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Lindow Eigenheime oder Zirkusarena
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17:11 07.09.2018
Das umstrittene Grundstück an der Lindower Waldbühne wird als Bolzplatz augenscheinlich auch nicht mehr allzu intensiv genutzt. Quelle: FOTO: Stephanie Fedders
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Lindow

Die Entwicklung einer Fläche am Birkenfelder Weg in Lindow zu Bauland ist ausgebremst worden.

Die Stadtverordneten der Drei-Seen-Stadt vertagten in dieser Woche eine Abstimmung über den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan Nummer 8 „An der Waldbühne“.

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Proteste einiger Anwohner der Bahnhofsiedlung, die sich für den Erhalt des dort existierenden Bolzplatzes stark machen, zeigten bei den Stadtverordneten offenbar Wirkung.

Zunächst sah es nach einer Formsache aus. Ausgestattet mit dem positiven Votum des Bauausschusses, der in der vergangenen Woche Einwände des sachkundigen Bürgers Wilfried Janicke ignoriert und der Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich die Zustimmung empfohlen hatte (die MAZ berichtete), sahen sich die elf Stadtverordneten in der Einwohnerfragestunde allerdings mit Fragen von Bürgern konfrontiert: Die wollten die Fläche von rund 2800 Quadratmetern so erhalten, wie sie ist. Sie folgten dem Appell von Wilfried Janicke, der am Mittwoch Zettel in der Bahnhofsiedlung verteilt und die Nachbarn darum gebeten hatte, an der Sitzung teilzunehmen.

Keine Auskunft zu den Kosten

Die Anwohnerin Birgit Haupt kam dem Aufruf nach und eröffnete die lebhafte Diskussion mit der Frage nach den Kosten, die bereits entstanden seien. Darauf konnte der Amtsdirektor Danilo Lieske (SPD) keine genaue Antwort geben: Die Kosten würden „von der Anzahl der Planungsschritte abhängen“.

Konkreter wurde es bei Birgit Haupts Frage nach der Zahl der Bauanfragen, die Lieske „auf das doppelte dessen, was zur Verfügung steht“, beziffern konnte.

Mindestens sieben Interessenten für die drei geplanten Baugrundstückte hätten sich schon bei der Stadt gemeldet. Danilo Lieske ging auf Wilfried Janickes Papier ein, überschrieben mit „Nein zum Bebauungsplan an der Waldbühne“, auf dem er Alternativflächen für neue Wohngrundstücke in der Stadt aufgelistet hatte. Dazu gebe es „weder Beschlussvorlagen, noch Planungsbeschlüsse“, sagte der Verwaltungschef. Die Bürgermeisterin Heidrun Otto (CDU) erinnerte daran, dass kommunale Flächen begrenzt seien.

Lindow: der Bolzplatz an der Waldbühne Quelle: Stephanie Fedders

Wilfried Janicke brachte das Argument ins Spiel, dass die besagte Fläche auch für Gastspiele von Zirkus oder Rummel genutzt werde. Doch damit rannte er bei den Abgeordneten keine offenen Türen ein. Der Zirkus könne ja nicht das Maß aller Dinge sein, erwiderte Rainer Hollin (SPD).

Als Fürsprecher der Entwicklung von Baugrundstücken meldete sich Christian Pelzer zu Wort. Er wohnt auch in der Bahnhofsiedlung und erzählte den Stadtverordneten, dass er selbst lange auf der Suche nach einem Baugrundstück gewesen sei. „Sie müssen jetzt handeln, sonst ziehen weniger junge Leute nach Lindow“, sagte Christian Pelzer, dem ein „Signal nach außen“ wichtig war. Es müsse gelingen, einen Kompromiss zu finden.

Heidrun Otto will Platz für die Kinder schaffen

Darum bemühte sich dann auch die Bürgermeisterin. „Wir sind bereit, in der Bahnhofsiedlung Platz für Kinder zu schaffen“, sagte Otto am Ende der Einwohnerfragestunde.

Bei einem Termin vor Ort soll eine Alternative gesucht werden. Die Umwandlung des Bolzplatzes in Baugrundstücke dürfe aber nicht aufgegeben werden. Otto: „Das können wir uns nach jetzigem Stand nicht leisten.“

Als dann der Tagesordnungspunkt für den Beschluss aufgerufen wurde, stellte Udo Rönnefahrt (FDP) den Antrag, die Abstimmung zu verschieben. Die Bürgermeisterin zeigte sich damit einverstanden. „Ich möchte ungern die Einwohner der Bahnhofsiedlung vor den Kopf stoßen“, sagte Heidrun Otto. Acht Stadtverordnete waren schließlich dafür, die Angelegenheit in der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung – nach jetzigem Stand Anfang Oktober – zu beraten. Hansjörg Schubach (CDU) und Rainer Hollin stimmten dagegen.

Von Stephanie Fedders

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