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Lindow Trompete-Orgel-Konzert bei den Sommermusiken
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Trompete-Orgel-Konzert bei den Sommermusiken
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09:49 14.07.2019
Tobias Berndt (Orgel) und Hannes Maczey (Trompete)geben einmal mehr ein Konzert bei den Lindower Sommermusiken Quelle: Regine Buddeke
Lindow

Pfarrer Holger Baum ist glücklich. Am Samstag gibt es „Himmlische Musik“ – so der programmatische Name des Konzerts. „Versuchen Sie mal, zwei Engel zu engagieren – und dann noch in der Ferienzeit“, scherzt Lindows Pfarrer und die beiden Musiker auf der Empore lächeln erfreut-amüsiert. Immerhin sind beide –Trompeter Hannes Maczey und Organist Tobias Berndt – nicht das erste mal bei den Lindower Sommermusiken zu Gast. Und 121 Besucher in der Stadtkirche beweisen: zu Recht.

Eigentlich habe er bei der Titelwahl anderes im Sinn gehabt, verrät Maczey, der wie stets im barocken Outfit auftritt: Jacquardrock in himmelblau – was sonst bei dem Motto? – dunkelrote Kniebundhose, schneeweißes Spitzenjabot und edelsilbergraue Weste.

Volle Kirche in Lindow. Quelle: Regine Buddeke

Erstens: Die Orgel. Die sei nicht umsonst so weit oben angebracht. Sie soll suggerieren, dass die Musik direkt aus dem Himmel kommt. Zweitens: Das erwähnte Sakko. Drittens bekomme er beim Denken an Barockmusik immer Bilder von Himmeln in den Kopf wie etwa Michelangelos „Erschaffung Adams“ oder Raffaels Himmelsengel bei der „Sixtinischen Madonna“. Natürlich seien beide Maler – „leider“, scherzt Maczey – keineswegs barock sondern aus der Renaissance.

Und viertens? Ein Stück Musiktheorie: Die in der Barockmusik en vogue gewordenen Terzen und Sexten könnten Spannungen aufbauen und wieder lösen, galant-verspielte Melodiebögen zaubern und akzentuieren: „Sie sollen die Kirche mit einem himmlisch entspannten Gefühl wieder verlassen“, verspricht Maczey und die Musiker legen mit Händel los, dem ein rauschend beschwingtes Orgelsolo folgt.

Hannes Maczey an der Piccolotrompete. Quelle: Regine Buddeke

Dann Bach. „Komm in meines Herzens Haus“ und der Ohrwurm schlechthin: „Jesus bleibet meine Freude“. Himmlisch. Danach ein Stück Instrumentenkunde. Maczey, der bislang auf einer Piccolotrompete mit vier Ventilen spielte – seine Lieblingstrompete – zückt eine Barocktrompete: Dreimal so langes Rohr wie die Piccolo. Ohne Ventile.

Dass die Piccolo fälschlich als Bachtrompete bezeichnet wird, erklärt Maczey. „Ventiltrompeten gibt es erst seit 200 Jahren, also vor Bach – und die verkürzten Rohre wie die Piccolo erst seit 60“. sagt er. Aber gebaut wurden letztere, um die hochgestimmten Trompetenwerke des Barock besser spielen zu können.

Infos über die Barocktrompete

Dann demonstriert Maczey den Klangunterschied: Hell und strahlend-brillant die Piccolo, dunkler, weich und warm die Barocktrompete. Wie man die vielen verschiedenen Töne erzeugt –schließlich hat die moderne Trompete gerade mal drei bis vier Ventile, die barocke gar keine – demonstriert er auch. Summend-brummend. Der Ton kommt aus der Musikerkehle. Variiert und moduliert durchs Instrument.

Maczey summt ohne Instrument einen übergangslosen Ton von tief nach hoch. Und dann mit der Barocktrompete. Die hackt Absätze in den anschwellenden Ton. „Barocktrompeten können nur die Naturtonreihe“, verrät Maczey. Stufenlose Töne funktionieren erst, seit es Ventile gibt, die die Rohrlänge entsprechend variieren.

Demonstration des Trompetentones ganz unkonventionell. Quelle: Regine Buddeke

„Der tiefste Ton ist durch die Rohrlänge bestimmt“, so Maczey. „Der höchste von der Fähigkeit des Musikers, einen hohen Summton zu erzeugen. Das beweist er auch: Mit einem Trichter, wie ihn jede Hausfrau in der Küche hat, daran ein Gummischlauch und oben das Trompetenmundstück. Das bekannte Motiv klingt wie aus einer Trompete geblasen. Wer also gucken will, ob ihm die Trompete liegt, kann damit erst mal preiswert testen.

Weiter im Konzert geht es mit Torelli, dann als Orgelsolo die berühmte Toccata und Fuge in d-Moll von Bach. Noch einmal ein Stück Himmel. Purcell rundet den Abend ab – um Zugaben kommen die beiden Musiker nicht herum. Charpentiers Prelude –besser bekannt als Eurovisions-Fanfare – und ein Menuett aus Händels Wasser-Musik bilden die himmlischen Rausschmeißer.

Von Regine Buddeke

Durchschnittsalter 80 Jahre – aber jung im Herzen: Die Umbrella Jazzmen lassen es in der Musikscheune Vielitz ordentlich krachen. Mit allerfeinstem Jazz.

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