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Lindow Volksvertreter mit 19? – Abiturient kandidiert für Vielitzsee
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Volksvertreter mit 19? – Abiturient kandidiert für Vielitzsee
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00:23 02.05.2019
Richard Reuter aus Strubensee kandidiert für die Gemeindevertretung von Vielitzsee. Der 19-Jährige macht gerade sein Abitur in Neuruppin. Quelle: Hannah Rüdiger
Strubensee

 Mit etwas Verspätung manövriert Richard Reuter seinen staubigen Renault auf das Familiengrundstück in Strubensee. „Ich musste nochmal kurz bei der Arbeit aushelfen“, sagt er und begrüßt seine weiße französische Pyrenäenhündin, die ihm bis zur Hüfte reicht. Viel zu erzählen habe er eigentlich nicht, das hatte er schon am Telefon gesagt. Dabei passiert im Leben des Strubenseers jede Menge.

Gerade steckt der 19-Jährige mitten im Abitur. Eine schriftliche und eine mündliche Prüfung fehlen ihm noch, dann hat er seinen Abschluss in der Tasche.

Danach möchte Richard Reuter in der Baubranche arbeiten und seinen Bachelor of Engineering in Potsdam und Lindow machen, ein duales Studium soll es sein. Dass er nebenher für die Gemeindevertretung Vielitzsee kandidiert, scheint der 19-Jährige manchmal fast zu vergessen.

Jüngster Kandidat auf der Liste

Richard Reuter ist der jüngste Kandidat auf der Liste. In seiner Altersklasse ist sonst nur die 1998 geborene Johanna Grigo, die schräg gegenüber wohnt. Danach kommt erstmal lange nichts: Alle anderen Kandidaten stehen längst mitten im Berufs- und Familienleben und wurden lange vor der Wende geboren.

Lokalpolitik liegt bei Richard Reuter quasi in der Familie. Sein Vater Tony Groche (FDP) war erst Bürgermeister von Vielitzsee und dann Ortsvorsteher von Strubensee. In diesem Jahr fordert er wie auch schon 2014 Bürgermeister Dieter Fischer (Freie Wähler Vielitz) heraus. 

Bei Johanna Grigo ist es ähnlich: Ihr Vater Stefan Grigo vom Obst- und Gemüsehof Metz sitzt seit 2014 in der Gemeindevertretung Vielitzsee.

Lokalpolitik liegt in der Familie

„Da bekommt man ein bisschen was mit“, sagt Richard Reuter. Und was er so mitbekam, gefiel ihm. Politisch seien er und Tony Groche ähnlich eingestellt. Sein Vater habe schließlich die Kandidatur für ihn in die Wege geleitet.

Politisch festlegen möchte sich der der 19-Jährige nicht. „Zu links muss es jetzt nicht sein“, sagt er. Aber mit politischen Parteien und Berufspolitik habe er generell nicht viel am Hut. „Das hier ist ehrenamtlich, da weiß man, was man macht und wofür man es macht.“

Richard Reuter aus Strubensee an seinem Arbeitsplatz im Lindower Hafen. Quelle: Hannah Rüdiger

Alles soll so bleiben, wie es ist

Am wichtigsten sei ihm, dass in seinem Ort alles glatt läuft – und dass alles so bleibt, wie es ist. Richard Reuter sei vollkommen zufrieden mit der Situation in Strubensee.

Schade sei eigentlich nur, dass es seit ein paar Jahren keine freiwillige Feuerwehr mehr im Dorf gibt. Ansonsten fällt ihm nichts ein, wo es hakt. Vor allem das Dorffest, das alle drei Jahre in seinem Ort stattfindet, sei jedes Mal ein riesiger Erfolg.

Mehr Mitspracherecht in kleinen Orten

„In einer größeren Stadt hat man nicht so viel Mitspracherecht, hier kann man noch eher etwas bewirken“, erklärt er. Was er genau bewirken will, kann er spontan nicht sagen. Hauptsache, Strubensee bleibe in seinen Entscheidungen möglichst unabhängig.

„Viele Dörfer werden in einen Topf geworfen“, sagt der 19-Jährige. Da könne es schnell passieren, dass einzelne Stimmen untergehen. Strubensee soll das nicht passieren.

17 Kandidaten für Gemeindevertretung

Seit der Kommunalwahl 2014 besteht die Gemeindevertretung von Vielitzsee aus sieben Vertretern. Zur diesjährigen Wahl treten insgesamt 17 Kandidaten an, davon acht von der Wählergemeinschaft Wir für Vielitz, sieben für Freie Wähler Vielitz und einer für die FDP. Dazu kommt ein Einzelkandidat. Richard Reuter kandidiert für „Wir für Vielitz“.

Für einen Nachwuchspolitiker ohne Erfahrung ist das viel Konkurrenz. Doch Richard Reuter gibt sich gelassen. „Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, ist das nicht so schlimm“, sagt er. Zur nächsten Wahl würde er sich trotzdem wieder aufstellen lassen. „Ich komme von hier und mich interessiert, was hier rund um den Kirchturm passiert“, erklärt der 19-Jährige.

Bürgermeisterkandidat Tony Groche aus Strubensee. Quelle: Peter Geisler

Plan B: Arbeitserfahrung sammeln

Sollte es nicht klappen mit der Gemeindevertretung, hätte er außerdem immer noch genug zu tun. Seit fast drei Jahren arbeitet Richard Reuter bei der Bootsvermietung Jetbay im Lindower Hafen.

Bis sein duales Studium bei einer Straßenbaufirma in Lindow und der Potsdamer Fachhochschule beginnt, hätte der 19-Jährige noch ein paar Monate Zeit.

Seine Übergangsphase möchte er sinnvoll nutzen. Nicht im Ausland, sondern gleich um die Ecke. „Ich möchte ein paar Nebenjobs oder Praktika in der Baubranche machen“, sagt Richard Reuter. Einen konkreten Plan gebe es noch nicht.

„Ich muss mir nach dem Abi erstmal eine Art Reiseplan für die Zukunft erstellen“, erzählt er. „Mal gucken.“ Angst vor Fehltritten habe er jedenfalls nicht.

Wahlrecht in Brandenburg

In Brandenburg dürfen schon Jugendliche ab 16 Jahren bei der Kommunalwahl mitmachen.

Das passive Wahlrecht besteht aber erst ab 18 Jahren. Das heißt, in die Gemeindevertretung, die Stadtverordnetenversammlung oder den Kreistag können sich nur Volljährige wählen lassen.

Wer kandidieren will, muss seit mindestens drei Monaten im Wahlgebiet leben und dort auch gemeldet sein.

Bei der Europawahl am 26. Mai sind alle Bürger der EU ab 18 Jahren zugelassen. Allerdings müssen sie seit mindestens drei Monaten in einem EU-Mitgliedstaat leben und in einem Wahlverzeichnis eingetragen sein. Gewählt werden darf – auch bei doppelter Staatsbürgerschaft – nur in einem Staat.

Von Hannah Rüdiger

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