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Ostprignitz-Ruppin Mit dem Planwagen durch die Freie Heide
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mit dem Planwagen durch die Freie Heide
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18:31 24.09.2014
Wie im Wilden Westen: Ein Konvoi aus Planwagen und Kremsern zieht am Horizont durch die blühende Heide. Quelle: Christian Schmettow
Neuglienicke

Diesel gegen Sprit - von solchen Tauschgeschäften mit den Russen schwärmen die Älteren noch heute. Die Russen bekamen den "Sprit" (zum Trinken) und gaben dafür brüderlich etwas ab von den Dieselvorräten, die eigentlich für die Panzer der Roten Armee gedacht waren. Was im Tanklager Altfriesack südlich von Neuruppin funktionierte, war offenbar auch auf dem riesigen Übungsgelände in der Kyritz-Ruppiner Heide üblich, dem sogenannten Bombodrom. Die älteren Fahrgäste der geführten Kremsertouren über das Bombodrom schwärmen jedenfalls von den alten Zeiten. Und es sind überwiegend Ältere, die sich durch die Heide kutschieren lassen. "Viele kennen die Heide noch aus ihrer Jugendzeit und wollen sie jetzt noch einmal sehen", sagt Marlies Fourmont. Wenn kurz nach 10 Uhr in Neuglienicke direkt an der ehemaligen Schießplatzgrenze die Kremser zum Einsteigen bereitstehen, werden manche Fahrgäste rechts und links gestützt auf den Wagen gehoben.

Seit dem vergangenen Jahr führen Kutschfahrten durch die freie Heide, die heute der Sielmann-Stiftung gehört - ein fast unberührtes Naturparadies, in dessen Erdreich allerdings immer noch gefährliche Blindgänger und Munitionsreste liegen. Deshalb dürfen die vier Fuhrunternehmen aus Rheinsberg, Wallitz, Zermützel und Storbeck nicht vom Rundweg abweichen und ihre Fahrgäste nur auf dem Aussichtshügel aussteigen lassen. Bei jeder Fahrt ist ein Sprengstoffexperte mit dabei. Manchmal müssen Touren auch kurzfristig abgesagt werden - die Räumung der Wege durch die Sprengstoffsuchtrupps hat Vorrang.

Deshalb ist die Kremser-Saison in diesem Jahr auch schon wieder vorbei - eine Woche früher als vorgesehen. Die Kremser fahren ohnehin nur zur Heideblüte - von Mitte August bis Mitte September. Ursprünglich waren die zweieinhalb- bis dreistündigen Fahrten bloß sonnabends und sonntags geplant (je einmal vor- und nachmittags). Wegen der großen Nachfrage fuhren die Kremser aber zusätzlich auch von Mittwoch bis Freitag jeweils am Vormittag. Während der Saison haben die Fuhrunternehmen Kutschen und Pferde in Neuglienicke stationiert. Das dortige "Kleine Waldhaus" stellt auch Toiletten und Parkplätze für die Besucher bereit.

Buchen müssen die Fahrgäste die Fahrten durch die Heide jeweils bei den einzelnen Fuhrunternehmen. Bei Marlies Fourmont beispielsweise gibt es die Fahrt für 20 Euro, Kaffee und Kuchen inklusive. "Und bei mir ist der Kuchen selbst gebacken", betont die Geschäftsfrau. Sie betreibt in Rheinsberg vier Kutschen und vier Kremser. Die Heidefahrten mit zehn bis zwölf Fahrgästen pro Wagen sind da für sie bislang nur ein Zubrot. Trotzdem ärgert sie sich über das unfaire Miteinander der Fuhrunternehmen.

Von 30 angemeldeten Fahrgästen waren am Sonntag nur fünf erschienen. Als Marlies Fourmont bei den übrigen telefonisch nachfragte, warum sie nicht wenigstens abgesagt hätten, kam heraus: Ein anderer Kutscher hatte ihre Fahrgäste kurzerhand auf seinen Kremser eingeladen. "Wie die Wölfe", sagt die Unternehmerin, die seit 35 Jahren im Geschäft ist, kopfschüttelnd und tut den eigentlich sehr sozialen Tieren, die sich in der Heide wieder ansiedeln, damit wahrscheinlich Unrecht.

"Das kann ich mir nicht vorstellen", sagt dagegen Thomas Pakropa aus Wallitz. Es achte jeder darauf, dass er seine bestellten Gäste an Bord hat und keine anderen. Als "Kutscher Tommy" arbeitet der Wallitzer vor allem mit Hotels zusammen und bietet Fahrten durch die nähere Umgebung von Wallitz an. Sein Unternehmen hat vier Planwagen und zwei Kutschen am Start, darunter einen Riesen-Kremser für 32 Personen - eine Spezialanfertigung extra für sein Unternehmen. Von den Hotels bekommt er oft größere Gesellschaften vermittelt - bei goldenen Hochzeiten zum Beispiel. Bisher musste er die auf mehrere Kutschen verteilen. Jetzt können alle auf einem Wagen feiern "mit genug Platz für Spiel, Spaß und Gesang", so Kutscher Tommy. Er wollte sich eigentlich mit allen Fuhrunternehmern auf einen Einheitspreis für die Heidefahrten einigen, aber das sei nicht möglich gewesen. Seine Gäste zahlen nun 18 Euro plus 5 Euro für Kaffee und Kuchen oder Schnittchen vom Kleinen Waldhaus.

Im nächsten Jahr werden die gemeinsamen Fahrten im Konvoi ohnehin Geschichte sein - falls der Landrat die Wege zwischen Neuglienicke und Rossow für die Allgemeinheit frei gibt. Thomas Pakropa hofft sehr, dass die Spezialfirma auf den Wegen keine bösen Überraschungen mehr findet. Dann könnte er auch Fahrten durch die Heide zu individuellen Zeiten anbieten. Bislang geht das nur bis zum Feierabend der Forstleute und Feuerwerker. Dabei gebe es bereits viele Anfragen von Berufstätigen, die gern nach 16 Uhr durch die Heide fahren würden.

Die Nachfrage ist da: Die Kutschen sind noch nicht zurück, da hält ein Auto mit Potsdamer Kennzeichen. Wo man denn hier aufs Bombodrom-Gelände komme, fragt der Mann. Auch er kenne die Heide noch von früher.

Von Christian Schmettow

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