Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Lindow Zu viel Phosphat im Vielitzsee
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Zu viel Phosphat im Vielitzsee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:41 26.03.2019
Bei der „Wir haben es satt“-Demo gegen die Folgen der industriellen Landwirtschaft  im Januar in Berlin liefen auch Vertreter der Bürgerinitiative Vielitzsee mit.
Bei der „Wir haben es satt“-Demo gegen die Folgen der industriellen Landwirtschaft im Januar in Berlin liefen auch Vertreter der Bürgerinitiative Vielitzsee mit. Quelle: privat
Anzeige
Seebeck

Viel zu viele Phosphate, Blaualgen und eine geringe Sichttiefe – seit Langem schon ist der Vielitzsee in einem ökologisch schlechten Zustand. Nur mit einer Vielzahl verschiedener Maßnahmen sei dem See zu helfen, sagt Marianne Vester-Troche von der Bürgerinitiative zur Rettung des Vielitzsees. Auch Anwohner können etwas für eine bessere Wasserqualität tun – darüber informieren Experten beim Ersten „See-Tisch“-Treffen am kommenden Freitag.

Heiko Strobel vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land und Jakob Richter vom Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppin geben Tipps, wie Anwohner Ufer und Gärten naturnah gestalten können. „Jeder kann etwas in seinem Garten machen“, sagt Marianne Vester-Troche. „Jeder kann sich einbringen.“

Auftakt für weitere Gespräche

Der von der Bürgerinitiative organisierte „See-Tisch“ soll Auftakt einer ganzen Reihe weiterer Stammtische sein. Im April und Mai sind weitere Gesprächsrunden geplant, bei denen Experten zu Wort kommen sollen. Jeder „See-Tisch“ ist einem anderen Thema gewidmet – der Wasserqualität etwa oder der ökologischen Landwirtschaft.

Ende 2017 hatte sich die Bürgerinitiative Vielitzsee gegründet. Inzwischen sei viel erreicht worden, sagt Marianne Vester-Troche. So hat sich im November in Potsdam ein fester Arbeitskreis aus Vertretern des Landesumweltministeriums, der Unteren Wasserbehörde und anderen Experten gegründet. Gemeinsam beraten sie, welche konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität ergriffen werden sollen. „Sie arbeiten sehr konstruktiv“, sagt Vester-Troche.

Phospate aus der Landwirtschaft

Ein Großteil der in den Vielitzsee eingeleiteten Phosphate stammt aus der Landwirtschaft. Gemeinsam mit Landwirten und Flächeneigentümern wollen die Experten des Arbeitskreises beraten, wie sich diese Einträge verringern lassen. Doch gibt es noch andere Gründe für die deutlich zu hohen Phosphatwerte: In den Sedimenten des Sees haben sich inzwischen auch Phosphate abgelagert – auch sie tragen zur hohen Phosphat-Konzentration im Wasser bei.

Auch aus einem Niedermoor, das von dem Zufluss des Vielitzsees – der Adderlaake – entwässert wird, fließen Nährstoffe in den See. Die Mitglieder der Bürgerinitiative haben deshalb Kontakt mit der Grünen Liga in Potsdam aufgenommen. Denn die Grüne Liga will das nördlich von Grieben (Oberhavel) gelegene Moor renaturieren. Marianne Vester-Troche und ihre vier Mitstreiter hoffen, dass das einen positiven Effekt für den See hat: Trocknet das Moor nicht weiter aus, so bleiben die Phosphate dort gebunden.

Langer Zeitraum, bis sich der See erholt hat

„Die Adderlaake ist ein Mosaiksteinchen im Gesamtproblem“, sagt Vester-Troche. „Dieses ganze Thema ist enorm komplex.“ Problematisch für den Vielitzsee sind auch ungeklärt eingeleitete Abwässer aus den Siedlungen. Schon seit den 1960er Jahren sei der See enorm belastet, sagt die engagierte Frau. Es werde einen „sehr, sehr langen Zeitraum dauern“, bis der See sich erholt hat.

Der erste „See-Tisch“ Vielitzsee findet am Freitag, 29. März, im Haus des Gastes in Seebeck statt. Heiko Strobel vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land und Jakob Richter vom Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppin geben ab 18.30 Uhr Tipps zur Ufergestaltung und zu naturnahen Gärten.

Von Frauke Herweg