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Lindow Prozess gegen mutmaßlichen Räuber geht weiter
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Prozess gegen mutmaßlichen Räuber geht weiter
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13:17 28.08.2019
Im Verfahren gegen einen mutmaßlichen Räuber vor dem Landgericht Neuruppin sollen noch weitere Zeugen gehört werden. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Für den 26-Jährigen aus dem Amtsbezirk Lindow geht es um viel. Bestätigt sich die Anklage, die ihm unter anderem schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vorwirft, hat er mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis zu rechnen. Mit so einem Urteil müsste er rechnen, käme die erste Große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin zu diesem Ergebnis.

Verteidigerin möchte Angeklagten sofort im Maßregelvollzug unterbringen

Dann, so der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann, könne der „fromme Wunsch“ der Verteidigerin nicht in Erfüllung gehen. Sie stellte sich eine Strafe vor, die es ihrem Mandanten ermöglicht, die von der Gutachterin empfohlene Maßregel sofort anzutreten.

Die Psychiaterin hatte die Unterbringung des alkohol- und drogenabhängigen Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus als die geeignete Maßnahme angesehen, den Kreislauf von Rauschmitteln und Gewalt zu durchbrechen.

Im sogenannten Maßregelvollzug werden unter bestimmten Umständen psychisch kranke und suchtkranke Straftäter untergebracht und behandelt.

Die Voraussetzung sah die Sachverständige als gegeben an. Sie war der Auffassung, dass eine durchgreifende Änderung seines Verhaltens nur durch eine geschlossene Maßnahme zu erreichen sei. Diese hielt sie für erfolgversprechend, weil der Angeklagte therapiewillig sei.

Kein minder schwerer Fall

Das Gericht würde wohl – wie es andeutete – nicht einen minder schweren Fall annehmen, der eine geringere Strafe bedeuten würde – weil, so Richter Lechtermann, der Überfall im geschützten Lebensbereich des Opfers stattgefunden haben soll.

Am 23. Juli 2017 rief ein 38 Jahre alter Mann mitten in der Nacht bei der Polizei an, er sei in seiner Wohnung in Lindow an der Straße des Friedens überfallen und verletzt worden. Ihm seien 180 Euro und Lebensmittel aus dem Kühlschrank gestohlen worden.

Ob zwei oder drei in seine Wohnung eingeritten seien, da sei er sich nicht ganz sicher. Sicher wisse er aber, dass der Angeklagte dabei war. Der hatte, wie er vor Gericht ausgesagt hatte, einen Quarzhandschuh getragen und zugeschlagen, will aber nichts gestohlen haben.

Nasenbein gebrochen

Die Schläge waren so heftig, dass der 38-Jährige einen Nasenbeinbruch, eine Kopfplatzwunde, ein Leberhämatom und ein Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades erlitt. Der Angeklagte hat sich bei seinem Opfer später persönlich und auch per Brief entschuldigt.

Das Opfer will von dem Angeklagten ein Schmerzensgeld von 5000 Euro und Schadensersatz für die demolierte Wohnungstür und das gestohlene Geld – insgesamt 1680 Euro.

Ein weiterer Überfall soll sich am 23. September 2017 ebenfalls in Lindow ereignet haben. Auch da soll der Angeklagte der Täter gewesen sein, der einen 35-Jährigen mit einem Messer bedroht und mit Fäusten mehrfach malträtiert hat.

Der Angeklagte hatte zugegeben, zweimal zugeschlagen zu haben, mehr nicht. Wie es zu einer oberflächigen Schnittwunde am Hals und mehreren Hämatomen im Gesicht des 35-Jährigen kam, konnte sich der Angeklagte nicht erklären.

Zeugen kamen nicht

Für Mittwoch hatte das Gericht noch mehrere Zeugen geladen, die aber alle nicht erschienen waren. Einer befindet sich derzeit zur Entgiftung in einer Klinik, ein anderer ist trotz intensiver Suche nicht auffindbar.

„Wie soll es nun weitergehen“, fragte Lechtermann. Das käme darauf an, was herauskomme, antwortete die Verteidigerin. Um nur ansatzweise in die Nähe ihrer Vorstellung kommen zu können, müsste beim Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegen.

Dass er bei den Taten unter Alkohol und Drogen stand, daran besteht wohl kein Zweifel. Die Gutachterin war jedoch wegen des gezielten Vorgehens nicht von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit ausgegangen.

Sie konnte zwar eine Beeinträchtigung seiner Schuldfähigkeit nicht feststellen, sie aber auch nicht ausschließen. Das Gericht will nun noch Zeugen hören, die etwas dazu sagen können, wie sich der Angeklagte nach den Taten verhalten hat.

„Wir tun ja alles für die Gerechtigkeit“, sagte Lechtermann.

Am 17. September wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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