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Ostprignitz-Ruppin Einsätze verlangen immer mehr ab
Lokales Ostprignitz-Ruppin Einsätze verlangen immer mehr ab
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18:42 25.03.2018
Neben Urkunden für die Teilnahme an Weiterbildungskursen gab es auch neue Schulterstücke für all jene Feuerwehrleute, die am Freitag befördert wurden. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Bäume von Straßen räumen, die die Herbststürme umgeweht hatten, Türnotöffnungen oder eingeklemmte Autofahrer nach einem Verkehrsunfall aus ihren Fahrzeugen befreien – die technischen Hilfeleistungen machen mittlerweile den Großteil der Einsätze aus, zu denen die Wittstocker Feuerwehr ausrücken müssen. 195 Mal waren die Feuerwehrleute 2017 mit diesen Aufgaben beschäftigt, bilanzierte Stadtwehrführer, Steffen Müller, am Freitagabend bei der Hauptjahresversammlung der Wittstocker Feuerwehr.

Die Mitglieder der Feuerwehren in Wittstock zogen am Freitagabend im Rathaus Bilanz für das Jahr 2017 und warfen einen Blick auf kommende Herausforderungen.

Dabei erinnerte er auch an den umgekippten Tanklastzug auf der Autobahn 24 bei Walsleben Mitte August vergangenen Jahres. Bei der Beseitigung der austretenden Salpetersäure seien neben Feuerwehrleuten aus Mecklenburg-Vorpommern und Nordwestbrandenburg auch 52 Wittstocker Kameraden beteiligt gewesen.

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40 Brände und 84 Einsätze in der Natur

Der Einsatz habe sehr viel abverlangt, einige Feuerwehrleute hätten mit den Folgen der Strapazen bis heute zu kämpfen. Aufgrund dieser Erfahrung liege ein Ausbildungsschwerpunkt nun auf „gefährlichen Stoffen und Gütern“. Die beiden großen Herbststürme sind laut Steffen Müller die Hauptursache dafür gewesen, dass die Wittstocker Feuerwehren 84 Mal zu Einsätzen in die Natur gerufen worden seien. Wohingegen nur 40 Brandeinsätze in der Bilanz auftauchten.

Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann dankte der Feuerwehr. Quelle: Christian Bark

„Die Aufgabenfelder haben sich verschoben. Brandbekämpfung ist heute eher ein Beiwerk“, betonte der Wehrführer. Den Feierwehrleuten werde heute immer mehr Knowhow bei Einsätzen abverlangt. Gleichzeitig müsse Sorge dafür getragen werden, dass genug Nachwuchs diejenigen ersetzt, die in die Alters- und Ehrenabteilung wechseln würden. Besondere Sorge über die personelle Situation bestehe in Christdorf und Dranse. Wobei die Ortswehren dort eng mit denen der Nachbardörfer zusammenarbeiten würden.

Jugendfeuerwehr wird immer beliebter

Mit 237 aktiven Feuerwehrleuten verfügte Wittstock 2017 über 16 Mitglieder weniger als noch ein Jahr. Mut mache jedoch die ausgezeichnete Nachwuchsarbeit. „Letztes Jahr sind neun junge Kameraden in den aktiven Dienst gewechselt. Dieses Jahr rechnen wir mit einer ähnlichen Zahl“, so Steffen Müller. 49 Mitglieder zählt die Jugendfeuerwehr derzeit, wie Stadtjugendwartin Jennifer Dürkopp informierte. Insbesondere die Kindergruppe erfreue sich großer Beliebtheit. „Es gibt sogar schon Wartelisten“, erklärte Jennifer Dürkopp. Sie betonte auch die enge Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz.

Karl Manz (l.) wurde für 70 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr geehrt. Quelle: Christian Bark

Neben der Stadtwehrführung dankten auch Vertreter des Kreisfeuerwehrverbands Ostprignitz-Ruppin sowie Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann den Anwesenden für ihre ehrenamtliche Tätigkeit. „Danke für Ihre Lebenszeit zum Wohle der Menschen in unserer Stadt“, sagte der Bürgermeister. In Sachen Nachwuchsförderung sei die Wehr auf dem richtigen Weg. Er habe den Eindruck, dass die Feuerwehr wieder mehr eine Rolle in den Familien der Region, auch bei Rückkehrern spiele.

Als große Herausforderung für die Zukunft sieht Steffen Müller die Sensibilisierung der Menschen für die Feuerwehrarbeit. Dabei monierte er tätliche Übergriffe auf die Einsatzkräfte, die Nichtbildung von Rettungsgassen sowie die Dreistigkeit von „Gaffern“ bei Unfällen, die die Rettungseinsätze dadurch noch behindern würden. „Es wird künftig ein Balanceakt bei weniger Personal und steigender Aufgabenzahl“, sagte der Wehrführer. Allein am Freitag verabschiedete die Feuerwehr vier ihrer anwesenden Mitglieder in die Alters- und Ehrenabteilung. Gleichzeitig gab es aber auch Urkunden und Beförderungen für jüngere Feuerwehrleute.

Technische Hilfeleistung nimmt zu

Zu 235 Einsätzen mussten die Feuerwehren in Wittstock 2017 ausrücken. 195 davon waren technische Hilfeleistungen und lediglich 40 tatsächliche Brandbekämpfung.

Über 2600 Einsatzstunden wurden 2017 geleistet zuzüglich zahlreicher Fortbildungsstunden.

237 aktive Mitglieder gab es 2017 in der Wittstocker Feuerwehr. Insgesamt sechs Feuerwehrleute wechselten in die Alters- und Ehrenabteilung, die nun 137 Mitglieder zählt.

Dass mit 65 Jahren auch rüstige Mitglieder aus dem aktiven Dienst ausscheiden müssen, sieht die Feuerwehr kritisch.

Von Christian Bark