wende. Anfang der 90er Jahre hatte die Gemeinde mit anderen Orten einen riesigen Gewerbepark zwischen dem kleinen Bahnhof und der B167 gebaut. In der Hoffnung, dass die verkehrsgünstige Lage an der Bundesstraße viele Firmen nach Herzberg locken wird.

Doch kaum eine interessierte sich für den Gewerbepark. Überall waren in dieser Zeit solche Gebiete entstanden und viele lagen noch günstiger. Was anfangs wie ein lukratives Geschäft erschien, wurde zum Millionengrab.

Schulden müssen noch lange abgezahlt werden

Mit den Folgen hat Herzberg bis heute zu kämpfen. Die Gemeinde muss jedes Jahr aufs neue ein Haushaltssicherungskonzept beschließen, weil sie so viel abzuzahlen hat, dass sie ihren Haushalt nicht ausgleichen kann. „Ich habe gehört, wir könnten 2024 schuldenfrei sein“, sagt Michaela Wolff. So richtig kann sie sich das noch nicht vorstellen.

Die finanzielle Lage der Gemeinde macht die politische Arbeit nicht gerade attraktiver. Auch diesmal haben sich für die acht Sitze in der Herzberger Gemeindevertretung nur sechs Kandidatinnen und Kandidaten gefunden – dieselben sechs, die dort bisher schon sitzen.

Wer tritt an?

für das Bürgermeisteramt: Michaela Wolff

für die Gemeindevertretung (acht Sitze): Alfred Bülten, Lutz Dutzmann, Lutz Engel, Dörthe Hering, Petra Sandow, Michaela Wolff (alle Einzelkandidaten)

Irgendjemand muss sich ja um das kümmern, was ansteht. Um den Anbau für die Kita zum Beispiel, der seit 2017 geplant ist und dringend gebraucht wird. Schulden hin oder her: Herzberg ist attraktiv für junge Familien. Immer wieder gibt es Anfragen nach Baugrundstücken, sagt Michaela Wolff.

In die alte Kaufhalle zieht wohl bald wieder Leben ein; ein Geschäftsmann will dort ein Café einrichten. Vielleicht finde sich ja doch noch jemand, der eine passende Idee und genügend Geld hat, um die alte Schule umzubauen.

Von Reyk Grunow

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