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Lindow Lindow will Jugend besser einbinden – Ausschuss gegründet
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow

Lindow will Jugend besser einbinden – Ausschuss gegründet 

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16:46 19.11.2021
Robert Marschneider, Ramin Taraman, Setare Haschemi in den Räumen der mobilen Jugendhilfe in Lindow
Robert Marschneider, Ramin Taraman, Setare Haschemi in den Räumen der mobilen Jugendhilfe in Lindow Quelle: Till Eichenauer
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Lindow

„Wir müssen es schaffen, dass die Jugendlichen sagen: Das ist meine Stadt und die bleibt sauber.“ Udo Röhnnefahrt Bürgermeister von Lindow weiß, dass es Handlungsbedarf gibt. In diesem Jahr machte seine Gemeinde mit einem ausufernden Vandalismus-Problem Schlagzeilen.

Deshalb wurde nun ein Jugend- und Sozialausschuss in der Gemeinde gegründet. Ziel ist es, junge Menschen für die Teilhabe in der Kommunalpolitik zu begeistern. Und der Einladung sind sie gefolgt: Ramin Taraman, Setare Heschemi und Robert Marschneider vertreten die mobile Jugendarbeit in Lindow. Sie wollen wissen, wie sie konkret etwas bewirken können.

Briefkästen für die Sorgen der jungen Menschen

Gert Wegner macht zu Beginn aber klar: „Es geht hier erstmal nicht um Mitbestimmung, sondern um Mitwirkung.“ Echte Entscheidungen könnten nur die gewählten Volksvertreter treffen. „Wir wollen euch aber einladen, mit uns zu diskutieren und eure Idee einzubringen.“ Zu diesem Zweck soll in der Stadtverordnetenversammlung ein fester Tagesordnungspunkt eingerichtet werden, in dem die Anliegen speziell der Jugend vorgebracht werden können.

Aber die jungen Gäste machen auch gleich im ersten Ausschuss die ersten Vorschläge. Sie wollen zwei Briefkästen am Rathaus und der Schule aufhängen, mit denen sie sich mit ihren Sorgen und Vorschläge der Jugendlichen direkt an die Stadtverordneten wenden können.

Vandalismus durch Verantwortung vorbeugen

Doris Bergmann, die stellvertretende Amtsdirektorin, möchte, dass sich junge Bürger auch mehr in Entscheidungsprozesse einmischen, die auf den ersten Blick nichts mit ihnen zu tun haben: „Bei vielen Entscheidungen werden eine Handvoll Behörden gefragt, aber niemand fragt die Jugendlichen.“ Dafür müssen sie mehr eingebunden werden. „Die Jugendlichen müssen lernen, mit der Stadtverordnetenversammlung zu reden. Und wir müssen lernen zuzuhören.“

So wird es in der Sitzung auch gleich konkret. Bürgermeister Udo Rönnefahrt macht einen Vorschlag, um der zerstörerischen Eskapaden in der Stadt Herr zu werden: „Man könnte den Jugendlichen ein kleines Blockhaus am Sportplatz bauen, wo sie sich treffen könnten und für das sie selbst verantwortlich sind. Das würden sie ja dann nicht kaputt machen.“

Fehlende Busse sind großes Problem

Robert Marschneider, 25, dämpft die Erwartungen an eine solche Maßnahme: „Es wird immer Jugendliche geben, die eher offizielle Treffpunkte suchen, und junge Menschen, die eher informelle Orte suchen. Damit erreicht man nicht alle.“

Aber die Jugendlichen wollen mithelfen, das Problem zu lösen. Auch wenn für sie andere Probleme im Mittelpunkt stehen. Für die 17-jährige Ramina Traman ist der fehlende Anschluss an die umliegenden Orte ein großes Thema: „Der letzte Bus am Samstag von Neuruppin nach Lindow fährt um 18.30. Wir können nicht mal abends in die Stadt fahren.“

Setare Haschemi hofft, dass sie mit ihrem Engagement die Situation in der Kleinstadt verbessern kann. Die 18-Jährige fühlt sich im ersten Jugend- und Sozialausschuss ernst genommen. „Es macht auch wirklich Spaß zu sehen, wenn man etwas verändern kann.“

Von Till Eichenauer