Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Lindow Eine Kirche im Finnhütten-Stil: „Frau Pastor, wir brauchen Dachpappe“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Eine Kirche im Finnhütten-Stil: „Frau Pastor, wir brauchen Dachpappe“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:13 02.08.2019
Die Hindenberger Kirche war am 3. September 1989 eingeweiht worden – kurz vor dem Ende der DDR. Quelle: Frauke Herweg
Hindenberg

70 Mittagessen. 64 Frühstücke. 72 Abendessen. Viele halfen, um die Freiwilligen der Kirchenbaustelle in Hindenberg (Ostprignitz-Ruppin) zu beköstigen. In den Unterlagen ist genau aufgelistet, wie viele Mahlzeiten den Helfern gebracht wurden.

Im September feiert die Kirche nun ihr 30-jähriges Bestehen. Zwei Monate vor dem Ende der DDR war das kleine Gotteshaus im Finnhütten-Stil eingeweiht worden. Einer der ganz wenigen Kirchenneubauten in der Region.

Zu klein, um Misstrauen zu erregen

„Wir hatten von staatlicher Stelle keine Probleme“, sagt die ehemalige Pfarrerin Hannelore Roselt, die den Neubau damals initiierte und begleitete. Möglicherweise sei die Kirche im kleinen Hindenberg schlicht zu unbedeutend gewesen, um staatliches Misstrauen erregen. „Es sollte wohl einfach so sein.“

Zuvor hatte es noch nie ein Gotteshaus in Hindenberg gegeben. Die Gläubigen kamen im ehemaligen Schulhaus zum Gottesdienst zusammen. Doch war der Platz dort beengt. Denn der einzig verfügbare Raum wurde auch als Erntekindergarten und Treffpunkt der Jugendlichen und der Feuerwehrleute genutzt. „Manchmal mussten wir die Kippen wegräumen“, erinnert sich Hannelore Roselt.

Blick ins Innere der Kirche. Quelle: Frauke Herweg

Anfang der 80er-Jahre reift schließlich der Plan, ein eigenes Gotteshaus zu bauen. Die Kirchengemeinde erwirbt Bauland – und der Neuruppiner Projektant schlägt vor, eine Kirche im Finnhütten-Stil zu bauen. Roselt gefällt diese Idee. Auch wegen der symbolischen Parallele zu den Zelten, die das Volk Gottes bei seinen Wanderungen mit der Bundeslade aufschlug.

Das größte Problem, das die Kirchengemeinde damals bewältigen muss: die Beschaffung des Materials. Das Holz für den Bau – insgesamt zwölf Festmeter – kann im Dierberger Kirchenwald geschlagen werden. Doch der Stahl, der für den Sockel gebraucht wird, ist weitaus schwieriger zu besorgen. Aus einem Griebener Betrieb kommt schließlich eine völlig verrostete Stahlrolle, die mit dem Trecker mühselig langgezogen werden muss.

Viele Freiwillige helfen damals. Quelle: Frauke Herweg

Ein ehemaliger Maurerpolier engagiert sich damals sehr auf der Baustelle. Zehn Hindenberger helfen immer wieder aus – und auch aus Neuruppin kommt Hilfe. 2520 Arbeitsstunden werden geleistet. An Hannelore Roselt bleibt die Materialbeschaffung hängen. „Frau Pastor, wir brauchen Dachpappe“ – an solche Sätze erinnert sie sich gut.

Einmal muss sie 60 Meter Erdkabel besorgen. Eine Freundin aus Thüringen kann unverhofft helfen. „Drei Wochen später war die Rolle da.“ Auch die Partnergemeinde aus dem Rheinland tut, was sie kann. Die LPG schickt einen Trecker für die Ausschachtungsarbeiten.

Berliner Bischof Gottfried Forck hält die erste Predigt

Am eigentlichen Einweihungstag – am 3. September 1989 – verabschiedet sich die Kirchengemeinde zunächst von der alten Schule. Mit den Abendmahlsgeräten ziehen die Gläubigen dann in das neue Gotteshaus, wo der Berliner Bischof Gottfried Forck eine ungewöhnlich kritische Predigt hält. „Wir hatten Angst um ihn“, sagt Hannelore Roselt. Doch seine Worte bleiben ohne Folge.

Doris Mach, heute Mitglied im Gemeindekirchenrat, besuchte den Einweihungsgottesdienst damals. „Es war unheimlich voll“, erinnert sie sich. Viele Gäste müssen auf der Dorfstraße stehen bleiben, weil das Innere der Kirche bereits überfüllt ist. Auch Doris Mach muss damals draußen bleiben.

In den Jahren nach der Wende kommen die Gläubigen alle zwei Wochen zum Gottesdienst in Hindenberg zusammen. Heute nur noch alle vier Wochen. Enorm wichtig für das Dorf ist das Gotteshaus gleichwohl. Im Vorraum trifft sich der Ortsbeirat, wird das Wahllokal eröffnet. Jedes Sommer stoppt die Ökofilmtour in der Hindenberger Kirche.

Von Frauke Herweg

Olga Kaminer, die Frau von Kultautor Wladimir Kaminer, eröffnet ihre Galerie „Saudade“ in Vielitz bei Lindow. Dort zeigt sie Werke von Alexander Korolew. Der St. Petersburger war vor Ort und malte live vor Publikum ein Bild.

28.07.2019

Zum 10. Jawa-Treffen in Rüthnick trafen sich die Besitzer von knapp 50 Maschinen –zur Ausfahrt und zum Fachsimpeln.

28.07.2019

Auch im Wutzsee (Badestelle Lindow-Schönbirken) und im Seebad Alt Ruppin sind Blaualgen festgestellt worden. Das Landkreis rät dort vom Baden ab.

26.07.2019