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Lindow Umbrella Jazzmen feiern Swinging Sunday in Vielitz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lindow Umbrella Jazzmen feiern Swinging Sunday in Vielitz
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12:49 08.07.2019
Die Umbrella Jazzmen sind gern gesehene Gäste in der Musikscheune Vielitz. Quelle: Foto: Regine Buddeke
Vielitz

Achtzig ist eigentlich kein Alter. Zumindest nicht für die Umbrella Jazzmen. So ganz genau wollen sie es zwar nicht verraten – aber nach kurzer Rechnerei auf der Bühne lassen sie Musikscheunenbetreiber Reinhard Hagen zumindest ausplaudern, wie alt sie alle zusammen auf der Bühne sind: 560 Jahre. Ohne Reinhard Hagen.

Sieben Jazzmen gibt es – Bandlieder und Posaunist Eckhard Seidel mit seinem charismatischen Abe-Lincoln-Backenbart, daneben Peter Tüllmann an der Trompete, Mister Boogiewoogie Niels Unbehagen am Flügel, der auch für seine Band komponiert und arrangiert, Ralph Rothkegel an Klarinette und Sopransaxophon, Wolfgang Richter am Banjo, Ingomar Wollschläger an der Tuba und last not least Wolfgang Wicker am Schlagzeug. Letzterer ist allerdings als kurzfristiger Ersatz für den verhinderten Band-Drummer eingesprungen.

Die Bläserriege aus der ersten Reihe. Quelle: Regine Buddeke

Alle zusammen, wie sie da unter dem Band-Schirm stehen, machen Jazz, dem man einfach nicht widerstehen kann. Mit ungebremster Lust und Leidenschaft an den Stücken geben sie Titel für Titel ihrem Affen Zucker. In Vielitz waren sie schon öfter – dass der Saal voll ist, spricht für sich. Und für die Umbrella Jazzmen.

Mit „Sunday“ geht es los und auch schon richtig ab. „Programmatisch für den heutigen Sonntag“, erklärt Moderator Eckhard Seidel und lässt wissen, dass es diesmal keine Jazz-Style-Reise von New Orleans über Louisiana bis Chicago wird sondern eine durch die Zeit – mit Standards und seltenen Perlen der 20er Jahre bis in die jüngere Zeit.

Eckhard Seidel ist der Bandleader. Quelle: Regine Buddeke

„Balling the Jack“ – ein Squaredance der Baumwollpflücker, wie zu erfahren ist. „Wer will – es ist noch Platz vor der Bühne“, scherzt Seidel. Noch mehr zu Scherzen aufgelegt ist allerdings der Mann am Klavier – vor allem, als er sich in komödiantisch-theatralischer Manier von einem Band-Kollegen Rotwein einschenken lässt und in Windeseile leert. Man kann nur mutmaßen, ob das als Doping für die Finger wirkt.

Das Zusammenspiel der sieben ist grandios. Mit Schmackes verweben die Bläser ihre verschiedenen Melodiefragmente ineinander – auf den Punkt genau. Die Klarinette wirbelt in Glissandi um die kräftig schmetternde Trompete, während die Posaune sich nicht weniger laut, nur etwas tiefer, einmischt. Die Tuba tut das ihrige zum Sound. Und wenn Seidel singt – rau, knarzig, tief – denkt man an Whisky und Zigarren. Es verleiht dem Sound noch mehr Patina.

Im Hintergrund: Mister Tuba. Quelle: Regine Buddeke

Es macht Spaß, es geht in die Beine, es lässt wünschen, dass es nicht aufhört. Drei Sets spielen die Musiker, meist schnelle Sachen, die viel Spielraum lassen für all das, was man in rund achtzig Jahren so gelernt hat an Tricks und Können am Instrument. Seit 1962 gibt es die Umbrellas – Berufsmusiker ist keiner von ihnen. Trotzdem: Das Titelrepertoire muss wohl länger sein als Don Giovannis Leporello-Frauen-Liste.

„Dass die noch so viel Kraft in der Lunge haben“ wundert sich eine Zuhörerin, auch bereits im Rentenalter. Womöglich ist selbst gemachter Jazz ein Jungbrunnen – die Theorie scheint angesichts dessen, was da auf der Bühne abgeht, durchaus plausibel.

Die Umbrella Jazzmen in Hochform. Quelle: Regine Buddeke

„Sweet substitute“: „Süßer Vertreter“, scherzt Seidel. „Oder Vertreterin“, grient der Pianist breit. „In the shade of an old apple tree“, kündigt Seidel an und erzählt, dass seine Liebste Bienen züchtet und das Lied möge, in dem es auch um Bienen geht. „Seine Liebste ist sein Schwarm“, witzelt der Pianoman weiter und weiter geht der Jazz: fetzige Einheizer, ab und an mal ein schmelzend-sahneweiche Ballade.

„Jeepers Creepers“, „I don’t mean a thing“ – man kennt so einiges vom Hören. Immer wieder gibt es Zwischenapplaus für die grandiosen Soli. „Schon wieder ne Komposition von Niels“, ruft Seidel. Der windet sich – halb geschmeichelt, halb gespielt verschämt und spielt sich selbst einen Tusch. „Mehr Rotwein“, ruft ein Mann aus dem Publikum. Gelächter einmal mehr, als Niels Unbehagen in Mozart und Schneeflöckchen-Weißröckchen abdriftet, den Schalk im Nacken. Seine Kollegen stöhnen nur kurz – sie kennen das schon.

„Mehr Rotwein, Banjoman“: Niels Unbehagen lässt sich den Kelch vollschenken. Quelle: Regine Buddeke

„Weatherproof guys“ – auch ein Titel vom Pianisten. „Beim Schreiben hat er an uns gedacht – weil wir so unverwüstlich sind“, scherzt Seidel und schmeißt sich wieder an seine Posaune. Am Ende – viel zu schnell sind die drei Sets vorbei – gibt es noch eine Zugabe. Und dann, als die Hälfte der Leute schon nach draußen gegangen ist, spielt der Klarinettist still-versonnen „You can’t remember this“. Kann man schon.

Von Regine Buddeke

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