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Ostprignitz-Ruppin Märchenmalerei in Alt Daber wird geschreddert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Märchenmalerei in Alt Daber wird geschreddert
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18:19 05.08.2014
Selten freuen sich Abrissbeteiligte, Geldgeber, Planer und Umweltverantwortliche so, wie bei dem gestern begonnenen Vorhaben in Alt Daber.
Selten freuen sich Abrissbeteiligte, Geldgeber, Planer und Umweltverantwortliche so, wie bei dem gestern begonnenen Vorhaben in Alt Daber. Quelle: Gerd-Peter Diederich
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Alt Daber

22 Häuser der russischen Bauart aus Kalksandstein, kleinste Bauten und die großen Fahrzeughallen auf dem ehemaligen Unterkunftsgelände des sowjetischen Militärflugplatzes Alt Daber werden seit Dienstag abgerissen.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und die Stadt Wittstock sind die Auftraggeber. Die Bima ist der Hauptgeldgeber in diesem Vorhaben. Den Verantwortlichen geht es mit dem Gebäudeabriss vorrangig um die künftige Gefahrenabwehr. Trotz Betretungsverbotes wird das weitläufige Gebiet immer wieder illegal betreten. Bauten werden durchsucht, die jedoch akut einsturzgefährdet sind. Die meisten Häuser sind durch Brandstiftungen 2013 schwer beschädigt. Sie werden bis auf die Grundmauern abgerissen, darunter das ehemalige Krankenhaus mit der verbliebenen sowjetischen Märchen-Wandmalerei im Treppenhaus.

60 Fledermäuse sind im Keller zu Hause

Von zwei Bauten, einem großen und einem ganz kleinen Haus mit ehemals technischer Funktion, werden jedoch die Keller übrig bleiben und ordentlich stabil abgedeckt. Das sind vorbestimmte Fledermausquartiere: In dem großen Keller sollen bereits zirka 60 Fledermäuse wohnen. Um sie nicht zu vertreiben, soll die Abrissfirma Frank Albert, die den Auftrag in einer stark beachteten Ausschreibung unter vielen Mitbewerbern gewonnen hat, zügig arbeiten. Noch vor dem Winterschlaf der Fledermäuse sollen die Kellerdecken abgedichtet sein.

Während der Abrissarbeiten werden auch gleich die zahllosen offenen und oft zugewachsenen, aber um so gefährlicheren Kanalschächte weggebaggert und anschließend aufgefüllt. Ein Kampfmittelräumer beaufsichtigt die Arbeiten.

"Wir erwarten nach dem Abriss auf dieser Teilfläche bis Mitte November dann, dass alles munitionsfrei ist", sagt Wirtschaftsförderer Dieter Herm von der Stadtverwaltung. Christine Conradt-Rakei, Stellvertreterin im Management der Bima, freut sich, dass jetzt rund 1,4 Millionen Euro hauptsächlich aus dem Efre-EU-Programm in Abrissleistungen umgesetzt werden können. Das sei dem guten Vorbereitungsstand zu verdanken. Diese Fördermittel seien von vorherigen Antragstellern bei ihren Vorhaben wegen fehlender Eigenmittel oder Planungen nicht abgerufen worden, sagte Conradt-Rakei. Sie müssen in diesem Jahr verbraucht sein, das Förderprogramm endet dann.

Für Wittstock ist es umso mehr ein Glücksfall, dass es hier gestern losgehen konnte. Jetzt ist auch ein Wachschutz ständig präsent. Unternehmer Frank Albert kann das hier gewonnene Abbruchmaterial, das er in seiner Brecheranlage in Biesen sofort aufarbeitet, schon für nächste Aufträge gut gebrauchen.

 

DAS VORHABEN

  • Der Komplettabriss aller Militärbauten am Standort Alt Daber liegt noch in weiter Ferne und würde geschätzt über 4 Million Euro verschlingen.
  • 22 Bauten auf 20 Hektar werden jetzt abgerissen. Die freie, sichere Fläche in Bima-Besitz wird renaturiert und ist 15 Jahre tabu. Dafür wurden 1,4 Million Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) bereitgestellt, für Planungs- und Kampfmittelräumleistungen kommen einige 100 000 Euro Eigenmittel dazu. Auch die Stadt ist an den Kosten beteiligt.

Von Gerd-Peter Diederich

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